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Finanzplatz LondonLondon Stock Exchange Group hofft auf neue Börsengänge

Der Finanzplatz London ist gegenüber der Konkurrenz zurückgefallen. Doch die LSEG sieht eine „ermutigende IPO-Pipeline“ im laufenden Jahr.Torsten Riecke 29.02.2024 - 15:31 Uhr
Die Börsengesellschaft hofft auf mehr Börsengänge im Jahr 2024. Foto: REUTERS

London. Die London Stock Exchange Group (LSEG) rechnet 2024 mit deutlich mehr Börsengängen als im abgelaufenen Geschäftsjahr. „Für die Londoner Börse zeichnet sich eine ermutigende IPO-Pipeline ab“, teilte die Gruppe bei der Vorlage ihres Jahresergebnisses mit. 2023 sind die Einnahmen aus Börsengängen und Aktienhandel demnach um fast neun Prozent auf knapp 230 Millionen Pfund (270 Millionen Euro) gesunken.

Der Finanzplatz London ist im Wettbewerb mit New York und anderen Börsenplätzen zurückgefallen. Kürzlich hatte auch der deutsche Reiseveranstalter Tui angekündigt, sein Listing von London nach Frankfurt zu verlagern. Neue Hoffnung schöpft man in London durch Überlegungen der chinesischen Modegruppe Shein, nicht in New York, sondern an der Themse ihr Börsendebüt zu geben.

„Wir freuen uns auf weitere Fortschritte im Jahr 2024“, sagte LSEG-Chef David Schwimmer, dessen Jahresgehalt künftig auf maximal elf Millionen Pfund mehr als verdoppelt werden soll. Das Geschäftsmodell sei „erwiesenermaßen unabhängig von den Marktbedingungen erfolgreich“. Schwimmer hat die LSEG durch die 27 Milliarden Dollar teure Übernahme des US-Unternehmens Refinitiv zu einem globalen  Börsen- und Finanzdatenanbieter ausgebaut.

Die LSEG erwirtschaftete im vergangenen Jahr bei Einnahmen von insgesamt gut acht Milliarden Pfund einen operativen Gewinn von 1,37 Milliarden Pfund. Das ist ein leichter Rückgang von gut drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gruppe will im laufenden Jahr rund eine Milliarde Pfund über Aktienrückkäufe an ihre Anteilseigner ausschütten. Im Vorjahr betrug das Volumen der Rückkäufe 1,2 Milliarden Pfund.

Klassisches Börsengeschäft ist Dauerbaustelle

Das klassische Börsengeschäft bleibt aber eine Baustelle für Schwimmer. Im vergangenen Jahr lag das Gesamtvolumen für Börsengänge in London nur bei etwa einer Milliarde Pfund. Das ist der geringste Wert seit 2009. In den Jahren 2015 bis 2020 entfielen auf Großbritannien lediglich fünf Prozent aller weltweiten Börsengänge (IPOs). 2008 waren es noch 40 Prozent gewesen.

Besonders bitter war, dass der zur japanischen Softbank-Gruppe gehörende Chiphersteller Arm aus Cambridge dem Finanzplatz New York gegenüber London den Vorzug gab. Neben Tui hat auch der irische Baukonzern CRH London verlassen und ist nach New York abgewandert.

Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Schwimmer äußerte sich dennoch zuversichtlich über bevorstehende Börsengänge in London: „Wir sehen mehr Aktivitäten, mehr Vorbereitungen als in den letzten Jahren, was die IPO-Pipeline angeht.“

Allerdings ist auch das tägliche Handelsvolumen für die im FTSE All-Share Index gehandelten Aktien an der Londoner Börse deutlich auf zuletzt 3,4 Milliarden Pfund gesunken. Im Februar 2007 waren es noch fast 15 Milliarden Pfund. 2022 hatte Paris London als größten europäischen Handelsplatz abgelöst.

Der Finanzplatz London leidet unter einem Mangel von volumenstarken Technologiewerten, die vor allem in New York die aktuellen Börsenstände auf immer neue Höhen treiben. An der Themse gibt es dagegen immer noch ein Übergewicht von Rohstoff- und Energieunternehmen.

Zudem investieren viele britische Pensionsfonds lieber im Ausland als in der Heimat. Nach Angaben der nationalen Statistikbehörde ONS hielten die Fonds vor 30 Jahren noch fast ein Drittel britischer Aktien in ihrem Portfolio. 2022 waren es nicht einmal mehr zwei Prozent.

Finanzaufsicht und Regierung reagieren

Die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA will jetzt die Listing-Vorschriften lockern, um mehr Börsendebütanten nach London zu locken. „Wir arbeiten daran, die Attraktivität der britischen Kapitalmärkte zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum Großbritanniens zu unterstützen“, erklärte Anfang des Jahres Sarah Pritchard, Direktorin der Finanzaufsicht Financial Conduct Authority (FCA).

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Das gleiche Ziel haben die sogenannten „Edinburgh-Reformen“, mit denen die britische Regierung die Kapitalanforderungen für Versicherungen und Pensionsfonds aus Zeiten der EU-Mitgliedschaft lockern will, um Finanzfirmen dazu zu bewegen, mehr Risikokapital für Start-ups bereitzustellen. Dadurch sollen vor allem Technologiefirmen gefördert werden. Finanzminister Jeremy Hunt liebäugelt außerdem mit der Idee, ein steuerfreies Investment-Sparkonto nur für britische Aktien einzuführen.

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