Trendviertel 2020: Die Stimmung am Immobilienmarkt Leipzig kippt
Die Wohnungspolitik der Stadt wandelt mit Milieuschutzgebieten in den Spuren Berlins.
Foto: Westend61/Getty ImagesErfurt. Am späten Mittwochabend hat der Leipziger Stadtrat für Aufsehen gesorgt: In Zukunft gelten sechs Gebiete der Stadt mit insgesamt 48.000 Haushalten als soziale Erhaltungsgebiete, besser bekannt als Milieuschutzgebiete. Das trifft vor allem Bezirke, die als aufkommende Trendviertel gelten: die Eisenbahnstraße, die Gegend um den Lene-Voigt-Park, Lindenau, Alt-Lindenau, Eutritzsch sowie das seit Langem gefragte Connewitz.
Der Stadt zufolge liegen in den Gebieten zwölf Prozent der Leipziger Wohnungen. „Dort wurde ein soziales Verdrängungspotenzial nachgewiesen“, wird die Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) in den Leipziger Medien zitiert.
Initiiert hat das Vorhaben die Linke. Deren Stadtratsvertreter freuten sich über den Beschluss: „Betongoldimmobilienträger bekommen jetzt in Leipzig ein schwieriges Pflaster“, sagte Adam Bednarsky dem MDR. CDU, FDP und AfD stimmten gegen die Milieuschutzgebiete.
Seit Jahren gilt Leipzig als neues Berlin. Es ist zwar kleiner, aber cooler – und vor allem: günstiger. Zu Tausenden zogen Menschen in die Großstadt. Mieten und Kaufpreise stiegen.
Die Stimmung aber dreht. Neben Brandanschlägen auf Autos von Immobilienfirmen wurden Kräne auf Baustellen angezündet, eine Mitarbeiterin eines Immobilienunternehmens wurde in ihrer Wohnung angegriffen. „Das ist kein Protest, das ist kriminell“, urteilte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung im November. Der Hype hat also auch seine hässlichen Seiten.
Der darunterliegende Trend bleibt indes ungebrochen: Im Durchschnitt verteuerten sich Eigentumswohnungen im vergangenen Jahr um 6,7 Prozent auf 2400 Euro pro Quadratmeter, zeigt die Analyse von vdp Research für das Handelsblatt. Mit 7,8 Prozent kletterten die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser auf 2600 Euro etwas schneller. Mit 5,3 Prozent legten die Mieten im Vergleich zu den Top-7-Städten am stärksten zu.