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ProptechsDeshalb setzt sich trotz aller Unsicherheiten der Aufwärtstrend fort

Immobilien-Start-ups müssen wohl nicht mit einer langen Durststrecke rechnen. Bis zum Jahresende könnte in die jungen Unternehmen dennoch mehr als eine Milliarde Euro fließen.Imke Reiher 10.06.2022 - 06:15 Uhr Artikel anhören

Unsichere Zeiten, weniger Wagniskapital: Trotzdem hofft Sarah Maria Schlesinger, dass in diesem Jahr noch mehr als eine Milliarde Euro in Proptechs aus dem deutschsprachigen Raum fließt.

Quelle: Imago

Foto: Handelsblatt

Ihren Einsatz beim Thema Digitalisierung hat die Immobilienbranche verschlafen. Doch unter anderem Proptechs sorgen seit einiger Zeit als Ideen- und Impulsgeber dafür, dass die digitale Transformation Fahrt aufnimmt. Immerhin ist die Zahl dieser Immobilien-Start-ups in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – und ebenso das Kapital, das in Aufbau und Produkte der jungen Unternehmen geflossen ist. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres sammelten die rund 650 Proptechs im deutschsprachigen Raum laut Blackprintpartners bereits 550 Millionen Euro ein. 2021 waren es insgesamt 666 Millionen Euro.

Doch die Stimmung wandelt sich. Die Inflation, höhere Zinsen und die geopolitischen Spannungen sorgen dafür, dass weniger Wagniskapital in Start-ups fließt. Die Zahl der Neugründungen ist laut Sarah Maria Schlesinger, Geschäftsführerin von Blackprintpartners, rückläufig. Ist der Proptech-Hype also schon wieder vorbei? Schlesinger geht nicht davon aus. „Die Branche ist den Kinderschuhen entwachsen, und der Reifegrad der Lösungen steigt. Wenn die Milliarden-Euro-Marke nicht Ende 2022 übersprungen wird, wäre das enttäuschend.“

Angesichts der steilen Aufwärtsdynamik und Bewertungen einzelner Proptechs stellen sich einige Branchenkenner dennoch die Frage, ob der Markt womöglich bereits zu ambitioniert bewertet ist. Zumal viele der Immobilien-Start-ups noch gar nicht in der Gewinnzone operieren. „An einigen Stellen mag es im Markt Überhitzungen geben und es fällt wohl auch mal eine Finanzierungsrunde für einen Wagniskapitalgeber teurer aus als gedacht, aber unterm Strich ist der Sektor höchst attraktiv und hat eine sehr gute Brutto-Wertschöpfung“, ist Schlesinger überzeugt.

Diese Einschätzung teilt Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum: „Die Bewertungen sind grundsätzlich in Ordnung, aber es werden natürlich Zukunftsaussichten bewertet, die schwer einzuschätzen sind. Auf der anderen Seite reagieren Investoren ja auch nicht irrational.“ Zwar geht Vornholz davon aus, dass die Folgen der Pandemie und der Ukraine-Krieg die Rahmenbedingungen verschlechtern und deshalb weniger Wagniskapital in Proptechs fließen wird. An den guten Fundamentaldaten für die Plattform-Ökonomie ändere dies aber per se nichts. „Der Aufwärtstrend ist weiterhin gegeben, denn bei der Digitalisierung gibt es keinen Endhaltepunkt, sondern immer wieder Neuerungen und neue Geschäftsmodelle.“

Wichtig sei, dass die Story überzeuge, denn aussichtsreiche Geschäftsmodelle und Innovationen finden in der Regel auch ihre Förderer und Abnehmer. Zwei Proptechs, denen dies im Mai gelungen ist, sind Brickbyte und Reinvent, die beide einen Käufer gefunden haben: Das Unternehmen Brickbyte, das eine digitale Flächenplanung für nachhaltige Bürokonzepte in Kombination mit Service- und Beratungsleistungen anbietet, ging an Savills. Die GC-Gruppe übernahm die Mehrheit an Reinvent, ein Start-up, das Architekten, Projektentwicklern und Handwerkern über eine Software eine gemeinsame Planung und Verwaltung von Immobilien ermöglicht.

Fakt ist: Die Angebotspalette von Proptechs ist äußerst facettenreich. Sie reicht von Plattformen, die Gebäudedaten analysieren und Optimierungsvorschläge nach den ESG-Kriterien machen, wie bei Quantrefy, bis zu Einrichtungs-Tools für Büros von V.Create. Gleichzeitig ist die Branche sehr dynamisch und verändert sich mitunter recht schnell. „Die Fluktuation ist enorm. Viele, die mit großen Plänen am Markt waren, gibt es heute nicht mehr, andere werden gekauft oder kaufen selbst“, so Vornholz. Auch bestimmte Themen, wie etwa das Building Information Modeling (BIM), das vor ein paar Jahren noch sehr intensiv von Proptechs bespielt wurde, sind mittlerweile in den Hintergrund geraten. Stattdessen lauten die neuen Zauberworte jetzt Künstliche Intelligenz (KI) und Nachhaltigkeit. Diese erhalten nicht zuletzt auch durch die aktuellen Preissteigerungen für Energie, die Klimaziele und die Vorgaben der EU-Taxonomie Rückenwind.

Der dürfte keine kurze Böe sein, sondern der Proptech-Branche langfristig Aufschwung geben – auch wenn die Zahl der Neugründungen derzeit rückläufig ist und sich das Wagniskapital-Volumen phasenweise abschwächen sollte. Denn der digitale Wandel in der Bau- und Immobilienbranche steht erst am Anfang und hat noch viel Luft nach oben – unabhängig davon, ob einige Unternehmen ihre Digitalisierungsprozesse in Zukunft stärker in Eigeninitiative voranbringen, statt auf externe Unterstützung durch Proptechs zu setzen. Zumal auch diese im Lauf der Zeit ausgereifter werden und sich – je nach angestrebtem Geschäftsmodell – anders positionieren, fusionieren oder aufkaufen lassen. Eine Blaupause für Erfolg gibt es allerdings nicht. „Man muss gute Ideen und erfolgversprechende Modelle durchdenken und dynamisch nach oben weiterentwickeln, ohne in der Umsetzungsphase größenwahnsinnig zu werden“, sagt Vornholz.

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