Hedgefonds: Ex-Bridgewater-Chef sieht polarisierte Gesellschaft als Investitionsrisiko
Frankfurt. Der Gründer des Hedgefonds Bridgewater Associates, Ray Dalio, hat Investoren vor den Folgen der US-Staatsverschuldung für den Anleihemarkt gewarnt. Anlegern rät er dazu, einen Teil ihres Vermögens in andere Märkte zu investieren.
Zwar gehörten einige Regionen in den USA weiterhin zu den innovativsten der Welt, argumentiert er in einem Interview der „Financial Times“. Damit seien sie auch für Investitionen attraktiv. Doch gleichzeitig bestehe die Gefahr steigender Risiken im Land.
Als ein Risiko wertet er auch die Polarisierung in der US-Gesellschaft, die sich weiter beschleunige. Im Extremfall, so warnt er nachdrücklich, könne das sogar zu einem Bürgerkrieg führen.
Neben diesem düsteren Szenario fürchtet Dalio auch, dass die USA in einen weiteren internationalen Konflikt verwickelt werden könnte. In der Folge würde in den betroffenen Ländern die Nachfrage nach US-Staatsanleihen sinken.
Zinswende in den USA nicht in Sicht
Auch die bislang hohen Zinsen in den USA stimmen Dalio pessimistisch. Dagegen zweifelt er kaum noch daran, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni den Leitzins senken wird. Die Zinswende in den USA lasse aber wohl noch auf sich warten, befürchtet er. Und was die US-Inflationsrate angehe, liege sie mit 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch deutlich über zwei Prozent, dem Zielwert der US-Notenbank Federal Reserve (Fed).
Auch die US-Staatsverschuldung sollten Anleger laut Dalio im Blick behalten. So liegt die Schuldenquote, gemessen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), aktuell bei rund 123 Prozent. Laut Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnte die Schuldenquote bis Ende des Jahrzehnts auf knapp 134 Prozent ansteigen.
Gleichzeitig ist es für die USA in diesem Jahr teurer geworden, neue Schulden aufzunehmen: Die Rendite auf US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit ist seit Beginn des Jahres von knapp 3,9 auf aktuell rund 4,3 Prozent gestiegen.
Dalio, der sich schon in der Vergangenheit kritisch zur hohen US-Verschuldung äußerte, steht mit seiner Beurteilung der größten Volkswirtschaft der Welt nicht allein da. Ganz ähnlich wie er hat etwa auch Markus Brunnermeier, Ökonom an der US-Universität Princeton, im Interview mit dem Handelsblatt die US-Lage eingeschätzt.
Dalio rät zu Investitionen außerhalb der USA
Brunnermeier bezeichnete die US-Schuldenpolitik als „eine Art Schneeballsystem“: Zahlungen an Gläubiger werden durch die Ausgabe neuer Staatsanleihen finanziert. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht in der US-Staatsverschuldung gar ein „Risiko für die Finanzpolitik und die Finanzstabilität weltweit“.
Um sich vor US-Risiken zu schützen, rät Dalio Investoren dazu, regional zu diversifizieren. Dabei seien Märkte von Staaten mit stabilen Bilanzen und damit einhergehend geringer Neuverschuldung attraktiv, die sich zudem aus internationalen Konflikten heraushalten. Als Beispiele nennt Dalio: Indien, Singapur, Indonesien, Malaysia, Vietnam und einige der Golfstaaten. Auch Gold sei ein attraktives Asset, um das Portfolio abzusichern.
Der mittlerweile 74-jährige Dalio hat Bridgewater Associates 1975 gegründet. Heute gehört Bridgewater zu den größten Hedgefonds der Welt. Seinen Posten als Vorstandschef und Vorsitzender des Verwaltungsrats hat er mittlerweile abgegeben, als Berater ist er allerdings weiter für Bridgewater tätig.