Bauen: Immobilien-Firmen investieren mehr in Forschung und Entwicklung
Frankfurt. Trotz der schwierigen Konjunkturlage wollen die großen deutschen Immobilienunternehmen in Deutschland mehr Geld in Forschung und Entwicklung (F&E) stecken. 28 Prozent der Firmen planen, ihre Ausgaben zu erhöhen, wie aus einer Umfrage des Branchenspitzenverbands ZIA (Zentraler Immobilien-Ausschuss) und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht, die dem Handelsblatt vorab vorliegt.
Knapp 33 Prozent der Unternehmen wollen das Niveau gegenüber dem Vorjahr halten. Doch nicht überall legt das Engagement zu. Rund ein Drittel gab laut der Umfrage an, überhaupt keine Ausgaben für F&E zu tätigen. Dabei gab es zwischen den Segmenten Wohnen, Gewerbe und Projektentwicklung kaum Unterschiede.
Befragt wurden bei der Untersuchung Geschäftsführer und leitende Angestellte von insgesamt 1200 deutschen Immobilienunternehmen. Unter dem Strich investieren insgesamt mehr als 60 Prozent der Firmen in ihre Wettbewerbsfähigkeit. Vor allem ein Feld gewinnt dabei für die Manager an Bedeutung.
„Bemerkenswert ist der hohe Anteil von Unternehmen, die mit Start-ups aus dem Immobilienbereich zusammenarbeiten“, sagt Michael Voigtländer, Immobilienexperte des IW.
So gaben in der Umfrage 45,3 Prozent der Unternehmen an, dass sie bereits mit jungen Start-ups aus der Branche – sogenannten Proptechs – Kooperationen eingegangen sind und diese noch ausweiten wollen. Weitere 12,1 Prozent der Firmen wollen eine Kooperation umsetzen oder planen dies zumindest.
Doch nicht alle Unternehmen sind zufrieden mit den Ergebnissen. 10,8 Prozent der Firmen arbeiten zwar bereits mit Proptechs zusammen, wollen dieses Engagement aber wieder zurückfahren, wie aus der Umfrage hervorgeht. Weniger als ein Viertel (23,7 Prozent) investiert sogar weder in F&E noch kooperiert es mit Start-ups.
Viele andere Immobilienunternehmen setzen offensichtlich darauf, sich durch die jungen Firmen Innovationen von außen ins Haus zu holen. So kooperieren immerhin knapp 41 Prozent derjenigen, die selbst keine F&E-Ausgaben haben, mit Proptechs. Die Immobilienwirtschaft steht in dem Ruf, generell wenig innovativ und eher träge zu sein.
„Die Ergebnisse unterstreichen, dass Proptechs oder Start-ups im Allgemeinen ein wichtiger Treiber von Innovationen sind, gerade für kleine und mittelständische Unternehmen“, betont Voigtländer.
Starker Fokus auf Energieeffizienz
Gut eine Milliarde Euro Wagniskapital ist nach bereits veröffentlichten Daten des Innovationsnetzwerks Blackprint 2024 in deutsche Proptechs geflossen – ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. 2023 hatten die Start-ups aus der Bau- und Immobilienbranche noch einen Rekordwert von 1,12 Milliarden Euro eingesammelt, 2024 waren es neun Prozent weniger.
Der mit Abstand größte Teil des Kapitals, 826 Millionen Euro, floss in junge Firmen, die sich auf Energieeffizienz von Gebäuden spezialisiert haben. Der Fokus auf diesen Bereich verstärkt sich damit. In den Proptech-Bereich „Sanieren und Bauen im Bestand“ flossen dagegen lediglich 63 Millionen Euro, in „Finanzieren, Bewerten und Investieren“ gingen 41 Millionen Euro.
Bis 2045 hat sich Deutschland zum Ziel gesetzt, klimaneutral zu werden. Der Gebäudesektor steht vor besonders großen Herausforderungen, denn auf Immobilien entfällt rund ein Drittel des Kohlendioxid-Ausstoßes. Nach Berechnungen des IW müssten hierfür jährlich fast 50 Milliarden Euro zusätzlich investiert werden. Der Forschung und Entwicklung wird dabei eine besondere Rolle zukommen.