Dax aktuell: Dax schließt im Plus – Anleger nehmen Gewinne bei zyklischen Aktien mit
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.
Foto: dpaDüsseldorf. Die freundliche Stimmung am deutschen Aktienmarkt setzt sich fort: Bis zum Handelsschluss steigt der deutsche Leitindex um 0,4 Prozent auf 13.216 Zähler.
Bereits am Dienstag konnte der Dax seine fulminanten Gewinne vom Wochenauftakt ausbauen und schloss 0,5 Prozent höher bei 13.163 Punkten.
Der gestrige Handelstag war ein sogenannter „Inside Day“: Die Handelsspanne blieb innerhalb der des Vortages, was angesichts einer Spanne von mehr als 580 Zählern am Montag keine Überraschung war.
Überraschend war hingegen, dass es weitere Kursgewinne gab, also auf diesem hohen Niveau Investoren bereit waren zu kaufen. Sollten die Kursgewinne so weitergehen, steht aus technischer Sicht schnell eine wichtige Entscheidung an: Sollte der Dax über 13.460 Zähler steigen, wäre das nächste Ziel das Rekordhoch mit 13.795 Zählern.
Der Paradigmenwechsel an der Börse, weg von Corona-Gewinner-Aktien hin zu den traditionellen Industriewerten, legt am heutigen Handelstag eine Pause ein – Anleger nehmen offenbar die Gewinne der Vortage mit. So geben im Nebenwerteindex MDax etwa die Papiere von Fraport und Commerzbank deutlich nach. Diese Aktien konnten seit der Biontech-Meldung zum neuen Impfstoff am vergangenen Montag zulegen.
Auf der Gewinnerseite stehen am heutigen Handelstag die Papiere von Zalando (plus 6,5 Prozent) und Shop Apotheke (plus 4,8 Prozent). Der Wertzuwachs von mehr als zwölf Prozent beim IT-Systemhaus Bechtle hängt mit der angehobenen Prognose des Unternehmens zusammen.
Die Frage bleibt aber bestehen: Geht die Stabübergabe von den Technologieaktien als den Pandemiegewinnern hin zu den Value-Aktien reibungslos über die Bühne?
„Wenn die Anleger auf die Idee kommen, die Amazons und Apples dieser Welt in großem Stil zu verkaufen, ist nicht gesagt, dass diese Erlöse eins zu eins in die von der Pandemie hart getroffenen und weit weniger wachstumsstarken Value-Aktien investiert werden“, meint Jochen Stanzl vom Onlinebroker CMC Markets.
Für ihn könnte eine Korrektur bei Tech-Aktien zum Risiko für den Gesamtmarkt werden, weil sich die angehäuften Kursgewinne auf so wenige Aktien mit sehr hoher Marktkapitalisierung konzentrieren.
Doch davon ist derzeit noch nichts zu sehen. Offenbar haben die Aktien der bisherigen Corona-Verlierer noch Kurspotenzial.
Eine Vermutung dürfte aber logisch sein: Die Corona-Gewinner-Aktien dürften die besten Zeiten gesehen haben. Denn sollte die Aussage stimmen, dass der Impfstoff von Biontech eine Erfolgsquote von „90 Prozent ohne Nebenwirkung“ hat, dürften die Auswirkungen der Pandemie schneller vorbei sein, als manche Anleger denken. Zudem wird es noch weitere Impfstoffe mit anderen Ausprägungen geben.
Anleger, die noch solche Corona-Gewinner-Papiere im Depot haben, sollten sich auf folgende zwei Fragen konzentrieren: Wie stark hat deren Geschäft als Einmaleffekt von Corona profitiert? Welcher Teil des Geschäfts ist nachhaltig? Je nach Antwort sollte man die Aktie verkaufen oder weiter halten.
Auch in China gaben die Technologieaktien deutlich nach, was allerdings andere Gründe hat: Die Aufsichtsbehörden im Reich der Mitte wollen die Monopolmacht der heimischen Technologiegiganten eindämmen.
Die technologielastigen Indizes ChiNext in Shenzhen und Star 50 in Schanghai fielen um mehr als drei Prozent, nachdem ein Spitzenbeamter der chinesischen Aufsichtsbehörde für Versicherungen und Banken versprochen hatte, die kartellrechtliche Kontrolle von Fintech-Unternehmen zu verstärken.
Blick auf die Einzelwerte
Continental: Wegen der Belastungen der Coronakrise hatte Conti seinen Ausblick im April kassiert. Nun strebt der Autozulieferer eine Rendite von rund drei Prozent an. Doch die Anleger nehmen offenbar Gewinne mit, die Aktie schließt 0,8 Prozent niedriger.
Eon: Der Energiekonzern rechnet nach Einbußen in den ersten neun Monaten im Zuge der Coronakrise durch die aktuellen Lockdown-Maßnahmen mit keinen größeren Belastungen mehr für das Ergebnis 2020. „Das Geschäft mit Energienetzen und Kundenlösungen zeigt in der Covid-19-Pandemie seine Stärke“, teilte der Konzern mit und bestätigte die im August gesenkte Prognose. Die Märkte würden sich schneller erholen als erwartet. Das lässt die Aktie um rund ein Prozent steigen.
Nordex: Anleger greifen nach einem Großauftrag aus den USA zu. Die Aktien des Windturbinenbauers steigen um mehr als elf Prozent auf 17,26 Euro. Das ist der höchste Kurs seit Anfang 2017. Ein Projektentwickler hat 63 Turbinen für einen Windpark in Texas mit 302 Megawatt bestellt.
Blick auf andere Assetklassen
Am 19. November steht für den weiteren Kursverlauf der türkischen Währung Lira eine wichtige Entscheidung an: Die Notenbank tagt zum ersten Mal unter der neuen Führung von Naci Agbal. Am gestrigen Dienstag wurde auch der neue türkische Finanzminister Lütfi Elvan ernannt, der angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen in seinem Land marktfreundliche Reformen versprach. Das kommt am Markt gut an. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte zudem eine neue Wachstumsstrategie ausgerufen. Außerdem will er sein Land stärker für ausländische Investoren öffnen.
Nun erwarten die Analysten von Goldman Sachs und der kanadischen Toronto-Dominion Bank eine Erhöhung der Zinsen um mindestens sechs Prozentpunkte. Ob das angesichts der zinsfeindlichen Haltung von Staatschef Recep Tayyip Erdogan so kommt? Eine spannende Frage. Am heutigen Mittwoch fällt der Euro um weitere 3,6 Prozent auf 9,27 Lira und liegt damit deutlich unter dem Rekordhoch von 10,1947 Lira am vergangenen Freitag.
Die Aussicht auf einen Coronavirus-Impfstoff lässt Anleger weiterhin Bundesanleihen verkaufen. Dadurch steigt die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Zwei-Monats-Hoch von minus 0,456 Prozent. Damit sind die Titel auf Kurs für den größten Wochengewinn seit Anfang Juni. Vor der Biontech-Meldung, dass es ein neuen Impfstoff geben dürfte, lag dieser Wert noch bei minus 0,641 Prozent.
Was die Charttechnik sagt
Der Dax zeigt eine hohe Aufwärtsdynamik. Drei Aufwärtskurslücken in den vergangenen sechs Tagen sind ein deutliches Indiz dafür.
Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt. Sie gelten laut Charttechnik als Unterstützung und können entsprechend als mögliche Stop-Loss-Marke für strategische Investoren genutzt werden. Konkret: 12.596 Punkte war der höchste Stand am Freitag (6. November), 12.671 Zähler der tiefste Kurs am Montag.
Auch das Handelsvolumen der Dax-Werte war am vergangenen Montag sehr hoch und entspricht der Börsenregel, dass steigende Kurse bei hoher Handelsaktivität den Trend untermauern.
Die nächste wichtige Widerstandszone liegt beim Verlaufshoch am Montag dieser Woche mit 13.297 Punkten und erstreckt sich bis zum Hoch aus dem Monat September mit 13.460 Zählern. Dort liegt das sogenannte Corona-Hoch, der höchste Stand seit dem Crash Mitte März, als der Dax auf 8255 Punkte abrutschte. Sollte der Dax die Marke überwinden, gerät das Rekordhoch mit 13.795 Punkten ins Visier.
Auf der Unterseite hat neben den drei offenen Aufwärtskurslücken der Bereich um 12.200 Punkte enorme Bedeutung. Dort liegt beispielsweise die 200-Tage-Linie, die von langfristig orientierten Investoren beachtet wird. Diese Linie notiert aktuell bei 12.065 Zählern und ist damit die wichtige, quasi letzte Unterstützung, die halten muss.
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