Rubel-Kurs aktuell: Wie entwickelt sich der russische Rubel?
Die Währung hat nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und den dann beschlossenen Sanktionen stark an Wert verloren. Zuletzt hat sie aber wieder deutlich aufgewertet.
Foto: ReutersWie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, konnte Russland zuletzt zwei fällige Staatsanleihen nicht bedienen. Denn: Dem Land ist es aufgrund der verhängten Sanktionen nicht möglich, Zahlungen in US-Dollar vorzunehmen. Zwar besitzt das Land durch die Ölexporte Rubelreserven in Rekordhöhe, allerdings werden Zahlungen in Rubel nicht weitergeleitet an die Investoren. Damit ist Russland gegenwärtig zahlungsausfällig.
Lesen Sie hier, ob dem Staat nun die Zahlungsunfähigkeit droht.
Wie hat sich der Rubel-Kurs seit dem Überfall auf die Ukraine entwickelt?
Im März 2014, mit der Annexion der Krim durch Russland, geriet der Rubel unter Druck. Seinen vorläufigen Tiefpunkt erreichte er im März 2015. Damals entsprachen rund 66 Rubel einem US-Dollar – gegenüber 34 Rubel im Vorjahreszeitraum. Binnen eines Jahres verlor die Währung also knapp 50 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar.
Nach einer zwischenzeitlichen Erholung brach der Wechselkurs im Juni 2015 erneut ein. Im März 2016 kostet ein US-Dollar rund 78 Rubel, was etwa dem Vorkriegsniveau zum Jahresbeginn 2022 entsprach.
Auf den Überfall der Ukraine am 24. Februar 2022 und die Finanzsanktionen des Westens folgte ein temporärer Wertverlust von historischem Ausmaß: Der Rubel stürzte im Vergleich zum US-Dollar auf einen Kurs von 120 zu eins (RUB/USD).
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Obwohl die vom Westen verhängten Sanktionen gegen Russland im Laufe der Zeit zunehmend härter wurden, wertete der russische Rubel im März 2022 wieder deutlich auf. Mittlerweile notiert der Kurs der Währung sogar über Vorkriegsniveau. Konkret: Zuletzt notierte der Rubel bei rund 53 RUB pro US-Dollar (Stand 28. Juni, 10:00 Uhr).
Experten interpretieren das jedoch nicht als Zeichen wirkungsloser Sanktionen. Aus ihrer Sicht setzen diese durchaus der russischen Wirtschaft zu, aber ihre Wirkung auf den Rubel-Kurs sind weniger eindeutig.
Commerzbank-Devisenanalyst Tatha Ghose zufolge hängt das mit den Folgen des westlichen Exportstopps zahlreicher Produkte zusammen. Dieser habe zur Folge, dass Russland weniger ausländischer Devisen brauche – und das würde tendenziell den Rubel stützen. Zugleich stärkte die russische Notenbank den Rubel, indem sie das Zinsniveau deutlich anhob. Anhaltende Energieimporte von russischem Öl und Gas stabilisieren die Währung bislang ebenfalls.
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Was ist der Rubel?
Der russische Rubel ist die Landeswährung der Russischen Föderation. Der Rubel (RUB) unterteilt sich in 100 Kopeken. Zum Vergleich: Der Euro unterteilt sich analog in 100 Cent. Die Einführung der ersten „Rubel“ geht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Im Laufe der Zeit wurde der Rubel das einzige Zahlungsmittel Russlands. Als Folge starker Inflation, besonders nach dem Zerfall der Sowjetunion, kam es zur Neubewertung des russischen Rubels im Jahr 1998. Der neue Rubel wurde im Verhältnis 1:1.000 bewertet. Das heißt: Ein neuer Rubel (1 RUB) ist Eintausend alte Rubel (1.000 RUR) wert.
Aus welchen Banknoten und Münzen besteht der russische Rubel?
- 1 Kopeke
- 5 Kopeken
- 10 Kopeken
- 50 Kopeken
- 1 Rubel
- 2 Rubel
- 5 Rubel
- 10 Rubel
Die Kopeken-Münzen mit den Werten Eins und Fünf werden seit 2008 aus dem Verkehr gezogen.
Aktuell gibt es acht verschiedene Banknoten:
- 10 Rubel
- 50 Rubel
- 100 Rubel
- 200 Rubel
- 500 Rubel
- 1000 Rubel
- 2000 Rubel
- 5000 Rubel
Vor 1997 gab es eine Fünf-Rubel-Banknote. Sie wurde mittlerweile durch die Fünf-Rubel-Münze vollständig ersetzt. Seit 2009 wird auch die noch existierende Zehn-Rubel-Banknote durch die Zehn-Rubel-Münze ersetzt.
Anders als zum Beispiel beim Euro unterscheiden sich die Banknoten mit den Nominalwerten von zehn bis 500 und die Banknoten mit den Werten 1000 bis 5000 in ihrer Größe nicht.
Was beeinflusst den Kurs des Rubel?
Normalerweise wird der Wechselkurs an den Devisenbörsen durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Ein wichtiger Faktor, der dies beeinflusst, ist das Zinsniveau in Russland. Außerdem spielen die politische Entwicklung und internationalen Beziehungen des Landes eine Rolle. So haben zuletzt die weltweiten Sanktionen gegen Russland den Rubel-Kurs kurzzeitig abstürzen lassen.
Zudem steht die Devise in einem starken Zusammenhang mit dem Ölpreis. In den vergangenen Jahren hatte ein sinkender Ölpreis in der Regel einen negativen Einfluss auf den Kurs der russischen Währung. Öl und Gas machen einen Großteil der russischen Handelsexporte aus.
Der Artikel erschien zuerst am 18. Mai 2022 um 17:45 Uhr.