Birkenstock-Aktie: Was Experten nach dem enttäuschenden Börsenstart raten
Düsseldorf. Die Birkenstock-Aktie hat sich von ihrem enttäuschenden Börsengang zwar erholt. Die in den USA notierten Titel des deutschen Sandalen-Herstellers gingen am Montag bei 41,43 Dollar aus dem Handel, dem höchsten Schlusskurs seit dem Handelsstart am 11. Oktober. Ihren Ausgabepreis von 46 Dollar haben sie bislang dennoch nicht erreicht.
Ob und wie schnell sich das ändern könnte, darüber sind Analysten unterschiedlicher Meinung. Seit dieser Woche beobachten 19 Analysten die Birkenstock-Aktie und veröffentlichen fortan Ratings und Kursziele.
Die gute Nachricht für Birkenstock-Aktionäre: 16 Experten sehen laut dem Datenanbieter LSEG Kurspotenzial, in der Spitze bis auf 52 Dollar – das wären gut 25 Prozent über dem aktuellen Wert. Die schlechte Nachricht: Nur zwölf von ihnen empfehlen die Aktie zum Kauf. Das entspricht einer Empfehlungsrate von 63 Prozent. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuerst darüber berichtet.
Birkenstock-Aktie: Erwartungen wurden enttäuscht
Birkenstock war mit großen Erwartungen an die Börse gegangen. Kurz zuvor hatte die Marke stark an Popularität gewonnen, weil Hauptdarstellerin Margot Robbie im „Barbie“-Film am Ende ihre High Heels gegen Birkenstocks eintauscht. Trotzdem verlief der Börsengang enttäuschend: Die Aktien konnten nur im Mittelfeld der zuvor festgelegten Spanne von 44 bis 49 Dollar ausgegeben werden, nach dem Börsenstart fiel die Aktie deutlich und notierte zeitweise unter der Marke von 36 Dollar.
Mittlerweile hat sie sich wieder über der Marke von 40 Dollar etabliert. Ob sie damit ein Kauf ist, darüber sind Analysten uneins. Am optimistischsten sind die Experten der Citigroup und von Jefferies, die ihre Kursziele bei 52 und 50 Dollar setzen.
Die Analysten von Jefferies urteilen: „Angesichts seiner historischen Marke und seines treuen Kundenstamms glauben wir, dass das Unternehmen gut positioniert ist, um ein starkes Umsatzwachstum zu erzielen, sein attraktives Margenprofil beizubehalten und seinen adressierbaren Markt zu erweitern.“ Die Citigroup verweist auf die „beeindruckenden Wachstumsmöglichkeiten“ und rechnet mit einem Umsatzwachstum im mittleren bis hohen Zehnerbereich und einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate des Gewinns je Aktie von mehr als 20 Prozent in den nächsten drei Jahren.
Andere Analysten sind deutlich skeptischer. So sieht BofA Global Research zwar „eine starke Marke mit einzigartigen Eigenschaften“, es dürfe für Birkenstock aber schwierig werden, zusätzlich zu dem robusten jüngsten Trend überdurchschnittliches Wachstum zu erzielen. Auch Morgan Stanley glaubt, dass die meisten Katalysatoren bereits eingepreist seien. Ähnlich fällt die Einschätzung der UBS aus: Birkenstock könne zwar ein „dominanter“ Anbieter von Freizeitschuhen werden, das Konsumumfeld sei in den nächsten zwölf Monaten aber „schwierig“.
Erste Short-Position bei Birkenstock
Allerdings beschäftigen sich nicht nur Analysten mit Birkenstock, sondern auch professionelle Investoren. Und hier hat Blackrock Investment Management eine Short-Position bei Birkenstock eröffnet, wie der Finanzdatenanbieter Breakout-Point festgestellt hat. Bei solchen Positionen verkaufen Investoren zuvor ausgeliehene Aktien, um sie später günstiger zurückzukaufen. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn.
Ob es sich hierbei um eine Wette auf fallende Kurse handelt, ist nicht klar, gibt Breakout-Point-Chef Ivan Ćosović zu bedenken. Es könnten auch Absicherungspositionen sein oder Teil einer komplexen Strategie. Tatsache aber ist, dass Blackrock Investment Management profitiert, wenn die Birkenstock-Aktie fällt – im Gegensatz zu den Aktionären.
Hinweis: In einer ersten Version des Artikels hieß es, dass auf Basis der Daten von Refinitiv fast jeder zweite Analyst vom Kauf abrät. Die Daten wurden aktualisiert.
Erstpublikation: 07.11.2023, 13:28 Uhr.