Dax aktuell: Ausverkauf vorerst beendet: Dax schließt wieder über der Marke von 13.300 Punkten
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.
Foto: dpaDüsseldorf. Der Dax beendet den Handelstag wieder deutlich stärker. Mit 0,9 Prozent im Plus schließt der deutsche Leitindex bei 13.323 Punkten und schafft damit den Sprung über die Marke von 13.300 Punkten.
Noch zum Handelsstart hatte das Frankfurter Börsenbarometer zugelegt, verlor aber bis zum Mittag rund 0,4 Prozent. Am Vortag hatte der Dax deutlich stärker nachgegeben und war 2,7 Prozent im Minus bei 13.205 Zählern aus dem Handel gegangen.
Dabei riss er eine Kurslücke: Der höchste Kurs des Tages lag unter dem niedrigsten Level des vorherigen Handelstages. Eine solche Kurslücke wird oft als Signal für sinkende Kurse interpretiert.
Der Ausverkauf an den Börsen in Folge des Coronavirus ist aber zumindest vorerst beendet. „Dass Schnäppchenjäger aber nicht in großem Stil wieder zugreifen, ist ein Signal für ihre Furcht, dass sich die Gesundheitskrise erst noch verschlimmern wird, bevor sich die Lage verbessert“, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets.
Um die Lungenkrankheit in den Griff zu bekommen, wurden in China bereits Millionenstädte abgeriegelt und die Neujahrs-Feiertage verlängert. Weltweit ist die Zahl der Infektionen auf über 4500 gestiegen. In China gibt mehr als 100 Tote. Inzwischen wurde auch der erste Krankheitsfall aus Deutschland gemeldet.
Anleger reagierten erleichtert auf Äußerungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, so Peter Cardillo, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Spartan. Die WHO zeigte sich zuversichtlich, dass die Regierung in Peking den Ausbruch des Coronavirus problemlos unter Kontrolle bringen könne.
Dass der Dax im Plus schließt, ist allerdings keine Entwarnung: Experten von JP Morgan vermuten, dass sich der Ausverkauf an den Aktienmärkten trotz allem fortsetzen könne, bis sich die Infektionslage bessert. Allerdings geben sie zugleich zu bedenken, dass solche schweren Ausbrüche in der Vergangenheit lediglich zu einem Rückgang der Aktienkurse um durchschnittlich 4,7 Prozent führten.
Die JP-Morgan-Experten halten deshalb an ihrer zuversichtlichen Haltung zu den globalen Aktien fest und verweisen auf die Entwicklung in der Vergangenheit: Je stärker die Aktien bei ähnlichen Befürchtungen eingebrochen sind, desto stärker erholten sie sich später. „Gesundheitsgefahren, ähnlich wie lokale Kriege und terroristische Ereignisse, waren historisch gesehen eher Kaufchancen als Gründe für anhaltende Verkäufe“, schreiben die JP-Morgan-Strategen Mislav Matejka, Prabhav Bhadani und Nitya Saldanha in einer Note.
Auch Marktanalyst Timo Emden von Emden Research sagt, dass das zwischenzeitlich günstige Preisniveau Schnäppchenjäger locken könnte. Anleger nutzen bereits die gefallenen Kurse zum Wiedereinstieg bei Luxus-Werten. Die Aktien von Burberry, LVMH, Gucci-Eigner Kering sowie Moncler legten bis zu drei Prozent zu. Zum Wochenauftakt hatten die Werte zu den größten Verlierern gehört.
Am Montag war der Ölpreis auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten gefallen. Der rapide Preisverfall hatte das Ölkartell Opec wohl beunruhigt: Insidern zufolge erwägt die Opec, wegen des Virus die vereinbarte Fördergrenzen bis mindestens Juni beizubehalten. Bei einer noch geringeren Nachfrage könnte die Förderung weiter gedrosselt werden.
Blick auf die Einzelwerte
SAP: Der Dax-Konzern konnte die Anleger mit seinen Jahreszahlen nicht überzeugen. Die Aktie verlor etwa zwei Prozent. SAP hat bei anhaltend starkem Wachstum des Cloud-Geschäfts das Betriebsergebnis im vergangenen Jahr wie erwartet gesteigert. Der um Sonder- und Währungseffekte bereinigte operative Gewinn kletterte 2019 um elf Prozent auf 8,2 Milliarden Euro.
Bei einem Umsatzanstieg um neun Prozent auf 27,6 Milliarden Euro verbesserte sich die operative Rendite damit um 0,6 Prozentpunkte auf 29,6 Prozent. Der Marktführer für Firmensoftware schnitt damit so ab wie versprochen und wie von Analysten erwartet.
Lufthansa: Die Sorgen vor einer weiteren Verbreitung des Coronavirus und einem damit einhergehenden Rückgang der Reiseaktivitäten haben am Dienstag die Lufthansa-Anteile weiter belastet. Mit 13,45 Euro kosteten sie zeitweise so wenig wie im August des vergangenen Jahres. Zum Handelsschluss lagen sie dennoch 1,45 Prozent im Plus.
Die Analysten der Investmentbank Kepler Cheuvreux reduzierten derweil ihre Gewinnerwartungen an die Airline, da der Ausbruch des Virus in China das Asiengeschäft mindestens im ersten Quartal belasten dürfte. Das Bankhaus Metzler strich die Titel zudem von der „German Top Ten“-Liste.
Wacker Neuson: Ein positiver Analystenkommentar stützt die Aktien des Baumaschinenherstellers. Der Titel gewann etwa vier Prozent zu. Die Experten von Jefferies gaben eine Kaufempfehlung für die Papiere ab.
Zooplus: Anleger reagierten mit Verkäufen auf die Zahlen des Tierfutter-Händlers, die Aktien fielen zeitweise um bis zu sechs Prozent und notierten so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Zum Handelsschluss retteten sie sich aber wieder und notierten sogar 0,4 Prozent im Plus. Das Unternehmen hat den Umsatz im vergangenen Jahr um 14 Prozent gesteigert. Damit landete es am unteren Ende der eigenen Prognose, die einen Zuwachs von 14 bis 18 Prozent vorgesehen hatte.
Handelsblatt-Analystencheck: Barclays senkt Kursziel für Continental
Die Investmentbank Barclays hat das Kursziel für Continental von 115 auf 110 Euro gesenkt und die Einstufung auf „underweight“ belassen. Analyst Erwann Dagorne senkte in einer Branchenstudie seine Gewinnerwartungen für die Autozulieferer. Zunehmende CO2-Risiken in Europa und wenig Hoffnung auf eine Erholung in China hätten die globalen Absatzerwartungen für Pkw deutlich eingetrübt. Dagorne bevorzugt weiter Michelin gegenüber Conti.
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