Leitzins: Vor dem Tag der Entscheidung: EZB visiert Rekord-Zinsschritt an
Die EZB-Präsidentin und ihre Kollegen haben seit Juli vergangenen Jahres sechs Mal die Zinsen erhöht.
Foto: imago images/Frank OssenbrinkFrankfurt. In den vergangenen Monaten hat die Europäische Zentralbank (EZB) einen drastischen Kurswechsel vollzogen. Noch Anfang des Jahres hatte Notenbankchefin Christine Lagarde die Aussicht auf Zinserhöhungen weit von sich gewiesen. Inzwischen sind sie längst Realität. Und vor der Ratssitzung am Donnerstag ist die Frage nur, in welchem Umfang die EZB nachlegt.
Die Märkte rechnen mit einer Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent für den Leitzins und 0,75 Prozent für den zurzeit noch wichtigeren Zins, den Banken für ihre Einlagen bei der EZB bekommen. Dies wäre die größte Anhebung in der Geschichte der Notenbank.
Angesichts erneut überraschend hoher Inflationszahlen ist die Wahrscheinlichkeit dafür zuletzt gestiegen. Mehrere Ratsmitglieder signalisierten bereits ihre Unterstützung dafür. Darunter auch Vertreter, die früher als „Tauben“ galten, also als Verfechter einer lockeren Geldpolitik. Damit haben sich die Mehrheitsverhältnisse im EZB-Rat stärker in Richtung der „Falken“ gewendet, die für eine harte Geldpolitik eintreten.
EZB: Märkte rechnen um Erhöhung von Leitzins und Einlagenzins um 0,75 Prozent
„Ich halte eine Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte für angemessen,“ sagt Allianz-Ökonomin Katharina Utermöhl. Zusätzliche Argumente für einen großen Zinsschritt lieferten die neuen Inflationszahlen für August. Demnach stieg die Teuerungsrate im Euro-Raum auf ein neues Rekordhoch von 9,1 Prozent.