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GeldpolitikTürkischer Zinsentscheid hebt die Lira aus ihrem Rekordtief

Die Zentralbank erhöht den Zinssatz um 7,5 Prozent. Noch haben die Märkte aber kein Vertrauen in eine konsequente Weiterführung dieser Geldpolitik.Marius Ochs 24.08.2023 - 14:39 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die türkische Zentralbankchefin ist seit Juni 2023 im Amt und hat am Donnerstag zum dritten Mal den Leitzins erhöht.

Foto: IMAGO/Xinhua

Düsseldorf. Die türkische Zentralbank hat am Donnerstag den Leitzins zum dritten Mal in Folge angehoben. Dieser steigt um 7,5 Prozentpunkte auf 25 Prozent, wie die Währungshüter nach ihrer geldpolitischen Sitzung in Ankara mitteilten.

Analysten überrascht dieser Schritt: Sie hatten lediglich mit einer Erhöhung auf bis zu 20 Prozent gerechnet. Die Notenbank verfolgt mit diesem großen Schritt zwei Ziele. Zum einen will sie dadurch das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen und den Verfall der Landeswährung Lira stoppen. Zum anderen will sie damit die Inflation dämpfen, die in der Türkei im Juli bei 47,8 Prozent lag.

Mit der Maßnahme konnten die Währungshüter die türkische Lira zumindest kurzfristig stützen: Nach Bekanntgabe des Zinsentscheids kostete ein US-Dollar am Nachmittag 25,73 Lira, nachdem die türkische Währung zuvor bei 27,27 Lira pro Dollar erneut ein Rekordtief erreicht hatte.

Im Juni hatte die türkische Zentralbank den Leitzins erstmals seit 2021 wieder angehoben, von 8,5 auf 15 Prozent. Dieser Schritt wurde damals von Ökonomen und Analysten begrüßt, jedoch auch als zu niedrig kritisiert. Vergleichbare Reaktionen gab es bei der letzten Entscheidung im Juli, als der Zinssatz auf 17,5 Prozent erhöht wurde.

Auch diesmal sind die Reaktionen zurückhaltend. „Es fällt mir wirklich schwer, mich über diese positive Überraschung zu freuen, nachdem wir zwei Mal in Folge negative Überraschungen erlebt haben“, sagte Win Thin, globaler Leiter der Währungsstrategie bei Brown Brothers Harriman in New York der Nachrichtenagentur Bloomberg. Nun müsse man die nächste Entscheidung am 21. September abwarten. „Wenn sie eine weitere große Anhebung bringt, haben sich die Dinge vielleicht wirklich geändert.“

Das Vertrauen in die Willensstärke der türkischen Zentralbank ist Analysten zufolge entscheidend. Solange die Märkte keinen festen Kurs der Notenbank erkennen, könne sich die Landeswährung nicht erholen.

Fehlendes Vertrauen wegen unorthodoxer Politik

Das bisher schwache Vertrauen in die türkische Zinspolitik lässt sich vor allem aus den unorthodoxen und politisch gesteuerten Schritten der türkischen Zentralbank in den vergangenen Jahren erklären. Bis zum Sommer 2021 lag der zentrale Zinssatz bei konstant 19 Prozent, vor 2019 lag der Zinssatz sogar noch höher.

Hohe Inflation und drohende Währungskrise belasten die Türkei.

Foto: Bloomberg Creative Photos/Getty Images

Doch dann gab die Notenbank dem Druck von Präsident Recep Tayyip Erdogan nach und läutete einen Zinssenkungszyklus ein. Um diesen Schritt durchzusetzen, entließ Erdogan ab 2019 drei Zentralbankchefs, bis er 2021 mit Sahap Kavcioglu einen Banker fand, der seine Niedrigzinspolitik teilte.

Indem Erdogan die Wirtschaft durch die gesenkten Zinsen mit günstigerem Geld versorgte, vernachlässigte er die Inflationsbekämpfung. Lag die Teuerung im Juli 2021 noch bei etwa 19 Prozent, kletterte sie nach den Zinssenkungen auf ein Hoch von über 85 Prozent im Oktober 2022.

Auch mit diesen verheerenden Zahlen hielten Präsident Erdogan und Notenbankchef Kavcioglu während des Wahlkampfs am Zinskurs fest. Zwischenzeitlich fiel die Teuerungsrate wieder, auf den vorläufigen Tiefststand von etwa 38 Prozent im Mai 2023.

Im selben Monat fanden die Wahlen statt, nach denen Erdogan neues Personal berief und einen Wechsel in der Zinspolitik einleitete. Die Inflation steigt seitdem wieder sprunghaft an. Für das Jahresende prognostizierte die türkische Zentralbank eine Teuerungsrate von 58 Prozent. Das Teuerungsziel der Zentralbank liegt bei fünf Prozent.

Drohende Währungskrise

Auf der Notenbankchefin Hafize Gaye Erkan ruhen viele Hoffnungen. Sie ist erst seit Juni im Amt. Die politisch gesteuerten Entscheidungen der vergangenen Jahre haben das Vertrauen in die Zentralbank zerstört. Auch deshalb steht die türkische Lira seit Jahren unter Druck.

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2021 verlor die Lira 44 Prozent an Wert, 2022 nochmals 30 Prozent. Seit Erdogans Wiederwahl fiel die türkische Währung erneut um mehr als 20 Prozent.

Erkan hat mit dem neuen Finanzminister Mehmet Simsek einen politischen Partner an ihrer Seite, der wie sie für eine straffere Zinspolitik steht. Simsek war bis 2018 in verschiedenen Positionen an der türkischen Regierung beteiligt, zuletzt als Finanzminister und stellvertretender Premierminister, bis Erdogan ihn durch seinen Schwiegersohn ersetzte.

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