Dow Jones, Nasdaq, S&P 500: Neue Maßnahmen der US-Regierung helfen Wall Street
New York. Die Kurse an der Wall Street haben sich am Donnerstag nach einem schwachen Start berappelt. Ein Grund dafür war offenbar eine Pressekonferenz der US-Regierung, bei der Finanzminister Steve Mnuchin Details zur Verteilung von 500 Milliarden Dollar an die Bürger nannte.
Zudem prüft die US-Gesundheitsbehörde FDA des Einsatz eines Malaria-Mittels gegen die weltweit grassierende Lungenkrankheit Covid-19. Auch die neuesten Hilfsmaßnahmen der US-Notenbank für die heimische Wirtschaft sorgten für Beruhigung.
Der US-Leitindex Dow Jones drehte in einem volatilen Handel um etwa ein Prozent auf 20.087 Punkte ins Plus. Der technologielastige Nasdaq gab zunächst 1,4 Prozent nach, legte dann aber 2.3 Prozent auf 7151 Zähler zu. Der breit gefasste S&P 500 büßte erst rund Prozent ein Prozent ein und notierte zuletzt 0.5 Prozent fester bei 2409 Punkten.
Am Donnerstag kaufte die Fed zusätzliche Wertpapiere auf und stellte weiteren Notenbanken billige Dollar-Kredite zur Verfügung, um einen Engpass bei der Weltleitwährung zu verhindern. Diese sogenannten Swap-Kreditlinien hätten ein Volumen von insgesamt 450 Milliarden Dollar. Zu Wochenbeginn hatte die US-Notenbank Ähnliches bereits mit großen Zentralbanken wie EZB oder Bank von England (BoE) vereinbart.
„Die Fed hat in den vergangenen ein, zwei Wochen mehrfach ziemlich kühn gehandelt“, sagte Randy Frederick, Manager beim Brokerhaus Charles Schwab. „Die meisten Maßnahmen hatten nur einen kurzfristigen Effekt.“ Hoffentlich sei es diesmal anders. Schließlich beweise sie mit den jüngsten Schritten, dass sie noch Pfeile im Köcher habe. Die Notenbank hatte die Zinsen in mehreren drastischen Schritten auf fast null Prozent gesenkt und milliardenschwere Wertpapierkäufe angekündigt.
Parallel dazu äußerte sich US-Präsident Donald Trump optimistisch über eine rasche Verabschiedung des geplanten billionenschweren Konjunkturprogramms. Er stellte Hilfen vor allem für die Reisebranche in Aussicht und schloss außerdem Staatsbeteiligungen an kriselnden Unternehmen nicht aus. Die Republikaner im US-Senat feilten an den letzten Details, sagte Mitch McConnell, Mehrheitsführer dieser Kammer im US-Kongress.
Die Aussagen Trumps halfen Werten der Gaststätten-Branche. So gewannen die Aktien von McDonald's, Starbucks, Papa John's oder Chipotle bis zu 38 Prozent.
Die FDA kündigte zudem an, klinische Tests mit dem Malaria-Medikament Hydroxychloroquine zu starten, um dessen Wirksamkeit gegen Covid-19 zu untersuchen. Um eine Genehmigung für den Einsatz gegen das Coronavirus zu erhalten, würden vermutlich zwölf Monate vergehen, sagte der Chef der Behörde. „Wir sind sehr begeistert in Hinblick auf Hydroxychloroquine“, sagte Trump. „Es könnte einen sehr positiven Effekt haben. Und das Schöne daran ist: Diese Medikamente waren schon draußen. Daher wissen wir, dass diese Medikamente sicher sind, wenn die Menschen sie nehmen.“ Es müssten alle Hindernisse beseitigt werden.
Boeing erneut unter Druck
Die zuletzt arg gebeutelten Aktien von Tesla stiegen um mehr als 18 Prozent an. Zuvor hatten die Analysten von Morgan Stanley die Papiere des Elektroauto-Herstellers auf „Equal Weight“ hochgestuft.
Gefragt waren auch die Papiere von Uber. Sie stiegen um 38 Prozent. Dem Sender CNBC zufolge versicherte Firmenchef Dara Khosrowshahi Investoren, sein Unternehmen verfüge über ausreichend Finanzreserven, die Coronavirus-Krise zu überstehen.
Dank eines überraschend hohen Quartalsgewinns von 1,22 Dollar je Aktie sprangen die Titel von Guess um 124 Prozent in die Höhe. Damit notierten sie aber gerade einmal halb so hoch wie noch Mitte Februar. Die Analystin Janine Stichter von der Investmentbank Jefferies lobte die strikte Kostenkontrolle der für ihre Jeans bekannten Modefirma. Daher werde Guess die aktuellen Probleme durch die Pandemie sicher meistern.
Die Papiere von Tiffany gewannen gut 13 Prozent. Der französische Luxuskonzern LVMH überlegt Kreisen zufolge, Aktien des US-Juweliers am freien Markt aufzusammeln. LVMH hatte im November den Kauf von Tiffany beschlossen. In der Zwischenzeit waren die Papiere durch den Corona-Crash deutlich billiger geworden.
Dagegen setzten die Aktien der Fluggesellschaften Delta Air Lines und American Airlines ihren zuletzt steilen Sinkflug fort. Sie verloren 8,4 beziehungsweise 11,7 Prozent.
Abwärts ging es erneut mit dem Flugzeugbauer Boeing, der unlängst Staatshilfe für die kriselnde Branche gefordert hatte. Das Brokerhaus Cowen bezeichnete die Coronavirus-Krise als größte Bedrohung aller Zeiten für den Sektor. Boeing-Aktien fielen um mehr als vier Prozent.