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MietrechtWelches Online-Portal für Mieter im Streitfall das richtige ist

225.000-mal stritten Mieter und Vermieter im Jahr 2018 vor Amts- und Landgerichten. Neue Internetportale versprechen Mietern Hilfe. Was sie können und dürfen.Matthias Streit 30.05.2020 - 12:03 Uhr

Online-Portale versprechen Mietern unter anderem Rechtsberatung schon ab dem Mietvertragsabschluss.

Foto: EyeEm/Getty Images

Erfurt. Das Frühjahr ist nicht nur eine Zeit, in der die Natur erblüht. Für die Mieter ist sie auch die Zeit, in der die ersten Betriebskostenabrechnungen in den Briefkästen landen, zumindest wenn die Vermieter schnell sind. Für viele ist dies kein Grund zur Freude, sondern dies sorgt oft für Ärger über Nachzahlungsforderungen.

So schlicht die Forderung daherkommt, so komplex ist die Abrechnung. Selbst kundige Mieter sind schnell überfordert bei der Frage, was überhaupt abgerechnet werden darf und welche Posten möglicherweise zu hoch ausfallen.

Seit Jahrzehnten bieten örtliche Mietervereine Abhilfe und Rechtsberatung für besorgte Mieter an. Doch nun bekommen die Kümmerer der Mieter immer mehr Onlinekonkurrenz. Sie wittern ein Geschäft und versprechen Mietern schnelle Hilfe.

Wie groß der Bedarf ist, zeigen die Gerichtsverfahren: 225.000-mal stritten Mieter und Vermieter im Jahr 2018 vor Amts- und Landgerichten. Der Beratungsbedarf ist noch deutlich höher. Der Deutsche Mieterbund hat im gleichen Jahr 1,15 Millionen Rechtsberatungen erbracht.

Die Gründe für Streit sind vielfältig: Es geht um Schönheitsreparaturen, Modernisierungen, Mieterhöhungen – und natürlich Betriebskosten. Ähnlich vielfältig wie die Streitgründe sind die Angebote der Onlineportale. Mal versprechen sie Rechtsberatung, mal die schnelle Erlösung von Nebenkosten-Sorgen.

Wenigermiete.de

Das Start-up aus Berlin hat es im vergangenen Jahr zu einiger Berühmtheit gebracht: Vor dem Bundesgerichtshof wurde gestritten, ob das Portal als registriertes Inkassounternehmen einen Mietpreisrechner auf seiner Webseite und damit eine gewisse Beratungsleistung anbieten darf. Die Rechtsanwaltskammer Berlin sah das als illegal an, nach Auffassung des Bundesgerichtshof ist die Dienstleistung aber zulässig.

Im Kern können sich Mieter über das Legal Tech gegen eine Mieterhöhung wehren. Seit 2015 greift in vielen deutschen Städten die Mietpreisbremse. Gemäß dieser darf die monatliche Miete nicht mehr als zehn Prozent über dem ortsüblichen Vergleichsniveau liegen. Wer vermutet, zu viel zu zahlen, kann dies mithilfe eines Rechners auf dem Portal prüfen lassen. Erkennt das Portal eine zu hohe Miete, können die Mieter es damit beauftragen, ihre Rechte durchzusetzen. Für den seit Ende Februar geltenden Mietendeckel in Berlin hat die Plattform ebenfalls einen Rechner entwickelt.

Ein Kostenrisiko tragen die Mieter nicht, erklärt die Plattform: Eine Gebühr wird nur im Erfolgsfall erhoben. Das Honorar fällt dann so hoch aus wie die Ersparnis für vier Monate. Kann sich die Plattform nicht mit dem Vermieter einigen, zieht sie vor Gericht. Auch dann sollen den Mietern keine Risiken entstehen: Das Portal übernimmt die Anwalts- und Prozesskosten.

Die Dienstleistungen reichen weit über die Mietpreise hinaus: Wer etwa seine Miete mindern will, kann dafür auch auf die Dienste des Legal Techs zurückgreifen. Hier werden Gebühren fällig: Zunächst fällt eine Bearbeitungsgebühr von zehn Euro an. Im Erfolgsfall gelten je nach Mangel unterschiedliche Festhonorare: Bei einem Mietmangel wegen einer ausgefallenen Heizung 99 Euro, bei Schimmel 199 Euro. Zusätzlich fordert das Portal ein Drittel des monatlichen Betrags, um den die Miete reduziert wird.

Mineko

Auf einen bestimmten Streitpunkt konzentriert sich Mineko: die Mietnebenkosten. Gegründet hat das Unternehmen der studierte Architekt Chris Möller aus persönlicher Betroffenheit: Sein Vermieter forderte eine Nachzahlung von 480 Euro. Die Abrechnung war aber undurchsichtig. Eine schnelle Lösung sah er nicht – aber eine vermeintliche Marktlücke.

Wer sich mit einer hohen Nachforderung konfrontiert sieht, kann die komplette Nebenkostenabrechnung bei Mineko hochladen. Zusätzlich benötigt das Legal Tech den Mietvertrag. „Der Mietvertrag ist ganz wichtig, weil in ihm auch festgelegt ist, was abgerechnet werden darf“, erklärt Möller.

Grundsätzlich gilt: Der Vermieter kann Nachforderungen nur bis zwölf Monate nach Ablauf des Berechnungsjahres geltend machen. Wenn Mieter gegen die Abrechnung vorgehen wollen, müssen sie dies wiederum binnen zwölf Monaten nach Erhalt des Schreibens tun.

Die Unterlagen werden maschinell geprüft. Zugleich lernt eine Künstliche Intelligenz aus jedem neuen Fall: Mit jeder weiteren Prüfung wird klarer, welche Posten gewöhnlich abgerechnet werden und welche außergewöhnlich hoch ausfallen. Mitarbeiter prüfen die Ergebnisse zusätzlich.

Die Mieter erhalten daraufhin von Mineko einen Prüfbericht und ein Widerspruchsschreiben für den Vermieter. Denn Kontakt nimmt das Portal nicht mit dem Vermieter auf.

Eine Anfrage kostet ab 39 Euro. Wer eine besonders schnelle Untersuchung mit persönlichem Ansprechpartner wünscht, zahlt 69 Euro. 55 000 Nebenkostenabrechnungen habe das Unternehmen schon geprüft, sagt Möller. In vier von fünf Fällen gebe es Geld zurück, im Durchschnitt 220 Euro. Seine Dienste bietet das Start-up auch Unternehmen an. Für Gewerbemieter kostet die Prüfung – je nach Mietfläche und gewünschter Schnelligkeit – zwischen 109 und 279 Euro.

Möller erklärt, dass die Kosten von Mineko zum Teil von Rechtsschutzversicherungen übernommen werden. Pauschal für alle Versicherungen gilt das nicht. Der Gesamtverband Deutscher Versicherer teilt aber mit, dass manche Rechtsschutzversicherungen die Kosten von Legal Techs übernehmen.

Right Now

Nebenkosten nimmt seit Anfang dieses Jahres auch das Düsseldorfer Start-up Right Now ins Visier, das mit Entschädigungen bei Fluggastrechten groß geworden ist. Geprüft wird hier auch, ob zu viele oder nicht umlagefähige Posten abgerechnet wurden. Die Herangehensweise unterscheidet sich jedoch von Mineko: Right Now kauft Mietern ihre Ansprüche ab. Wer seine Nebenkostenabrechnung einreicht, dem schickt das Start-up nach einer Prüfung durch Algorithmen binnen 24 Stunden ein Angebot. Wer dieses annimmt, erhält das Geld direkt von dem Start-up.

„Wir nehmen das volle Risiko dann auf unsere Bilanz“, sagt Benedikt Quarch, einer der Gründer von Right Now. Das Legal Tech geht daraufhin gegen den Vermieter vor. Geld verdienen Quarch und seine Kollegen aus der Differenz dessen, was sie vom Vermieter zurückgefordert haben und was sie Mietern auszahlen.

Die Angebotspalette wird erweitert, sagt Quarch. Künftig will Right Now Mietern auch dabei helfen, ihre Ansprüche durchzusetzen, ohne sie abzukaufen. Right Now erhebt im Namen des Mieters die Ansprüche gegenüber dem Vermieter. Führt dies zum Erfolg, behält das Start-up einen Teil der Summe als Provision ein. Außerdem sollen Verbraucher die Option erhalten, nur einen Prüfbericht von Right Now und ein Forderungsschreiben zu erhalten, das sie selbst dem Vermieter schicken.

Mieterengel

Das Portal Mieterengel stellt keine Inkassodienstleistungen, sondern Rechtsberatung. Seit 2016 können sich Mieter in allen Mietbelangen rechtlichen Rat einholen. Dafür arbeitet das Start-up mit Anwälten zusammen. Wer sich an Mieterengel wendet, erhält spätestens nach 48 Stunden eine Antwort, verspricht das Start-up.

Voraussetzung ist jedoch eine Mitgliedschaft. Die kostet in drei Preisstufen zwischen 79 und 149 Euro pro Jahr und läuft 24 Monate. Ab der zweiten Preisstufe bekommen Mitglieder eine Mieterrechtsschutzversicherung. Nur im teuersten Modell sind für Mitglieder bis zu zwei Schreiben vom Anwalt an den Vermieter inbegriffen. Aktuell hat Mieter‧engel über 10.000 Mitglieder.

Der Anwalt, zu dem Mitglieder Kontakt aufnehmen, bleibe nach dem ersten Kontakt immer der gleiche, erklärt Christian Kahl, Co-Gründer von Mieterengel. Auch die Nebenkostenabrechnung könne geprüft werden. Ziel seines Unternehmens sei aber immer eine Rechtsberatung und keine Inkassodienstleistung.

Mieterbund 24

Online-Rechtsberatung bietet auch der Deutsche Mieterbund selbst, und zwar über das Portal Mieterbund 24. Wer eine Anfrage schicken möchte, muss sich zunächst kostenfrei registrieren. Die Anfrage selbst kostet 25 Euro. Eine weitere Nachfrage zum gleichen Fall ist kostenfrei. Die Antworten erteilen Anwälte. „Das Angebot richtet sich an all jene, die noch keine Mitglieder in einem Mietverein sind“, sagt Jutta Hartmann, Sprecherin des Mieterbundes. Für sehr komplexe Probleme mit sehr umfassenden Unterlagen sei die Onlineberatung nicht geeignet. Dort sei ein persönliches Gespräch passender.

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Diese Gespräche bieten die örtlichen Mietervereine an. Eine Mitgliedschaft in den Vereinen der analogen Welt kostet je nach Ort zwischen 60 und 100 Euro pro Jahr, erklärt Hartmann. Darin sei auch eine unbegrenzte Anzahl an Beratungen und eine Mieterrechtsschutzversicherung inbegriffen.

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