Alibaba: Umsatzerwartungen übertroffen – Aktie auf höchstem Stand seit 2021
Düsseldorf. Der chinesische Technologiekonzern Alibaba hat mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Quartal um acht Prozent auf umgerechnet 280,2 Milliarden Yuan gegenüber dem Vorjahreszeitraum, gab Alibaba am Donnerstag bekannt. Analysten hatten mit 279 Milliarden Yuan gerechnet.
Die Hinterlegungsscheine (ADRs) für die Alibaba-Aktie, die deutsche Anleger handeln können, steigen daraufhin um bis zu 13,8 Prozent auf den höchsten Stand seit November 2021. In diesem Jahr sind sie damit um 60 Prozent gestiegen.
Alibaba ist 1999 als Onlinemarktplatz für kleine und mittelständische Unternehmen gestartet. Mittlerweile gilt das Unternehmen als Chinas großer Hoffnungsträger im globalen Wettbewerb um die Entwicklung Künstlicher Intelligenz – unter anderem entwickelt es künftig KI-Anwendungen für iPhones von Apple in China.
Geschäftlich profitierte Alibaba im vergangenen Quartal von den gestiegenen Umsätzen beim Jahresendshopping. Chinesische Einzelhändler wie Alibaba haben die Preise gesenkt und die Werbeangebote intensiviert, um die Verbraucherausgaben zu stärken und die Umsätze in ihrem wichtigsten inländischen E-Commerce-Geschäft zu steigern.
Neben dem steigenden chinesischen Konsum sorgt bei Anlegern für Erleichterung, dass der Feldzug der chinesischen Führung gegen die großen heimischen Tech-Plattformen beendet scheint. Das legt ein Treffen von Staatschef Xi Jinping mit Vertretern der Privatwirtschaft nahe. Hinzu kommt der jüngste Überraschungserfolg des KI-Start-ups Deepseek – ein Signal, dass chinesische Technologien möglicherweise mit denen der bislang führenden US-Konzerne mithalten können.
Scharfe Kehrtwende nach Abwärtstrend
Das hat nicht nur bei der Alibaba-Aktie eine Rally ausgelöst, sondern insgesamt bei chinesischen Tech-Aktien. Weitere Profiteure sind beispielsweise Xiaomi, JD.com und PDD. Der Hang-Seng-Tech-Index, der die 30 größten an der Börse Hongkong gelisteten Technologie-Unternehmen abbildet, ist seit Jahresbeginn um 23 Prozent gestiegen.
Es ist eine scharfe Wende nach einem jahrelangen Abwärtstrend: 2021 verlor der Tech-Index knapp 33 Prozent an Wert, 2022 weitere 27 Prozent, 2023 ging es weitere neun Prozent abwärts, und auch im August 2024 lag der Hang-Seng-Tech-Index 13 Prozent im Minus.
Peter Milliken, Analyst bei der Deutschen Bank, schrieb daher zuletzt in seiner Studie: „Wir glauben, dass 2025 das Jahr ist, in dem die Investoren realisieren, dass China den Rest der Welt überholt.“ Es werde immer schwieriger zu ignorieren, dass chinesische Unternehmen in vielen Branchen bessere Qualität zu günstigeren Preisen liefern als die westliche Konkurrenz.
Vor den nachbörslich veröffentlichen Alibaba-Quartalszahlen hatte der chinesische Markt aber unter Druck gestanden. Der Hang-Seng-Tech-Index verlor mehr als drei Prozent, nachdem US-Präsident Donald Trump weitere Strafzölle für Importe in Aussicht gestellte hatte. Er werde „im Laufe des nächsten Monats oder früher“ Zölle auf Holz, Autos, Halbleiter und Arzneimittel ankündigen, so Trump.
Morgan Stanley stuft China-Aktien herauf
Das schürt die Sorgen vor einem Handelskrieg. Die USA haben bereits weitreichende Zölle von zehn Prozent auf alle chinesischen Importe angekündigt. Diese geopolitischen Spannungen sorgen auch dafür, dass die Aktien immer noch günstig bewertet sind.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Alibaba liegt auf Basis der Gewinnerwartungen für das Geschäftsjahr 2025/2026 bei lediglich 13. JD.com kommt auf einen Wert von neun, PDD auf zehn.
Immer mehr westliche Banken relativieren daher ihre pessimistische Haltung gegenüber chinesischen Aktien. Die US-Bank Morgan Stanley stufte am Donnerstag ihre Einschätzung für chinesische Aktien hoch. Die Analysten begründeten dies mit einer besseren Unternehmensführung, verbesserten geopolitischen Bedingungen und Pekings Versprechen, den privaten Sektor zu unterstützen.
„Wir glauben, dass auf dem chinesischen Aktienmarkt, insbesondere im Offshore-Bereich, endlich ein struktureller Regimewechsel stattfindet“, so Morgan Stanley in einem Bericht. „Wir gehen von einer tiefen Skepsis zu einem vorsichtigen Optimismus über.“
Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters.