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GroßbritannienFinanzminister macht Bank of England für Börsenchaos verantwortlich – Pensionsfonds bitten um Darlehen

Es sei Schuld der Notenbank, sollten die Märkte erneut in Schieflage geraten, sagt Kwasi Kwarteng. Die Regierung kanzelt zugleich eine andere Behörde ab. 13.10.2022 - 08:07 Uhr Artikel anhören

Ende Oktober will der Finanzminister neue Pläne zur Entlastung von Haushalten und Unternehmen verkünden.

Foto: Reuters

London. Die Entscheidung der Bank of England (BoE), ihre Anleihekaufprogramme auf diese Woche zu beschränken, führt zu Unmut und weiteren Unsicherheiten. Zudem geraten die Pensionsfonds, für die das Notprogramm aufgelegt wurde, immer weiter in Schieflage.

Sollte es an den britischen Märkten nach dem Ende der Bondkäufe am Freitag erneute Turbulenzen geben, sei dafür die britische Notenbank verantwortlich, sagte Großbritanniens Finanzminister Kwasi Kwarteng dem Sender Sky News. Verwerfungen nach der Rücknahme der Unterstützung durch die BoE seien „Sache des Gouverneurs“, erklärte er am Rande des Jahrestreffens des Internationalen Währungsfonds in Washington.

Die BoE hatte Ende September damit begonnen, Anleihen aufzukaufen, um die britischen Finanzmärkte zu stützen. Grund dafür war ein Ausverkauf bei Pensionsfonds gewesen.

Notenbankchef Andrew Bailey hat den Fonds nun zwei weitere Tage eingeräumt, um die 65 Milliarden Pfund schwere Notfallfazilität der Bank zu nutzen. Dann werde das Programm geschlossen.

Die knappe Frist birgt die Gefahr eines weiteren Marktchaos, das zum Scheitern einiger sogenannter haftungsorientierter Anlagestrategien führen könnte. Es würde Kwarteng unter Druck setzen, ein überarbeitetes Paket von Steuer- und Ausgabenplänen vorzulegen.

Rees-Moog stellt Kompetenz der Haushaltsbehörde in Frage

Ende September hatten er und Premierministerin Liz Truss mit ihren Plänen für massive schuldenfinanzierte Steuersenkungen für Panik gesorgt. Kurze Zeit später nahmen sie einen Teil der Entlastungen zurück. Ökonomen zufolge hätten die Maßnahmen umgerechnet bis zu 230 Milliarden Euro kosten können.

Das Paket war ungewöhnlicherweise nicht von Prognosen der unabhängigen Haushaltsbehörde OBR begleitet worden. Das hätte daran gelegen, dass die Genauigkeit der Vorhersagen der OBR in der Vergangenheit nicht besonders gut gewesen sei, sagte Wirtschaftsminister Jacob Rees-Mogg am Mittwoch dem Sender ITV.

Die Aufgabe von Finanzministern sei es, Entscheidungen zu treffen – und nicht davon auszugehen, dass es einen einzelnen Prognostiker gebe, „der den Nagel auf den Kopf treffen wird“. Auch sei das OBR ist nicht die einzige Organisation, die in der Lage sei, Prognosen abzugeben.

Ende Oktober will Kwarteng nun seine neuen Pläne verkünden und an dem Tag auch eine OBR-Prognose vorlegen. Der Branchenverband Pensions and Lifetime Savings Association forderte die Bank of England am Dienstag auf, ihr Notkaufprogramm für Anleihen bis mindestens zu diesem Datum zu verlängern.

Pensionsfonds fragen Unternehmen nach Notfallkrediten

Um ihre Liquidität zu erhöhen, suchen Pensionsfonds indes nach anderen Geldgebern: So berichtet eine Reihe britischer Unternehmen von der Aufforderung ihrer Pensionsfonds, ihnen Notkredite zu gewähren. Dies erfuhren Nachrichtenagenturen von Beratern und Pensionsfondsberatern, die nicht namentlich genannt werden möchten.

Die Fonds wollen sich für den Fall absichern, dass sie im Zuge eines erneuten Ausverkaufs von Gilts gezwungen sind, Nachschusszahlungen auf Derivatepositionen zu leisten. Dazu suchen sie in ihren Portfolios nach weiteren Möglichkeiten, ihre Liquiditätspuffer wieder aufzubauen, nachdem die am leichtesten veräußerbaren Vermögenswerte bereits abgestoßen wurden.

Um ihre Kunden zu schützen, wollen Fonds vermeiden, sich von besonders wertvollen Vermögenswerten zu trennen. Dazu gehören vor allem ihre Bestände an Wachstumswerten oder weniger liquiden Anlagen wie Infrastrukturprojekte, die den Systemen langfristig zugute kommen sollen, hieß es.

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Ein Anwalt sagte, dass sich die Anfragen seiner Kunden nach kurzfristigen Notkrediten von Arbeitgebern auf Hunderte von Millionen Pfund belaufen könnten. „Wir haben eine Reihe großer Kunden, die Notfall-Liquiditätsfazilitäten vorbereitet haben, die von ihrem Sponsor zur Verfügung gestellt werden sollen“, berichtet Patrick Bloomfield, Partner bei der Beratungsfirma Hymans Robertson LLP, in einer schriftlichen Antwort auf Fragen.

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