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Dax aktuellFünf Gründe, warum die Zeit der massiven Kursverluste vorbei sein dürfte

Der Ifo-Index belastet zeitweise die Kurse, doch das EZB-Rettungspaket zeigt Wirkung. Der Dax schließt zwei Prozent im PlusJürgen Röder, Tom Körkemeier 19.03.2020 - 22:05 Uhr aktualisiert

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der Dax ist am Donnerstagnachmittag nach einer zeitweisen Schwächephase den US-Börsen zurück ins Plus gefolgt. Er schloss zwei Prozent im Plus bei 8610 Punkten, nachdem er bis auf 8257 Zähler gefallen war. Grund für den Rücksetzer war der Ifo-Geschäftsklimaindex, der auf den niedrigsten Stand seit August 2009 gefallen war. In den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft schürt die Coronavirus-Krise Sorgen über eine kräftige Rezession.

An der Wall Street ging es nach einem schwachen Handelsstart am Donnerstag aber bergauf. Der US-Leitindex Dow Jones drehte in einem volatilen Handel um etwa ein Prozent auf 20.087 Punkte ins Plus. Am Mittwoch war dort der Handel ein weiteres Mal zeitweise ausgesetzt worden.

Ein Grund für die entspanntere Lage an den europäischen Märkten: Die Europäische Zentralbank (EZB) bringt ein beispielloses Rettungspaket auf den Weg. Sie will weitere Anleihen in Höhe von 750 Milliarden Euro kaufen. EZB-Chefin Christine Lagarde signalisiert: Sie ist bereit, alles für den Euro zu tun.

Hoffnung machten den Anlegern zudem Aussagen der US-Regierung: Finanzminister Steven Mnuchin nannte Details zur Verteilung von 500 Milliarden Dollar an die Bürger. Zudem prüft die US-Gesundheitsbehörde FDA den Einsatz eines Malaria-Mittels gegen die weltweit grassierende Lungenkrankheit Covid-19.

Die FDA will klinische Tests starten, um dessen Wirksamkeit gegen das Coronavirus zu untersuchen. Um eine Genehmigung für den Einsatz gegen das Virus zu erhalten, würden vermutlich zwölf Monate vergehen, sagt der Chef der Behörde.

Möglicherweise ist an den Aktienmärkten das Schlimmste vorbei. Vielleicht rutscht der deutsche Leitindex aber kurzfristig sogar noch unter die Marke von 8000 Punkten. Doch es gibt mehrere Indizien, dass die Talfahrt nicht mehr in dem Ausmaß der vergangenen Handelstage weitergeht.

Fünf Gründe, die gegen einen weiteren massiven Kursverfall sprechen

1. Weltweit greifen Unternehmensinsider bei eigenen Aktien zu. So ist das Verhältnis ihrer Aktienkäufe zu den Aktienverkäufen auf den höchsten Wert seit 1999 gestiegen, wie aus Daten von 2iQ Research hervorgeht. „Insider kaufen massiv und hatten in der Vergangenheit ein recht gutes Händchen, beim Tiefstand des Marktes zuzugreifen“, sagte Patrick Hable, geschäftsführender Gesellschafter des Datenanbieters.

2. Eine aktuelle Analyse der Anlegerstimmung zeigt: Der Abwärtsdruck auf den deutschen Leitindex hat sich deutlich verringert. Das meint Verhaltensökonom Joachim Goldberg nach Auswertung der Anlegerumfrage der Deutsche Börse. Solche Erhebungen funktionieren – sehr vereinfacht gesagt – nach dem Prinzip: Je höher die Zahl der Optimisten, desto größer das Risiko von fallenden Notierungen, weil bereits viele investiert sind oder kaufen wollen. Nun ist die Zahl der Optimisten deutlich gefallen. „Damit ist der Dax zwar längst noch nicht aus dem Schneider, aber der ganz große Druck ist zumindest aus heimischer Sicht mittlerweile wohl aus dem Kessel entwichen“, meint Goldberg.

3. Investmentprofis suchen unterdessen bereits wieder nach Möglichkeiten eines Einstiegs in einen nun deutlich preiswerteren Markt: In ihrem Fokus stehen Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und geringen Schulden, deren Aktienkurs massiv eingebrochen ist. Oder günstige Aktien von Firmen aller Größen, die im Zweifel sogar von der Krise profitierten, sich dennoch dem Abwärtssog an der Börse nicht entziehen konnten.

4. In China hat sich Krise rund um das Coronavirus entspannt. Die zentralchinesische Stadt Wuhan meldet zum ersten Mal seit dem Ausbruch des Coronavirus Ende 2019 keine neuen Infektionen. Eine bessere Entwicklung melden auch andere asiatische Staaten. So weit sind wir in Europa noch nicht, aber: Auch Italien meldete zu Wochenbeginn das erste Mal eine kleine Abflachung bei der Zahl neuer Infektionen.

5. Man kann von Charttechnik halten, was man will: Aber wenn die Panik etwas zurückgeht, werden sich viele Investoren daran wieder orientieren. Das beste Beispiel ist die viel beachtete 200-Tage-Linie, die den langfristigen Trend vorgibt. Der deutsche Leitindex notiert mittlerweile 33 Prozent unterhalb dieser Linie, die aktuell bei rund 12.536 Punkten liegt, mit fallender Tendenz. Dieser historisch große Abstand zur viel beachteten Glättungslinie wurde in der Vergangenheit nur in der Finanzmarktkrise und nach dem Platzen der Technologieblase zu Beginn des Jahrtausends erreicht.

Während der beiden vorherigen Krisen gab es immer wieder Zwischenerholungen, die den Dax in Nähe dieser 200-Tage-Linie brachten. Dabei steht nicht die Marke von 12.550 Punkten im Fokus, denn die Linie dürfte aufgrund der Kurseinbrüche in den kommenden Wochen deutlich fallen. Charttechnischen Berechnungen zufolge hat der Dax ein Erholungspotenzial bis auf rund 10.400 Punkte – was aber nicht unbedingt ein Ende des gesamten Abwärtstrends bedeutet.

Blick auf andere Assetklassen

Die europäischen Anleihemärkte haben sich am Donnerstag nach Ankündigung eines neuen milliardenschweren Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) zunächst stabilisiert. Vor allem griechische Anleihen waren gefragt, nachdem sie diesmal Teil des EZB-Kaufprogramms sind. Bislang waren sie von den Anleihekäufen aufgrund ihres schwachen Kreditratings ausgeschlossen gewesen.

Das Pfund rutschte zunächst um 1,2 Prozent ab auf 1,1471 Dollar. Es notiert damit zum Dollar auf dem niedrigsten Stand seit 35 Jahren. Dann schritt aber die Bank of England ein und kündigte eine weitere Zinssenkung auf 0,1 Prozent sowie eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms um 200 Milliarden Pfund an. Das britische Pfund legte zum Dollar daraufhin um 0,3 Prozent auf 1,1650 Dollar zu. Der britische Leitindex FTSE schloss 1,8 Prozent im Plus.

Die Ölpreise erholten sich ebenfalls etwas von ihren jüngsten Kurseinbrüchen. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 6,3 Prozent auf 26,44 Dollar pro Barrel (159 Liter). Die US-Leichtölsorte WTI legte sogar 17,6 Prozent auf 23,99 Dollar zu.

Blick auf die Einzelwerte

Metro: Der Handelsriese profitiert vom Kaufverhalten während der Coronavirus-Pandemie. Freiberufler und Gewerbetreibende, die nichts mit der Gastronomie zu tun hätten, würden die Metro-Märkte verstärkt als Einkaufsalternative nutzen. Gastronomiekunden hingegen kaufen angesichts leerer Restaurants und kürzerer Öffnungszeiten bereits weniger ein. Schwierigkeiten bei der Warenversorgung gibt es offenbar derzeit nicht. Die Aktie gewann 11,2 Prozent.

MTU: An der Dax-Spitze stand zum Handelsschluss das Papier des Triebwerkeherstellers MTU mit einem Aufschlag von 15,5 Prozent. Der Wert der Aktie hatte sich wegen der Auswirkungen der Coronakrise auf die Flugzeugbauer in den vergangenen zwei Wochen fast halbiert.

Was die Charttechnik sagt

Für die Charttechniker der Düsseldorfer Bank HSBC ist die massive Widerstandszone im Bereich von 8355 bis 8016 Punkten prädestiniert, um einen Erholungsversuch einzuleiten.

Die erste wichtige Unterstützungszone liegt bei 8255 Punkten, dem bisherigen Verlaufstief der Korrektur seit dem 17. Februar 2020. Damals erreichte der Dax mit 13.795 Punkten ein neues Rekordhoch, was angesichts der massiven Kursverluste eine Ewigkeit her zu sein scheint.
„Wenn die Nacht am schwärzesten ist, dann ist bekanntermaßen der Tag nicht mehr weit“, lautet das Motto der HSBC-Analysten. Da alle Indikatoren bereits absolute Stresssituationen signalisieren, favorisieren die Analysten eine technische Aufwärtsreaktion.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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