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Dax aktuellDax schließt nach schwachen Konjunkturnachrichten im Minus – Wirecard-Anleger verunsichert

Der deutschen Industrie ist das Neugeschäft in einem nie dagewesenen Tempo weggebrochen. Quartalsergebnisse belasten zudem mehrere Einzelwerte.Jürgen Röder 06.05.2020 - 18:42 Uhr

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Foto: dpa

Düsseldorf. Die Sorge vor einer nur schleppenden Erholung der Wirtschaft hat den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch ausgebremst. Der Dax schloss 1,2 Prozent im Minus bei 10.606 Punkten. Bereits die ersten beiden Handelstage dieser Woche waren sehr volatil: Auf ein Minus von 3,6 Prozent am Montag folgte ein Plus von 2,5 Prozent am Dienstag.

Besonders im Fokus stand gegen Ende des Handelstages einmal mehr Wirecard. Die Deka dringt als erste große deutsche Fondsgesellschaft auf die Ablösung von Wirecard-Chef Markus Braun. Er sei der Hauptverantwortliche für den Vertrauensverlust am Kapitalmarkt, sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka, der „WirtschaftsWoche“. Die Aktie ging mit einem Minus von rund sechs Prozent aus dem Handel.

Der weitere Verlauf des Dax dürfte nicht nur von den Entwicklungen in der Coronakrise abhängen, die lange Zeit andere Themen verdrängt hat. Spätestens nach dem Ende der Quartalssaison könnten wieder zwei „alte Bekannte“ im Fokus stehen: Der Brexit und der Handelskonflikt mit China.

Die irische Regierung hat bereits vor einer neuen Krise gewarnt, Außenminister Simon Coveney bezeichnete die Fortschritte zwischen Großbritannien und der EU als „nicht gut“. Und ob US-Präsident Donald Trump seine Drohung mit neuen Strafzöllen gegen China realisiert, ist angesichts des aktuellen Wahlkampfs schwer einzuschätzen.

Auch wenn mehrere Indikatoren signalisieren, dass es keinen neuen Crash am Aktienmarkt geben wird, ist die Schnäppchenjagd allerdings auch vorbei. Das gilt vor allem für Topmanager, die nur wenige Aktien ihrer Unternehmen gekauft haben. Außer bei SAP gab es in den vergangenen beiden Wochen nur zwei weitere Insiderverkäufe bei Unternehmen aus einem deutschen Aktienindex.

Kursgewinne konnten am heutigen Mittwoch vor allem Unternehmen der Gesundheitsbranche einfahren. Zu den größten Dax-Gewinnern gehörten Fresenius Medical Care und Fresenius, mit einem Plus von 1,54 und 1,02 Prozent.

Der Gesundheitskonzern profitiert von einem Nachfrageschub zum Jahresanfang und hält an seinem Jahresausblick fest. Auch die ebenfalls im Dax notierte Dialysetochter FMC bekräftigte ihre Ziele und zog an. Beim britischen Pharma-Konzern AstraZeneca sorgt die Zulassung eines Diabetes-Medikaments in den USA für die Behandlung von Herzinsuffizienz für Rückenwind.

Bei den deutschen Konjunkturdaten geht das Drama weiter: Der deutschen Industrie ist das Neugeschäft wegen der Coronakrise in einem nie dagewesenen Tempo weggebrochen. Sie sammelte im März 15,6 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Minus von zehn Prozent gerechnet.

Für den Ökonomen Andreas Scheuerle von der Dekabank ist diese Zahl nur die eine Hälfte der Wahrheit, denn zu dem Kollaps der Neuaufträge werde auch eine Welle von Auftragsstornierungen kommen. Das Epizentrum der Auftragsschwäche war seiner Meinung nach die Automobilindustrie. „Keine andere Industriebranche war von den Produktionsstopps stärker betroffen.“

Laut der privaten Arbeitsagentur ADP wurden im April in den USA 20,24 Millionen Stellen in der Privatwirtschaft gestrichen. Die Konsensschätzung lag bei minus 20,05 Millionen.

Damit meldet ADP einen historisch hohen Rückgang der Arbeitsplätze. Verantwortlich dafür sind die Ausgangsbeschränkungen sowie die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft im Zusammenhang mit der Covid-19-Ausbreitung.

„Eine Rückkehr zur Normalität wird noch Zeit in Anspruch nehmen und so wird die Arbeitslosenquote zunächst wohl noch steigen“, kommentieren die Experten der Landesbank Helaba die aktuellen Zahlen. Darauf dürfte der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag hinweisen.

Experten rechnen für April in den USA mit einem Abbau von gut 20 Millionen Stellen. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2009 lag bei 835.000 gestrichenen Jobs.

Blick auf die Einzelwerte

Wirecard: Forderungen nach einem Führungswechsel bei Wirecard haben Anleger verunsichert. Der Aktienkurs sank um rund sechs Prozent, damit war Wirecard Schlusslicht im Dax. Mit der Deka fordert die erste große deutsche Fondsgesellschaft die Ablösung des Firmenchefs Markus Braun.

BMW: Der Autobauer hat im ersten Quartal trotz Produktionsstopps und Absatzeinbrüchen in der Coronakrise nur einen leichten Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal, als hohe Rückstellungen für eine drohende Kartellstrafe das Ergebnis belasteten, sank der Konzernüberschuss um 2,4 Prozent auf 574 Millionen Euro. Die BMW-Aktie verlor dennoch 5,4 Prozent.

Fraport: Die Reisebeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ab März haben der Frankfurter Flughafengesellschaft erstmals seit dem Börsengang 2001 in einem ersten Quartal einen Verlust eingebrockt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden nach den Worten des Vorstandes im zweiten Quartal noch „massiver.“ Die Fraport-Aktie hat sich seit Jahresanfang bereits halbiert und fiel am heutigen Mittwoch um weitere 6,6 Prozent.

Nach dieser Kursentwicklung interessieren sich zwangsläufig Short-Spekulanten für das Papier. Am vergangenen Montag ist der Hedgefonds Kintbury neu eingestiegen und hat eine Short-Quote von 0,56 Prozent gemeldet. Werte unterhalb von 0,5 Prozent müssen der Finanzaufsicht Bafin nicht gemeldet werden. Mittlerweile sind 1,96 Prozent aller frei handelbaren Fraport-Aktien „leerverkauft“, wie es in der Fachsprache heißt.

Für ihre Spekulation haben sich die Hedgefonds aktuell mehr als 181.000 Aktien von Fraport-Aktionären wie beispielsweise Investmentfonds geliehen und verkauft. Doch um diese Aktien wieder zurückzugeben, müssen sie vorher wieder kaufen. Natürlich möglichst zu einem niedrigeren Kurs.

Bei einem durchschnittlichen Handelsvolumen im vergangenen Monat von rund 414.000 Stück pro Tag muss dieser Rückkauf wohldosiert werden, damit der Fraport-Kurs nicht rasant ansteigt und die Hedgefonds unter Druck setzt. Denn die wollen die Papiere günstig zurückkaufen.

Qiagen: Das Biotechunternehmen zählt zu den Kurs-Gewinnern. Qiagen erwartet wegen einer hohen Nachfrage nach Testprodukten für den Nachweis des Coronavirus im zweiten Quartal einen Umsatzzuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr wagt Qiagen wegen der Unsicherheit rund um die Pandemie dagegen keine Prognose. Der Wert der MDax-Aktie ist seit Jahresanfang um 25 Prozent gestiegen und stieg am Mittwoch um weitere 0,6 Prozent.

Dialog Semiconductor: Ein Quartalsergebnis über Markterwartungen und ein optimistischer Ausblick haben Dialog Semiconductor massiv Auftrieb gegeben. Die Aktien des Chip-Designers stiegen um knapp 14 Prozent auf 33,75 Euro am Nachmittag. Das Unternehmen machte einen Umsatz von 248,5 Millionen Dollar und einen Betriebsgewinn von 17,5 Millionen Dollar. Für das laufende Quartal stellte es Erlöse von 260 bis 290 Millionen Dollar in Aussicht.

Lanxess: Die schwache Nachfrage aus der Autoindustrie im Zuge der Coronakrise belastet das Unternehmen. Der Spezialchemiekonzern senkte am Mittwoch nach einem deutlichen Ergebnisrückgang im ersten Quartal seine Ziele für das Gesamtjahr. „Wir wissen, dass wir den Höhepunkt der Krise noch nicht erreicht haben“, sagte Vorstandschef Matthias Zachert. Die Aktie konnte aber um 1,2 Prozent zulegen.

Hellofresh: Die Aktien gaben nach der Platzierung einer Wandelanleihe nach. Angesichts der Verwässerungseffekte durch die Kapitalmaßnahme schlossen die Papiere des Anbieters von Kochboxen 3,5 Prozent schwächer bei 35 Euro. Die Anleihe mit einem Volumen von 175 Millionen Euro hat eine Laufzeit von fünf Jahren und wird mit 0,75 Prozent jährlich verzinst.

Blick auf andere Assetklassen

Die Anzeichen für eine abklingende Corona-Pandemie wachsen, doch die Nachfrage nach Gold bleibt unverändert hoch. Am gestrigen Dienstag kauften die börsengehandelten Indexfonds (ETFs) gut sieben Tonnen, deren Gesamtbestände überstiegen laut dem Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg erstmals die Marke von 3000 Tonnen.

Und da der Euro gegenüber dem Dollar fiel, notierte der Goldpreis in der europäischen Gemeinschaftswährung zeitweise mit 1571 Euro wieder in der Nähe seines bisherigen Rekordhochs von 1612 Euro je Feinunze. In Dollar gerechnet lag der Goldpreis zuletzt bei 1685 Dollar.

Interessanterweise hat die fehlende Goldnachfrage in Indien keine Auswirkungen auf den Preis gehabt. Die indischen Goldimporte sind im April fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Hochzeiten in dem Subkontinent dürften vom Frühjahr auf den Herbst verschoben werden, was dann zu einem kräftigen Nachfrageanstieg führen könnte. Der dürfte allerdings angesichts der hohen Goldpreis geringer ausfallen als in den Vorjahren.

Die Stimmung am Ölmarkt hat binnen nur einer Woche massiv gedreht. Der Fokus liegt dabei auf der Rückkehr der Nachfrage, wobei Analysten sich mit positiven Preisprognosen überbieten. Die Commerzbank-Rohstoff-Analysten halten die gegenwärtige Euphorie am Ölmarkt aber für verfrüht.

Am heutigen Mittwoch setzte die Sorge vor knappen Lagerkapazitäten den Ölpreisen wieder zu. Nach fünf Tagen mit Zuwächsen verbilligte sich US-Leichtöl der Sorte WTI um 3,9 Prozent auf 23,54 Dollar je Barrel. Der Preis für Brent-Nordseeöl gab 4,31 Prozent auf 29,32 Dollar je Barrel nach. Branchenangaben aus den USA zufolge sind die US-Lagerkapazitäten schon stärker ausgeschöpft als erwartet. Durch den wirtschaftlichen Stillstand als Folge der Coronavirus-Pandemie ist die Rohöl-Nachfrage eingebrochen.

Der Euro gab weiter nach und fiel um 0,2 Prozent auf 1,08 Dollar. Bereits am gestrigen Dienstag hatte die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) zum Staatsanleihen-Kaufprogramm der EZB zu erheblicher Aufregung am Devisenmarkt geführt. Der Euro gab gegenüber dem Dollar fast einen Cent ab.

„So wichtig das gestrige Urteil daher aus juristischer Sicht sein mag, in absehbarer Zeit schränkt es die EZB in dem, was sie sich bislang vorgenommen hat, nicht ein“, meint Commerzbank-Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann. „Eine Erholung der Gemeinschaftswährung bei weiterem Abklingen der Corona-Unsicherheit ist weiterhin wahrscheinlich“.

Was die Charttechnik sagt

Unter Investoren wird derzeit heiß diskutiert: Kommt es wieder zu einem Rutsch Richtung 8255 Punkte, dem Tiefpunkt des Crashs in diesem Jahr?

Dazu müsste der Dax zunächst unter den Bereich um 10.300 Punkte fallen. Denn dort befindet sich ein Sammelsurium von wichtigen Unterstützungen. Unter anderem liegt dort mit 10.279 Zählern das Tief vom Dezember 2018, der Ausgangspunkt für die Rally bis Februar 2020.

„Ein neuerlicher Rücksetzer kommt nur bei einem Bruch dieser Bastion bei 10.300 Punkten infrage und sollte zudem lediglich moderat ausfallen“, meinen die technischen Analysten der Düsseldorfer Bank HSBC. Sollte diese Mark fallen, wäre die Aufwärtskurslücke bei 9.841 bis 9.627 Punkten ein mögliches Anlaufziel.

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Solche Kurslücken entstehen, wenn der höchste Kurs eines Tages unter dem des Folgetages bleibt. Solche Aufwärtslücken sind laut Charttechnik wichtige Widerstände.

Auf der Oberseite liegen im Bereich um 11.000 Punkte bedeutende Widerstände. Bei 11.025 Punkten liegt beispielsweise die 50-Prozent-Korrektur der Baisse seit Februar. Denn diese Marke entspricht der Mitte der Abwärtsbewegung von 13.795 auf 8255 Zähler.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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