Zahlungsmittel: Zuckerbergs Suche nach neuen Einnahmequellen: Meta arbeitet offenbar an eigener Digitalwährung
Der Meta-Chef warb vor wenigen Wochen auf der Tech-Messe SXSW für seine Visionen – mit mäßigem Erfolg.
Foto: action pressDie geplante virtuelle Währung soll intern als „Zuck Bucks“ kursieren, offenbar in Anlehnung an Facebooks Gründer Mark Zuckerberg. Allerdings handelt es sich nach FT-Angaben dabei nicht um eine Kryptowährung, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Stattdessen kontrolliere das Unternehmen die Token zentral.
Solche Währungen, die nicht auf der Blockchain-Technologie basieren, haben mit Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether, Solana oder Dogecoin nichts zu tun. Deren Grundidee beruht darauf, dass keine zentrale Instanz in Form einer Einzelperson oder eines Unternehmens das System verwaltet. Nur so kann gewährleistet werden, dass ein dezentrales Netzwerk entsteht und aufrechterhalten wird, das als Alternative zu herkömmlichen, zentralisierten Finanzsystemen fungiert.
Kryptoprojekt „Diem“ erst im Februar beendet
Über Jahre hatte Facebook an einer solchen dezentralen Kryptowährung gearbeitet, das Projekt mit dem Namen „Diem“ aber im Februar für beendet erklärt, da der politische Widerstand vonseiten der Regulierer zu groß wurde. Das Kryptoprojekt war bereits 2019 unter dem Namen Libra gegründet worden.
Als sogenannter Stablecoin sollte die Kryptowährung an einen festen Währungskorb geknüpft und damit wertstabil sein. Zuckerberg wollte damit auch Menschen ohne Bankkonto ermöglichen, im Internet einzukaufen – und so den Umsatz über seine Netzwerke Facebook und Instagram fördern.
Das Beispiel des Autobauers Tesla zeigt, wie schwer sich Unternehmen mitunter im Umgang mit tatsächlichen Kryptowährungen tun. Im März vergangenen Jahres hatte CEO Elon Musk den Kauf der Autos mit Bitcoin möglich gemacht, die Option wurde mittlerweile aber wieder eingestellt. Besser vergleichbar wären die neuen Coin-Pläne bei Meta aber ohnehin mit der Robux-Währung, die in der App des Kinderspiels Roblox zum Einsatz kommt. Das Unternehmen verwaltet diese zentral.
Laut einem Dokument, auf das sich die FT bezieht, plant Meta zudem ein Pilotprojekt, das es Nutzern ermöglicht, NFTs auf Facebook zu posten und zu teilen. NFTs steht für Non-Fungible-Tokens, die im vergangenen Jahr einen großen Hype erlebt haben.
Sie fungieren als digitale Echtheits- oder Besitzzertifikate und helfen beispielsweise Künstlerinnen und Künstlern, ihr geistiges Eigentum im Netz zu schützen und zu monetarisieren. Im Gegensatz zu zentralisierten Coins wie bei Roblox basieren NFTs tatsächlich auf der dezentralen Blockchain-Technologie.
Probleme mit Nutzerzahlen und Werbeeinnahmen
Die Initiative von Facebook würde ins Bild passen: Das Silicon-Valley-Unternehmen kämpft mit Problemen im Kerngeschäft, muss sich neue Einnahmequellen erschließen.
Bisher standen Zuckerberg und seine heute unter dem Namen Meta firmierende Firma vor allem für starkes Nutzerwachstum. Doch für das vierte Quartal 2021 musste Facebook einräumen, dass erstmals die Zahl der täglich aktiven Nutzer gefallen war: im Vergleich zum Vorquartal um rund eine Million Menschen auf 1,929 Milliarden. Im Vorquartal war sie noch um etwa 25 Millionen gewachsen. Gleichzeitig sank der Gewinn um acht Prozent auf etwa 10,3 Milliarden Dollar. Auf einen Schlag fiel der Börsenwert von Meta um 200 Milliarden Dollar.
Das Unternehmen erwägt laut einem Medienbericht die Einführung einer eigenen Digitalwährung.
Foto: ReutersNicht nur scheint Facebook immer weniger Menschen zu begeistern und an seine Wachstumsgrenzen zu kommen. Auch leiden sowohl Facebook als auch Instagram unter schärferen Datengesetzen sowie den veränderten Privatsphäre-Einstellungen von Apple in seinem Betriebssystem iOS. Die Veränderungen erschweren Apps wie Facebook den Zugriff auf für Meta wichtige Daten zur Bereitstellung personalisierter Werbung.
Die Umbenennung von Facebook in Meta spiegelte Zuckerbergs Fokus auf eine andere, ebenfalls neue Wachstumsstrategie: das Metaverse. Das fand viel Beachtung, stieß aber auf einige Kritik: Rechenkapazitäten und VR-Technologie sind noch lange nicht so weit, digitale und reale Welt überzeugend zu verschmelzen.