Immobilienmarkt: Wohnungsbau bricht ein: „Vollbremsung einer ganzen Branche“
Am Mehrfamilienhaus herrscht rege Bautätigkeit. Das aber ist nicht mehr überall so: Projekte verzögern sich, die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland nimmt ab.
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Frankfurt. Die Einladungen waren verschickt, der Termin gesetzt. Doch rund eine Woche vor der geplanten Grundsteinlegung in Wiesbaden entschied sich der Projektentwickler im Juni überraschend gegen den feierlichen Startschuss: Die Grundsteinlegung müsse „leider aus terminlichen Gründen verschoben werden“, hieß es in der Mitteilung in knappen Worten. Das neue Datum „geben wir Ihnen rechtzeitig bekannt“.
Die Terminverschiebung ist kein Einzelfall. So wie in Wiesbaden geht es derzeit vielen Projektentwicklern in der Branche. Ukrainekrieg, Materialmangel und rasant gestiegene Zinsen – auf dem deutschen Immobilienmarkt zeichnet sich eine ungute Gemengelage ab. Viele Investoren zögern, die Kalkulation wird schwieriger, und manche Zeitpläne beginnen zu kippen.
So muss die Branche wieder einkalkulieren, was sie in den vergangenen Boomzeiten vernachlässigen durfte: das Risiko. Der Neubau von Wohnungen ist plötzlich kein Selbstläufer mehr, sondern im Fall des Falles ein riskantes Unterfangen.
Nachdem bereits der Jahresauftakt auf dem deutschen Wohn-Investmentmarkt verhalten ausgefallen ist, hat sich dieser Trend im Laufe des zweiten Quartals verschärft.