Bitcoin: Vier Wege, auf denen auch deutsche Anleger investieren können
Düsseldorf. Der Bitcoin hat einen neuen Popularitätsschub erhalten. Grund dafür ist die Zulassung von börsengehandelten Fonds in den USA, die die Kursentwicklung der ältesten und wichtigsten Kryptowährung direkt abbilden (Spot-ETFs). Dadurch wird der Bitcoin für US-Anleger und institutionelle Investoren leichter handelbar.
Viele Experten erwarten, dass durch die ETFs neues Geld in den Markt strömt, was den Bitcoin-Kurs antreiben dürfte. Zwar kam es unmittelbar nach der Zulassung der ETFs zu Gewinnmitnahmen, mittlerweile hat der Kurs aber die Marke von 57.000 Dollar überschritten – das erste Mal seit rund zweieinhalb Jahren.
Wollen deutsche Anlegerinnen und Anleger einsteigen, können sie aber nicht Bitcoin-Spot-ETFs kaufen. Denn in Deutschland sind diese nicht zugelassen – und können es unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen auch nicht. Der Grund dafür ist, dass sich ETFs hierzulande nicht nur auf einen Vermögenswert beziehen dürfen.
Doch auch deutsche Anleger haben die Möglichkeit, in den Bitcoin zu investieren. Das Handelsblatt stellt vier Wege vor. Anleger sollten aber beachten, dass der Kurs stark schwanken kann: Im November 2021 notierte der Bitcoin bei fast 69.000 Dollar, ein Jahr später dann nur noch bei unter 17.000 Dollar.
1. Bitcoin direkt kaufen
Der von vielen Krypto-Befürwortern empfohlene Weg ist der direkte Kauf von physischen Bitcoin über große Kryptobörsen wie Coinbase und Bitpanda oder über die App „Bison“ der Börse Stuttgart. Der Vorteil ist, dass Anlegerinnen und Anleger dann tatsächlich im Besitz der digitalen Münzen sind. Sie können entscheiden, ob sie die privaten Zugangsschlüssel zu der Kryptowährung an den Börsen liegen lassen oder ob sie sie auf eine externe digitale Brieftasche (Wallet) verschieben.
Für einen Kauf müssen sich Anleger an einer Kryptobörse registrieren, verifizieren und Geld auf ein Verrechnungskonto einzahlen. Von dort können sie dann Bitcoin kaufen. Dabei müssen sie keinen ganzen Bitcoin kaufen, sondern können auch Bruchteile handeln.
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Bei der österreichischen Kryptobörse Bitpanda sind Eröffnen und Führen eines Kontos kostenlos, ebenso die Einzahlung auf das Verrechnungskonto. Die Transaktionskosten für den Kauf und Verkauf von Bitcoin liegen laut aktuellem Preisverzeichnis derzeit bei 1,49 Prozent. Die Aufschläge sind in den angebotenen Preisen bereits enthalten.
Auch bei Bison sind Eröffnung und Führung eines Depots kostenlos, ebenso der Handel an sich. Dafür fällt ein Spread an. Das ist der Unterschied zwischen dem Verkaufs- und dem Kaufkurs eines Wertpapiers. Laut aktuellen Angaben von Bison liegt dieser bei 1,25 Prozent. Allerdings kann der Wert schwanken, da er von Marktgegebenheiten und von dem Volumen einer Transaktion abhängig sein kann. Bei Bitpanda ist der Spread in den Gesamtkosten inkludiert.
Auch bei etablierten Online-Brokern wie Trade Republic können Anleger Bitcoin kaufen. Im Unterschied zu Kryptobörsen können sie ihre Zugangsschlüssel hier aber nicht auf eine externe Wallet verschieben. So werden bei Trade Republic die Bitcoin stattdessen beim Dienstleister Bitgo Deutschland verwahrt.
Dieser ist von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zugelassen und sichert die Einlagen auf einem Speicher, der nicht mit dem Internet verbunden ist. Jeder Coin ist einem Anleger zugeordnet, sodass Anleger auch im Falle einer etwaigen Insolvenz Zugriff auf ihr Investment hätten, erklärt ein Sprecher von Trade Republic..
Bei Trade Republic ist Eröffnung und Führung eines Depots kostenlos. Beim Kauf von Bitcoin fällt eine Fremdkostenpauschale von einem Euro an und dazu ein Spread von zuletzt ein bis zwei Prozent.
2. ETN auf den Bitcoin kaufen
Eine Alternative zum Kauf von physischen Bitcoin sind für deutsche Anleger „Exchange Traded Notes“ (ETNs). Diese börsengehandelten Schuldverschreibungen funktionieren ähnlich wie ETFs und bilden die Kursentwicklung eines Basiswerts ab – in diesem Fall die des Bitcoins.
Auf dem größten deutschen Handelsplatz Xetra können Anleger aktuell zwischen 13 verschiedenen ETNs wählen. Zum Teil kommen sie von Häusern, die auf Kryptoassets spezialisiert sind, zum Teil aber auch von etablierten Anbietern wie Invesco, Fidelity, WisdomTree oder VanEck.
Damit findet der Handel auf einem großen, regulierten Handelsplatz statt, der dementsprechend liquide ist. Eine eigene Wallet ist nicht notwendig, stattdessen können Anleger die Produkte über das eigene Wertpapierdepot handeln. Für Anleger, die ansonsten mit Aktien handeln, kann das komfortabler sein.
Der größte ETN ist der „ETC Group Physical Bitcoin“ (ISIN: DE000A27Z304) mit einem verwalteten Fondsvermögen von mehr als einer Milliarde Euro (Stand 31. Dezember 2023). Er ist auch bei der Börse Stuttgart handelbar. Dahinter folgen der Coinshares Physical Bitcoin (GB00BLD4ZL17) mit 559 Millionen Euro und der 21Shares Bitcoin ETP (CH0454664001) mit einem verwalteten Fondsvermögen von 481 Million Euro.
Allerdings sind die Produkte zum Teil relativ teuer. Beim ETC Group Physical Bitcoin liegt die jährliche Gesamtkostenquote bei zwei Prozent, beim 21Shares Bitcoin ETP bei 1,49 Prozent. Hinzu kommt der Spread beim Kauf. Der Coinshares Physical Bitcoin kommt dagegen mit einer Gesamtkostenquote von 0,98 Prozent aus. In diesem Bereich liegen auch das Produkt von VanEck (DE000A28M8D0; Gesamtkostenquote: 1,00 Prozent). Günstiger ist WisdomTree (GB00BJYDH28), die die Kosten jüngst auf 0,35 Prozent senkten, und Invesco (XS2376095068; 0,39 Prozent).
Ein wichtiger Unterschied zu ETFs ist zudem, dass ETNs nicht zum Sondervermögen des Emittenten gehören. Daraus ergibt sich ein Emittentenrisiko, sollte der Anbieter insolvent gehen: Die Schuldverschreibungen würden in diesem Fall als Letztes bedient. Allerdings sind die 13 auf Xetra gehandelten Produkte laut den Emittenten vollständig durch physische Bitcoin besichert. Dadurch gelten sie als ähnlich sicher wie ETFs.
3. Bitcoin-Derivate kaufen
Ein dritter Weg ist der Kauf von Derivaten auf Bitcoin. Dabei kaufen Anleger Bitcoin nicht direkt, sondern erwerben Wertpapiere, deren Kursentwicklung sich aus der Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Basiswerts ableitet – in diesem Fall des Bitcoins. Sie werden von Banken beziehungsweise Emittenten ausgegeben.
Die Schweizer Bank Vontobel bietet beispielsweise ein „Open-End-Partizipationszertifikat auf Bitcoin/US-Dollar“ an (DE000VQ63TC1). Der Anleger wird hier eins zu eins an der Kursentwicklung des Basiswerts Bitcoin beteiligt. Das Zertifikat hat eine unbegrenzte Laufzeit, Vontobel kann es aber unter Einhaltung einer Frist kündigen. Anleger gehen hier auch ein Emittentenrisiko ein.
Mit Derivaten können Anleger aber nicht nur an der Kursentwicklung partizipieren, sondern auch auf steigende oder fallende Kurse setzen. Sie können ihr Investment beispielweise auch mit Contracts for Difference (CFDs) hebeln. Dann wird der Kurs mit dem Faktor zwei, drei, vier oder höher nachgebildet. Das kann zu hohen Gewinnen, aber auch zu hohen Verlusten führen.
Bei Differenzkontrakten gehen Anleger eine Vereinbarung zum Tausch der Wertdifferenz eines Basiswerts zwischen dem Zeitpunkt der Eröffnung des Abkommens und dem Zeitpunkt der Schließung ein. Anleger können damit auf Kursentwicklungen setzen, ohne Bitcoin physisch zu besitzen.
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Für das Eröffnen der Position müssen sie eine kleine Sicherheit hinterlegen, die nur einen Bruchteil des vollen Werts beträgt. Für den Handel selbst berechnet Etoro, einer der größten Anbieter, keine fixe Gebühr, stattdessen fällt ein Spread von zuletzt einem Prozent an. Außerdem fallen bei der Einzahlung von Euro Umrechnungsgebühren in US-Dollar an.
Allerdings ist CFC-Handel nur für sehr erfahrene und risikoaffine Anleger geeignet. Gerade für unerfahrene Anleger ist der Handel mit CFDs oft ein Verlustgeschäft. Es warnen davor sogar die Broker selbst. Laut Etoro verlieren 76 Prozent der Konten ihrer Privatinvestoren beim Trading von CFDs Geld.
4. Krypto-Aktien kaufen
Eine vierte Möglichkeit ist es, Aktien zu kaufen, deren Kursentwicklung mit der des Bitcoins korreliert. Das ist beispielsweise bei Coinbase, Microstrategy oder Marathon Digital der Fall.
Die Kryptobörse Coinbase generiert einen Großteil ihrer Einnahmen über Handelsgebühren. Diese fallen umso größer aus, je höher der Bitcoin-Kurs ist und je mehr gehandelt wird. Microstrategy ist ein Software-Unternehmen, dass Bitcoin als Reservewährung in seine Bilanz aufgenommen hat und seitdem immer wieder größere Mengen an Bitcoin kauft. Marathon Digital ist wiederum ein Kryptominer. Das heißt, das Unternehmen pflegt die Bitcoin-Blockchain und führt diese fort, dafür wird es mit Bitcoin belohnt.
Keine dieser Aktien bewegt sich aber eins zu eins mit dem Bitcoin-Kurs. Unternehmensentwicklung können dazu führen, dass sich die Kurse auch völlig anders entwickeln.
Erstpublikation: 20.01.20234, 15:48 Uhr (zuletzt aktualisiert: 28.02.2024, 10:17 Uhr).