Geldpolitik: So heftig wird der Zinsschock für die Bundesbank
Frankfurt. Die starken Leitzinserhöhungen schlagen mit Wucht auf die Bilanzen von EZB und Bundesbank zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) weist für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro aus. Es ist der erste Verlust seit 2004 – dabei hat die Euro-Notenbank laut Mitteilung vom Donnerstag ihre komplette Risikovorsorge von 6,6 Milliarden Euro aufgelöst.
Die Bundesbank trifft es von allen Notenbanken im Euro-Raum am heftigsten. Im Hinblick auf die Bilanzpressekonferenz an diesem Freitag ist in Finanzkreisen zu hören: Die Bundesbank werde auf „einen Großteil ihrer Rücklagen“ von derzeit 19,2 Milliarden Euro zurückgreifen müssen, um Verluste auszugleichen. Voriges Jahr musste die Bundesbank ihre Rücklagen bereits um eine Milliarde Euro anzapfen.
Auslöser ist die abrupte Zinswende. Von Juli 2022 bis September 2023 hob die EZB im Kampf gegen die viel zu hohe Inflation die Zinsen zehnmal in Folge an. Das Problem: Der Bestand an Staatsanleihen in den Bilanzen der Notenbanken ist niedrig verzinst und wird auf Jahre hinaus sehr geringe Erträge abwerfen. Auf Einlagen von Geschäftsbanken muss die Bundesbank dagegen stets den aktuellen Einlagenzins zahlen. Dieser liegt inzwischen bei vier Prozent.