Geldpolitik: Zinswende kommt wahrscheinlich erst mit Verspätung
Davos, Frankfurt. Distanziertheit gehört zum Berufsethos eines Notenbankers. Das ergibt sich aus der Unabhängigkeit, die Geldpolitikerinnen und Geldpolitiker für sich beanspruchen. Was das Menscheln und die Kontaktfreudigkeit angeht, stellt Christine Lagarde daher sicherlich eine Ausnahme dar.
Das zeigt sich dieser Tage beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB) bewegt sich ebenso unprätentiös wie locker durch die Gänge des Kongresszentrums, führt hier und da Gespräche, lässt sich bereitwillig mit Menschen fotografieren, die sie persönlich nicht kennt.
Natürlich hat Lagarde auch eine geldpolitische Botschaft zum Weltwirtschaftsforum in den Schweizer Bergen mitgebracht. Eine sehr wichtige noch dazu. „Börsen machen ihre Arbeit, sie haben ihre Zahlen, sie haben ihre Ziele“, sagte sie Bloomberg TV.
Sollten die Märkte das Vorgehen der EZB falsch interpretieren, könne dies aber die Arbeit der EZB erschweren, die Inflation zu bekämpfen, ergänzte sie. „Es hilft unserem Kampf gegen die Inflation nicht, wenn die Erwartungen im Vergleich zu dem, was wahrscheinlich passieren wird, viel zu hoch sind.“