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Wohnungsmarkt in Manhattan Immobilien-Investoren trauen sich wieder nach New York

Mit der Corona-Pandemie sind die Preise für Wohnungen vor allem in Manhattan stark gesunken. Ausländische Investoren loten die Lage aus.
21.01.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Manhattan ist für Immobilienkäufer ein teures Pflaster, auch wenn die Preise zuletzt etwas gesunken sind. Quelle: The Image Bank/Getty Images
Skyline von Lower Manhattan

Manhattan ist für Immobilienkäufer ein teures Pflaster, auch wenn die Preise zuletzt etwas gesunken sind.

(Foto: The Image Bank/Getty Images)

New York Immobilienschnäppchen sind in Manhattan relativ. Auf der West 58th Street, unweit des Lincoln Centers, ist der Preis für eine Drei-Zimmer-Wohnung vor ein paar Wochen um 150.000 Dollar gefallen. Damit liegt der Preis aber immer noch bei zwei Millionen Dollar. Für den teuren New Yorker Immobilienmarkt ist das ein günstiger Preis.

An der Beekman Street in der Nähe des South Street Seaport im Südosten Manhattans haben die Verkäufer den Preis für eine 120-Quadratmeter-Wohnung zuletzt sogar um 240.000 Dollar gesenkt. Aber auch dort müssen die Käufer noch immer stolze 1,4 Millionen Dollar hinlegen, wenn sie das Drei-Zimmer-Apartment erwerben wollen. Im teuren West Village dagegen gibt es ein vierstöckiges Townhouse nun für knapp 20 Millionen statt 25 Millionen Dollar, wie sie noch im Sommer verlangt wurden.

Die Beispiele zeigen: Billig sind die Immobilien in New York noch immer nicht. Aber im Vergleich zu den Preisen der Vergangenheit wird Manhattan für jene, die ein paar Millionen übrig haben, etwas erschwinglicher als zuvor. Im dritten Quartal sind die Immobilienpreise laut dem Datendienst Redfin im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent gesunken. Besonders stark betroffen ist der Süden Manhattans. Laut Redfin sind die Preise an der Lower East Side sogar um mehr als die Hälfte gefallen, in dem teuren Viertel Tribeca und rund um die Wall Street sogar um ein Drittel.

Während im Rest der USA die Immobilien boomen, fallen in New York die Preise

Der Grund: die Pandemie. Während im Rest des Landes fast überall die Preise nach oben gehen, weil die Menschen bei niedrigen Zinsen Zuflucht im Eigenheim suchen, kam der Immobilienmarkt in New York zwischenzeitlich fast zum Stillstand.

Als die Stadt im Frühjahr zum Hotspot der Corona-Pandemie wurde und Bilder von Leichen in Kühllastern um die Welt gingen, sind rund 400.000 Menschen aus New York geflohen – viele davon aus Manhattan. Das enge Leben in Hochhäusern, in denen man sich Lobby und Aufzüge teilt, wurde auf einmal zur Lebensgefahr. Wer es sich leisten konnte, zog aufs Land – in die Hamptons auf Long Island oder ins Hudson Valley im Norden der Stadt.

Die Wall Street wechselte ins Homeoffice, Theater am Broadway schlossen ihre Türen. Die Stadt, die niemals schlief, verlor ihren Reiz. Zunächst brach der Mietmarkt ein. Dann folgte der Trend bei den Verkäufen. Waren es Broker in New York gewohnt, dass sich Interessenten gegenseitig überboten, blieben Wohnungen auf einmal Monate auf dem Markt. Oft folgten Preisnachlässe, auch im zweistelligen Bereich.

„Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um zu kaufen“, ist die Immobilienexpertin Ivy Beloff deshalb überzeugt. Sie ist seit vielen Jahren auf dem New Yorker Immobilienmarkt tätig und bildet als Präsidentin des immobilienwirtschaftlichen Fortbildungsinstituts Ivy Real Estate Education Makler für den heiß umkämpften Markt der Stadt aus. „Es gibt Besitzer, die suchen händeringend nach einem Käufer“, weiß Beloff. Viele Menschen konnten die ersten Monate der Pandemie auch dank großzügiger Staatshilfen überbrücken. Aber nun geht vielerorts das Geld aus, und viele können ihre monatlichen Raten nicht mehr zahlen und müssen verkaufen.

„Wir sehen, dass auch das Interesse der Käufer zurückkommt“, berichtet Beloff. „Erst kommen die Mieter. In dem Bereich haben die Makler seit Kurzem wieder gut zu tun“, beobachtet sie. „Viele setzen als Mieter einen Fuß ins Wasser, bevor sie kaufen“, weiß Beloff aus jahrelanger Erfahrung. Auch aus dem Ausland steige das Interesse. „Manhattan war schon immer stark in der Hand der Ausländer. Das wird auch so bleiben“, ist sie überzeugt.

Auch Stuart Siegel, Präsident der internationalen Makler-Agentur Engel & Völkers in New York, spürt, dass das Interesse wieder steigt. „Ich komme gerade aus einem Call mit unserem Hamburger Büro, weil sich dort Kunden für New York interessieren“, sagt er. Auch der Traffic auf der Webseite sei zuletzt stark gestiegen.

Mit dem Geld für eine Zwei-Zimmer-Wohnung bekommt man heute eine Drei-Zimmer-Wohnung mit Terrasse 

Das liege natürlich auch an den Preisen: Mit dem Geld, mit dem man vorher eine Zwei-Zimmer-Wohnung bekommen hätte, bekomme man jetzt eine Drei-Zimmer-Wohnung und vielleicht noch eine Terrasse dazu, fasst Siegel die Lage zusammen. Vor allem die vielen neu gebauten Luxuswohnungen seien derzeit deutlich günstiger zu haben als zuvor.

„Unsere Kunden – oft sehr wohlhabende Familien aus Nordeuropa oder Spanien – kaufen noch nicht, aber sie schauen wieder“, beobachtet Siegel. Ihnen rät er, das Risiko zu streuen, indem sie mehrere Wohnungen in verschiedenen Vierteln kaufen. Dabei setzt er auf A-Lagen wie die Upper West Side, Midtown East und Greenwich Village, aber auch auf die Neubauten rund um den restaurierten South Street Seaport.

Auch der Wahlsieg von Joe Biden werde dabei helfen, sagt Siegel und berichtet von Kunden, die sich unter Donald Trump gesorgt haben, ob sie ihr Geld wieder aus dem Land bekommen können.  

Ein Kauf in New York bleibt eine Wette auf die Wiederauferstehung der Stadt

Wer eine Wohnung in New York kauft, wettet auf die Wiederauferstehung der Stadt. Denn die hat mit der Pandemie auch finanziell arg gelitten. „Die Stadt braucht dringend finanzielle Hilfe“, gibt Kathryn Wylde zu bedenken, Chefin der einflussreichen Organisation „Partnership for New York City“, die die Interessen der großen Unternehmen der Stadt vertritt.

Wylde hat noch die letzte große Krise in den 1970er-Jahren miterlebt. Damals verließen Industrieunternehmen die Stadt, und die darauffolgende Massenarbeitslosigkeit und die ausbleibenden Steuereinnahmen führten New York 1975 fast in die Insolvenz. Allein Brooklyn verlor damals 2,6 Millionen Einwohner. Es dauerte mehr als 40 Jahre, diese wieder zurückzugewinnen.

Auch der Engel-&-Völkers-Makler Siegel kann sich als gebürtiger New Yorker noch gut daran erinnern, wie sein Vater über die Insolvenz der Stadt diskutierte. Der habe ihm schon damals gesagt: „Ich bin schon oft zur Beerdigung New Yorks eingeladen worden. Aber keiner konnte je den Leichnam zeigen.“ Und er hat recht behalten.

Nach der Krise der 1970er-Jahre hat New York auch die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die 2007 beginnende Finanzkrise gemeistert und ist immer wieder gestärkt aus den Turbulenzen hervorgegangen. „New York ist eine widerstandsfähige Stadt, und die aktuellen Probleme sind nicht New-York-spezifisch“, ist Siegel überzeugt und rechnet auch dank der Corona-Impfstoffe in der zweiten Jahreshälfte mit einem Aufschwung am Immobilienmarkt.

Auch seine Kollegin Beloff ist überzeugt: „New York wird überleben. Wir gehen runter, aber wir gehen auch wieder rauf.“ 

Es gibt nicht nur die Hoffnung, dass eine Biden-Regierung neue Mittel für New York bereitstellt, vor allem für das Nahverkehrssystem MTA, für die Restaurants und die Theater. Es gibt es auch Überlegungen, nicht genutzte Büroflächen in Wohnungen umzuwandeln und leer stehende Geschäfte in kleine Büros.

Kaum unter der Krise in New York gelitten hat zudem das klassische Townhouse: Es bietet seinen Bewohnern auf mehreren Etagen, im eigenen Garten und mit separatem Eingang auch in Corona-Zeiten genügend Platz und Sicherheit. Da reichen die Preise von 1,4 Millionen Dollar für ein renovierungsbedürftiges Brownstone-Haus in Central Harlem bis zu 88 Millionen Dollar für das „Mansion“ an der 9 East 71st Street auf der Upper East Side unweit des Central Parks.

Mehr: Überfüllt und überteuert: Deutsche Städte verlieren ihre Anziehungskraft.

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