Überraschende Ankündigung: Wie die Bundesbank den Anleihemarkt bewegt
Die Bundesbank hat am Montag auch den Anleihemärkten den Weg gewiesen.
Foto: dpaFrankfurt. Die Deutsche Bundesbank hat die Investorinnen und Investoren an den Anleihemärkten aufgeschreckt. Ab Oktober will sie auf die Einlagen von öffentlichen Haushalten keine Zinsen mehr zahlen. Das teilte die Bundesbank am späten Freitagabend überraschend mit. Dadurch sorgte sie am Montag für einen deutlichen Anstieg der Kurse von kurz laufenden Bundesanleihen. Im Umkehrschluss sank die Rendite der sogenannten Bundesschatzanweisungen mit zwei Jahren Laufzeit um bis zu 0,07 Prozentpunkte auf 2,94 Prozent.
Die Bundesbank führt kostenlos Konten von Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden. Diese haben dort derzeit noch 54 Milliarden Euro angelegt. Wenn die staatlichen Stellen keine Zinsen mehr bekommen, könnten sie dieses Geld nach und nach in vor allem kurz laufende Bundesanleihen und in Bundesschatzanweisungen (Bubills) mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr umschichten.
„Ein Run auf Bubills ist nicht auszuschließen“, meint Michael Leister, Leiter der Zinsstrategie bei der Commerzbank. Auch Spekulationen darüber, dass Bundesanleihen knapp werden, könnten wieder aufkommen. Beides würde dazu führen, dass die Kurse noch weiter steigen und die im vergangenen Jahr so massiv gestiegenen Renditen sinken.
Nur eine Notlösung
Dass die Bundesbank und die anderen Notenbanken der Euro-Zone Zinsen auf staatliche Einlagen zahlen, war indes immer nur eine Notlösung: Die Europäische Zentralbank (EZB) gestattete den nationalen Zentralbanken seit September vergangenen Jahres nur vorübergehend, Zinsen auf solche Gelder zu zahlen. Damit wollte die EZB im Zuge der abrupten Zinswende einen zu großen Zustrom von bei den nationalen Notenbanken angelegten Geldern in den Anleihemarkt verhindern und Zeit für einen allmählichen Abbau von staatlichen Einlagen gewinnen.
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Die Obergrenze für die Zinsen auf öffentliche Einlagen liegt derzeit noch 0,2 Prozentpunkte unter dem kurzfristigen Euro-Zinssatz und damit aktuell bei 3,45 Prozent. Wie viel sie genau zahlen, überlässt die EZB seit Februar den nationalen Notenbanken. Die Analysten der Rabobank halten es für möglich, dass andere Notenbanken dem Beispiel der Bundesbank folgen werden.
Ankündigung im April
Die Bundesbank hatte bereits im April erklärt, dass sie eine Rückkehr zur früheren Nullzinspolitik für Staatseinlagen befürwortet. Damit werde der Tatsache Rechnung getragen, dass diese Einlagen keine eigenständige geldpolitische Funktion erfüllten und die Kontoführung nur eine der Dienstleistungen sei, die sie für öffentliche Akteure anbiete.
Die Zinszahlungen auf Einlagen der öffentlichen Hand sollten auch den sogenannten Repo-Markt stützen, bei dem Staatsanleihen gegen Gelder getauscht werden. Neben Banken nutzen seit einigen Jahren auch immer mehr Hedgefonds den Repo-Markt als Finanzierungsquelle. Bei einem Repo-Geschäft leihen sie sich bei anderen Investoren Geld. Als Sicherheit hinterlegen sie in erster Linie Staatsanleihen sowie Pfandbriefe oder andere besicherte Schuldverschreibungen.
Der Kreditnehmer verpflichtet sich dabei, die hinterlegten Wertpapiere am Ende der vereinbarten Laufzeit zurückzukaufen und die für den Kredit vereinbarten Zinsen zu zahlen. Wenn die zugrunde liegenden Wertpapiere knapp werden, ist das auch für den Repomarkt problematisch. Allerdings hält die deutsche Finanzagentur als Schuldenmanager des Bundes immer Anleihen im Bestand, um den Markt liquide zu halten.
Mit Material der Nachrichtenagentur Bloomberg