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Immobilienbranche in ChinaEvergrande-Chef wird vom Aktienhandel ausgeschlossen

Seit rund einem halben Jahr ist der Chef des in Schieflage geratenen Baukonzerns im Visier der Behörden. Nun wird er wegen Bilanzfälschung belangt und darf nicht mehr am Aktienhandel teilnehmen.Martin Benninghoff 19.03.2024 - 08:07 Uhr
Das Unternehmen ist unter seinem Chef Hui Ka Yan zum Symbol der in die Krise geratenen Immobilienbranche in China geworden. Foto: Reuters

Peking. Der angeschlagene chinesische Immobilienkonzern Evergrande kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus. Nun soll der Chef des hochverschuldeten Unternehmens lebenslang vom Aktienhandel ausgeschlossen werden. Hui Ka Yan war bereits im vergangenen September ins Visier der Behörden geraten und unter Polizeiaufsicht gestellt worden.

Wie das Unternehmen mit Sitz in Shenzhen in dieser Woche mitteilte, wurde er zudem von der chinesischen Börsenaufsicht wegen verschiedener Finanzdelikte mit einer Geldstrafe von 47 Millionen Yuan (rund sechs Millionen Euro) belegt. Außerdem habe die Börsenaufsicht Evergrande mit einer Geldstrafe von 4,2 Milliarden Yuan belegt und weitere Führungskräfte bestraft. 

Hintergrund ist der Vorwurf gegen das Unternehmen, seinen Umsatz 2019 und 2020 künstlich um mehr als 560 Milliarden Yuan erhöht zu haben, hieß es weiter. Der Bauträger soll auf Grundlage dieser gefälschten Angaben Anleihen ausgegeben haben. Zudem soll Evergrande nicht rechtzeitig über Jahres- und Halbjahresergebnisse, Rechtsstreitigkeiten und ausstehende Schulden informiert haben. 

Der Bauträger ist umgerechnet mit mehr als 300 Milliarden Euro verschuldet und gilt als Sinnbild der chinesischen Immobilienkrise. Im Januar hatte ein Gericht in Hongkong die Auflösung der Börsengesellschaft des Unternehmens angeordnet.

Noch ist allerdings nicht klar, ob das Urteil auf dem chinesischen Festland umgesetzt wird, das zum Teil andere Rechtsregeln hat als die frühere britische Kronkolonie, die mittlerweile politisch zu China gehört. Evergrande macht den größten Teil seiner Geschäfte in Festland-China. 

Country Garden gerät zunehmend unter Druck

Evergrande steht zwar im Epizentrum der chinesischen Immobilienkrise, ist aber nicht der einzige in Schieflage geratene Konzern – in Summe sind es mittlerweile Dutzende. Der ebenfalls bekannte Immobilienentwickler Country Garden soll eine Zahlung für inländische Anleihen nicht beglichen haben, berichteten mehrere chinesische Medien in dieser Woche. Demnach soll der Konzern eine Zahlung von 96 Millionen Yuan (mehr als zwölf Millionen Euro) versäumt haben.

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Jetzt soll eine 30-tägige Nachfrist laufen, in der die Zahlung nachgeholt werden kann. Danach können die Gläubiger rechtliche Schritte anstrengen. Die ausgefallene Zahlung ist die erste einer Yuan-Anleihe – das Unternehmen hatte zuvor bereits Zahlungen auf US-Dollar-Anleihen versäumt.

Ebenfalls in Hongkong läuft seit Ende Februar ein Gerichtsverfahren, an dessen Ende über eine mögliche Liquidation des Unternehmens entschieden werden soll. Der erste Anhörungstermin wurde nach Angaben von Country Garden für den 17. Mai festgelegt.

Die Immobilienkrise lastet schwer auf der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Mit allen Effekten auf die Zulieferer soll die Branche rund ein Viertel der chinesischen Wirtschaftsleistung ausgemacht haben – eine Größenordnung, die nicht leicht kurzfristig ersetzt werden kann, auch nicht durch Zukunftsbranchen wie Elektromobilität oder Solarenergie. Die Staatsführung rund um Präsident Xi Jinping will den Sektor kontrolliert schrumpfen lassen.

Regierung rät zur Insolvenz und Restrukturierung

Die schwersten gesamtwirtschaftlichen Folgen – etwa für die Konsumlaune der Chinesen – sollen aber beispielsweise durch Lockerungen bei der Kreditvergabe aufgefangen werden. Das Ziel ist dabei, dass bereits verkaufte Wohnungen fertiggebaut und den Käufern, die oft ihre Altersvorsorge ins Betongold investiert haben, übergeben werden können.

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Allerdings machte die Regierung in Peking wiederholt deutlich, dass von ihr keine großangelegten Rettungsprogramme für die angeschlagenen Unternehmen zu erwarten sind. Bauträger, die nicht mehr zahlungsfähig seien, sollten in die Insolvenz gehen und sich neu organisieren, sagte Ni Hong, Chinas Wohnungsbau-Minister, am Samstag. „Verhalten, das den Interessen der Öffentlichkeit schadet, wird gemäß dem Gesetz untersucht, damit sie den Preis zahlen, den sie verdienen“, sagte er.

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Ni betonte, die Regierung habe ihre Politik angepasst, etwa durch Zinssenkungen. „Der Wohnungsmarkt durchläuft einen Wandel“, sagte er. Zudem verwies er darauf, dass Angebot und Nachfrage auf dem Immobilienmarkt regional sehr unterschiedlich seien. Peking wolle deshalb mit den lokalen Regierungen die Finanzierung von Wohnungsprojekten koordinieren. Das heißt aber auch, dass die Immobilienkrise noch längst nicht ausgestanden ist – und Chinas Wirtschaft wahrscheinlich auf Jahre hinaus beschäftigen wird.

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