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Dax aktuellDax-Anleger verarbeiten die hohen Kursgewinne – Lira setzt Aufwärtstrend fort

Investoren versuchen, die hohen Kursgewinne vom Wochenanfang richtig einzuordnen. Der Dax verliert 1,2 Prozent. Im Fokus steht nun eine neue Marke.Jürgen Röder 12.11.2020 - 18:15 Uhr Artikel anhören

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Donnerstag nach seiner starken Performance zu Wochenbeginn eine wohlverdiente Pause genommen. Der Dax notierte den gesamten Handelstag im Minus und schloss letztlich 1,2 Prozent schwächer bei 13.053 Punkten. Das waren 163 Zähler weniger als am Vortag. Eine derartige Verschnaufpause ist deshalb verdient, weil der Leitindex in dieser Handelswoche bereits um rund 700 Punkte gestiegen ist.

Abseits der ersten Reihe gab es weniger Bewegung. Der MDax der mittelgroßen Werte schloss mit leichten Verlusten, der TecDax unverändert. Leitindizes anderer westeuropäischer Börsen sowie die Indizes an der Wall Street notierten ebenfalls mit Verlusten.

Die erste Sentimentumfrage seit dem Kurssprung aufgrund der Biontech-Meldung zum Corona-Impfstoff am vergangenen Montag zeigt: Anleger sind optimistisch, aber noch nicht euphorisch. Das signalisiert das aktuelle Umfrageergebnis der Börse Frankfurt unter mittelfristig agierenden Privatanlegern und institutionellen Investoren.

Euphorie gilt vereinfacht formuliert als Warnsignal für bald wieder fallende Kurse, weil dann kaum noch weitere Käufer vorhanden sind. „Aus sentimenttechnischer Sicht wäre es wohl noch zu früh, das Ende der Aktienmarktrally zu verkünden“, bewertet Verhaltensökonom Joachim Goldberg das Abstimmungsverhalten.

Solch ein Kurssprung wie am vergangenen Montag, als der Dax innerhalb einer Stunde um mehr als 600 Punkte nach oben schoss, führt immer wieder zu interessanten Einstellungen unter den Anlegern. Einerseits ist schnell der Begriff „Überreaktion“ an den Märkten geprägt. So äußern sich meist diejenigen Investoren, die falsch positioniert waren oder ihre Gewinne zu früh realisiert haben.

Und auf der anderen Seite erwarten diese Investoren nun, dass sich diese vermeintliche Überreaktion bald legt und der Dax wieder auf sein ursprüngliches Niveau zurückfällt. Dafür müsste der Index wieder in den Bereich um 12.700 Punkte abrutschen, die Marke vor der Biontech-Meldung.

Das kann passieren, entsprechend gibt es im Vergleich zu den vorherigen Handelswochen ein größeres Abwärtsrisiko, weil eine höhere Nachfrage erst rund 350 Punkte unterhalb des aktuellen Niveaus existiert.

Die Umfrage der Frankfurter Börse zeigt aber auch: Ausländische Investoren haben offenbar den Dax in den vergangenen Tagen nach oben getrieben. Denn die bereits in der Vorwoche optimistische Stimmung der heimischen Profianleger hat sich kaum verändert.

Deutlicher war die Reaktion bei den Privatanlegern, die in der vergangenen Woche nicht so optimistisch wie die Profis waren. Rund die Hälfte der vorherigen Bären sind sofort ins Bullenlager gewechselt. „Man kann durchaus von einer kleinen Kapitulation der Bären sprechen“, erläutert Goldberg. Der Bärenanteil bei den Privaten liegt nun auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahr.

Noch deutlicher verlief der Stimmungsumschwung in den USA: Die aktuelle Sentimenterhebung der American Association of Individual Investors (AAII) weist einen Bullenanteil unter den US-Privatanlegern von fast 56 Prozent aus. Das ist der höchste Stand seit Januar 2018. Der Zuwachs der Optimisten von fast 18 Prozentpunkten binnen einer Woche zeigt eine schon fast euphorische Stimmung, was die Aktienkurse kurzfristig belasten könnte.

Blick auf die Einzelwerte

Continental: Nikolai Setzer wird neuer Vorstandschef des Zulieferers. Er galt als Favorit für die Nachfolge von Elmar Degenhart, der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Anleger scheinen von Setzer überzeugt: Die Aktie lag mit einem Plus von 1,1 Prozent auf 107,35 Euro an der Dax-Spitze.

Deutsche Telekom: Nach dem Zusammenschluss der US-Tochter T-Mobile US mit dem kleineren Konkurrenten Sprint traut sich die Deutsche Telekom mehr zu. Das Unternehmen hob die Prognose an und übertraf mit den neuen Zahlen die Erwartungen der Analysten. Die Aktie stieg um 0,4 Prozent.

Siemens: Der Siemens-Konzern ist im letzten vollen Geschäftsjahr (bis 30. September) von Konzernchef Joe Kaeser gut durch die Coronakrise gekommen. Eine schlechte Nachricht für Siemens-Aktionäre hat der scheidende Chef allerdings auch: Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt vor sieben Jahren sinkt die Dividende – von 3,90 Euro auf 3,50 Euro je Aktie. Das kommt bei den Anlegern nicht gut an. Das Siemens-Papier fiel um 3,2 Prozent.

Ströer: Die Aktie führte mit einem Plus von 6,23 Prozent die Gewinnerliste im MDax an. Das Werbeunternehmen hat nach kräftigen Einbußen im Frühjahr infolge des Lockdowns im dritten Quartal eine spürbare Erholung verzeichnet. Gleichwohl lagen die Erlöse mit 355 (Vorjahr: 379) Millionen Euro noch unter dem Vorjahreswert. Die Orderbücher stimmen den Vorstand zuversichtlich, dass sich die Geschäfte weiter stabilisieren.

Shop Apotheke: Anleger hatten die Papiere der Versandapotheke zu Wochenbeginn aus dem Depot geworfen und eher zyklische Werte gekauft. Nun macht Shop Apotheke einen Teil der Verluste wieder wett. Die Aktie stieg um fünf Prozent auf 141,40 Euro.

K+S: Der Salz- und Düngemittelhersteller ist wegen einer milliardenschweren Abschreibung tief in die Verlustzone gerutscht. K+S schrieb im dritten Quartal ein Minus von 1,97 Milliarden Euro, nach einem Verlust von 41,8 Millionen Euro vor Jahresfrist. Die Aktie rutschte 1,4 Prozent ab.

Blick auf andere Assetklassen

Die Kursrally der türkischen Währung geht weiter: Im Gegenzug verliert der Euro gegenüber der Lira erneut ein Prozent. Ein Euro ist nunmehr 9,09 türkische Lira wert. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat eine neue Wachstumsstrategie, in deren Rahmen sich das Land stärker für ausländische Investoren öffnen will. Er warnte in diesem Zusammenhang, dass sein Land dabei einige „bittere Pillen“ schlucken müsse.

„Seine Bemerkung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die türkische Notenbank ihre Zinsen nun nachhaltig erhöhen kann – zumindest für einen angemessen langen Zeitraum“, sagte Commerzbank-Analyst Tatha Ghose. Die türkische Notenbank kommt am 19. November erstmals unter ihrem neuen Chef Naci Agbal zu ihren regulären geldpolitischen Beratungen zusammen. Die Experten der Bank Goldman Sachs gehen davon aus, dass der Leitzins zu diesem Termin auf 15 von derzeit 10,25 Prozent angehoben wird. Andere Analysten halten eine noch deutlichere Erhöhung für möglich.

Mit seiner Rede dürfte Erdogan, offenbar ein politischer Überlebenskünstler, einer potenziellen Rettung durch den Internationalen Währungsfonds zuvorgekommen sein. Nach Einschätzung der Commerzbank hätte die Türkei eine weitere Abwertung der Lira um 15 bis 20 Prozent nicht verkraften können, ohne dass dies zu einer Welle von Zahlungsausfällen bei privaten Fremdwährungsverbindlichkeiten geführt hätte.

Derselbe Präsident, der Anfang der Woche die Weltmärkte beschuldigt hat, der Türkei das Teufelsdreieck aus hohen Zinsen, hoher Inflation und sinkendem Wechselkurs aufzuzwingen, hat nicht plötzlich seine gesamte Sicht der Märkte umgedreht. Er hat nur einen Kompromiss gefunden, um eine Pleitewelle zu verhindern. Entsprechend dürfte der Wechselkurs der Lira volatil bleiben.

Angesichts der erhöhten Infektionszahlen weltweit rückten sichere Assets wieder in den Fokus der Anleger. Gold gewann ein Prozent und näherte sich wieder der Marke von 1900 Dollar. Die Rendite zehnjähriger US-Bonds fiel von 0,989 Prozent auf 0,9 Prozent. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen notierte bei minus 0,535 Prozent nach minus 0,504 Prozent am Vortag.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hebt die Kursziele für den S&P 500 noch einmal deutlich an. Welche Faktoren die Rally an den US-Märkten antreiben, zeigt Markus Koch.

Was die Charttechnik sagt

Der Dax zeigt trotz der Kursverluste am Donnerstag immer noch eine hohe Aufwärtsdynamik. Drei Aufwärtskurslücken in den vergangenen sieben Tagen sind ein deutliches Indiz dafür.

Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Sie gelten laut Charttechnik als Unterstützung und können entsprechend als mögliche Stop-Loss-Marke für strategische Investoren genutzt werden. Konkret: 12.596 Punkte war der höchste Stand am Freitag (6. November), 12.671 Zähler der tiefste Kurs am Montag. Diese Marke können strategische Dax-Investoren als Stop-Loss-Marke nehmen.

Die nächste wichtige Widerstandszone liegt beim Verlaufshoch am Montag dieser Woche mit 13.297 Punkten und erstreckt sich bis zum Hoch aus dem Monat September mit 13.460 Zählern. Dort liegt das sogenannte Corona-Hoch, der höchste Stand seit dem Crash Mitte März, als der Dax auf 8255 Punkte abrutschte. Sollte der Dax die Marke überwinden, gerät das Rekordhoch mit 13.795 Punkten ins Visier.

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Auf der Unterseite hat neben den drei offenen Aufwärtskurslücken der Bereich um 12.200 Punkte eine enorme Bedeutung. Dort liegt beispielsweise die 200-Tage-Linie, die von langfristig orientierten Investoren beachtet wird. Diese Linie notiert aktuell bei 12.065 Zählern und ist damit die wichtige, quasi letzte Unterstützung, die halten muss.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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