Kakao: Vorräte auf Rekordtief – Wie stark steigt der Preis jetzt noch?
Frankfurt. Ausgerechnet am Valentinstag, an dem Schokolade traditionell als Zeichen der Liebe verschenkt wird, befinden sich die Kakaovorräte an den Rohstoffbörsen in London und New York auf einem Rekordtief.
So sind die Lagerbestände in London binnen eines Jahres von mehr als 100.000 Tonnen auf 21.000 Tonnen gesunken, wie die „Financial Times“ berichtet. Auch die Bestände in New York befinden sich demnach mit 90.000 Tonnen auf einem Tiefststand.
Die niedrigen Bestände sind Folge einer Angebotsknappheit, die unter anderem auf Extremwetterlagen in den Hauptanbauländern Elfenbeinküste und Ghana zurückzuführen ist. Zudem sorgen Pflanzenkrankheiten dafür, dass die Ernten auch in den kommenden Jahren schwächer ausfallen könnten: Denn bis eine neue Kakaopflanze Bohnen trägt, kann es bis zu fünf Jahre dauern.
Hinzu kommt, dass viele Bauern in den vergangenen Jahren dem Kakaoanbau den Rücken gekehrt haben. Denn von den Börsenpreisen der Kakaobohnen sehen sie nur einen Bruchteil, zumal in den Hauptanbauländern bereits vor der Ernte feste Preise bestimmt werden, die die Bauern erhalten. Die schwachen Ernten haben also die Erträge trotz der Rekordpreise stark verringert.
Auch in diesem Jahr dürfte es daher ein Angebotsdefizit geben. Die Knappheit hat bereits im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass sich der an der New Yorker Rohstoffbörse gehandelte Terminkontrakt für Kakao um mehr als 178 Prozent verteuert hat. Kein anderer Rohstoff verzeichnete eine vergleichbare Preissteigerung. Im Dezember lag der Kakaopreis mit fast 13.000 US-Dollar pro Tonne auf einem Rekordhoch.
Mittlerweile hat sich der Kakao-Kontrakt zwar wieder leicht verbilligt: Eine Tonne kostet rund 10.400 US-Dollar. Doch der Preis kann leicht wieder nach oben ausbrechen, denn der Kakaomarkt ist einer hohen Volatilität unterworfen. Das liegt auch daran, dass er nicht so liquide ist wie andere Rohstoffmärkte, etwa Gold oder Öl, wo viele Händler aktiv sind.
Große Positionen können daher bereits den Preis stark beeinflussen. Die Ernteausfälle und die darauffolgenden Rallys haben den Markt noch schwankungsanfälliger gemacht. Das sorgt wiederum dafür, dass einige Marktteilnehmer ihre Positionen schließen müssen – was den Handel noch dünner macht als ohnehin.
Zum Hintergrund: Händler sichern ihre Kakaobestellungen an der Terminbörse ab, müssen aber wegen der starken Preisschwankungen höhere Sicherheiten hinterlegen. Wenn sie diese nicht aufbringen können, wird der Handel aufgelöst.
Sinkende Bestände zeigen Not am Kakaomarkt
In den Lagern der New Yorker und Londoner Rohstoffbörsen befinden sich laut „Financial Times“ vor allem Bohnen aus weniger beliebten Anbauländern wie Kamerun und Nigeria. Die Verkäufer von Bohnen lagern hier also nicht die Sorten ein, die für die Schokoladenhersteller am wichtigsten sind, sondern sorgen für den Fall vor, dass sie einen Terminkontrakt aufgrund eines plötzlichen Preissprungs erfüllen müssen – das heißt, die Bohnen tatsächlich physisch zum vereinbarten Zeitpunkt ausliefern müssen.
Nun ist die Not am Kakaomarkt aber so groß, dass Hersteller selbst die unbeliebten Bohnen aus den Lagern der Rohstoffbörsen nachfragen. So wollte der US-Schokoladenhersteller Hershey im vergangenen Monat 90.000 Tonnen Kakaobohnen über die New Yorker Rohstoffbörse kaufen, was etwa neunmal mehr ist als eigentlich erlaubt.
Produzenten wie Hershey leiden unter den höheren Kakaopreisen. Weil ihre Margen sinken, geben sie die höheren Kosten in Form von kleineren Portionen, neuen Rezepturen und Preissteigerungen an die Konsumenten weiter. Laut dem US-Finanzdienstleister Wells Fargo sind die Schokoladenpreise für Verbraucher etwa um ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
Erstpublikation: 16.02.2025, 12:49 Uhr.