Dow Jones, Nasdaq, S&P 500: Wall Street stoppt Impfstoff-Rally vorerst – Tesla-Aktie baut Vorsprung weiter aus
In der berühmten Straße befindet sich der Sitz der New York Stock Exchange.
Foto: dpaDüsseldorf. Vor dem verlängerten Wochenende in den USA gehen einige Anleger auf Nummer sicher und machen Kasse. Der US-Standardwerteindex Dow Jones fiel am Mittwoch um 0,6 Prozent auf 29.872,47 Punkte, nachdem er am Dienstag erstmals die 30.000er- Marke durchbrochen hatte. Der breit gefasste S&P 500 büßte 0,2 Prozent ein, während der technologielastige Nasdaq 0,5 Prozent zulegte. Wegen des Feiertags Thanksgiving bleibt die Wall Street am Donnerstag geschlossen und öffnet ihre Tore am Freitag nur für einen verkürzten Handel.
Die Hoffnungen auf einen Corona-Impfstoff und die zuletzt überraschend robusten US-Konjunkturdaten haben die wichtigsten Indizes der Wall Street zuletzt angetrieben. Der S&P 500 steht vor dem besten November aller Zeiten, am Dienstag knackte der Dow Jones zum ersten Mal die Marke von 30.000 Zählern. Der US-Nebenwerte-Index Russell 2000 schloss ebenfalls auf Rekordniveau.
Am Mittwoch bremsten die enttäuschenden Jobdaten die Rally allerdings schon wieder aus. Denn auf dem Arbeitsmarkt hat sich die Lage inmitten der eskalierenden Corona-Pandemie verschlechtert. In der Woche bis zum 21. November gab es 778.000 Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang auf 730.000 Anträge erwartet.
„Es gibt einige Bedenken, dass der Arbeitsmarkt einen Rückschritt macht im Vergleich zu dem Vorwärtsschritt zum Zeitpunkt der Konjunkturprogramme, die nun ausgelaufen sind und erst einmal auszubleiben scheinen“, sagte Paul Nolte, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Kingsview Investment Management.
Die Daten vermitteln einen zeitnahen Eindruck der Lage auf dem Arbeitsmarkt in der weltgrößten Volkswirtschaft. Unmittelbar vor der Corona-Pandemie hatte die Zahl der Neuanträge meist bei rund 200.000 pro Woche gelegen. Die Arbeitslosenquote war im Oktober auf 6,9 Prozent zurückgegangen. Vor der Zuspitzung der Pandemie im März hatte die Arbeitslosenquote bei niedrigen 3,5 Prozent gelegen.
S&P 500 bis Ende 2021 voraussichtlich neun Prozent im Plus
Neben den schlechten Nachrichten vom Arbeitsmarkt belastete zusätzlich die jüngste Entwicklung der Corona-Pandemie die Märkte. Denn diese ist in den USA weiterhin außer Kontrolle. Zuletzt gab es im Schnitt täglich fast 170.000 Neuinfektionen. Seit Beginn der Pandemie haben sich rund 12,6 Millionen der 330 Millionen Amerikaner mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert.
Christopher Grisanti, Chief Equity Strategist bei MAI Capital Management, sagte der Nachrichtenagentur Reuters: „Die Frage ist, wer den Kampf kurzfristig gewinnt – die Impfstoffe oder die steigenden Fallzahlen.“ Der Markt habe in den letzten Wochen „durch schlechte Nachrichten hindurchgesehen“. Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen würden dazu führen, dass sich der Markt wieder auf die kurzfristigen Schwierigkeiten konzentrierten.
Trotzdem gehen die Marktteilnehmer davon aus, dass die am Dienstag aufgestellten Rekorde nur kurz halten. Eine kürzlich von Reuters durchgeführte Umfrage ergab, dass Investoren damit rechnen, dass der S&P 500 bis Ende 2021 voraussichtlich um weitere neun Prozent zulegen wird.
Der Index hat seit dem Coronacrash bereits mehr als 60 Prozent zugelegt und profitierte zuletzt davon, dass Anleger in zyklische Sektoren wie Industrie und Energie zurückkehren, die am meisten von einer wirtschaftlichen Erholung profitieren dürften. Auf Jahressicht liegt der S&P 500 mehr als zwölf Prozent im Plus.
Blick auf die Einzelwerte
Tesla: Der geplante Einzug von Tesla in den US-Leitindex S&P 500 elektrisiert Anleger. Die Aktien des Elektroauto-Pioniers bauten ihrem Vorsprung als meist gehandelter Wert an der Wall Street seither noch aus. Die Ankündigung setze viele Fondsmanager unter Druck zusätzliche Tesla-Anteile zu kaufen, sagte Sahak Manuelian, Chef-Händler des Brokerhauses Wedbush. Aber auch viele Privatanleger greifen zu.
Dem Datenanbieter Refinitiv zufolge wechselten in den vergangenen Tagen im Schnitt Tesla-Titel im Volumen von rund 26 Milliarden Dollar den Besitzer. Das sind fast acht Prozent aller an der Wall Street gehandelten Papiere und mehr als mit Aktien von Amazon und Apple zusammengenommen.
Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs von Tesla fast versiebenfacht. Am Mittwoch markierte er bei 572,50 Dollar den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch. Mit einer Marktkapitalisierung von 541 Milliarden Dollar ist das Unternehmen an der Börse rund fünf Mal so viel Wert wie Volkswagen.
Rohstoffe: Rohstoff-Anleger ließen sich von der schlechten Stimmung nicht beirren. Der Preis für die US-Sorte WTI stieg zeitweise um zwei Prozent und lag mit 46,26 Euro so hoch wie zuletzt vor neun Monaten. Auftrieb erhielten die Kurse neben den Impfstoff-Hoffnungen von der Erwartung, dass das Exportkartell Opec+ seine aktuellen Erdöl-Förderbeschränkungen verlängern werde, sagte Bjornar Tonhaugen, Chef des Ölgeschäfts beim Brokerhaus Rystad.
Kupfer: Das Industriemetall Kupfer war mit 7360 Dollar je Tonne so teuer wie zuletzt vor sieben Jahren. Die Wahl von Joe Biden zum neuen US-Präsidenten bedeutete mehr und längerfristige staatliche Konjunkturprogramme, sagte Analyst John Meyer vom Vermögensberater SP Angel. Außerdem habe der weltgrößte Abnehmer China neue Infrastruktur-Projekte angekündigt.
Slack/Salesforce: Am US-Aktienmarkt rückte Slack ins Rampenlicht. Einem Insider zufolge will der SAP-Rivale Salesforce den Anbieter eines Bürochat-Dienstes übernehmen. Slack-Papiere verteuerten sich daraufhin in der Spitze um fast 40 Prozent auf 40,99 Dollar, so stark wie noch nie. Salesforce-Titel rutschten um mehr als fünf Prozent ab.
Nikola: Aus den Depots flogen außerdem die Papiere von Nikola, die zeitweise mehr als 17 Prozent einbüßten. Konzernchef Mark Russell gelang es in einem TV-Interview nicht, Zweifel am geplanten Einstieg von General Motors (GM) bei dem Elektrolastwagen-Bauer zu zerstreuen. Auch konnte er die Spekulationen auf einen bevorstehenden Verkauf von Firmenanteilen durch Gründer Trevor Milton nicht beenden..
Gap: Enttäuschende Geschäftszahlen setzten dem Mode-Einzelhändler zu. Die Papiere brachen zeitweise um fast 21 Prozent ein.
Deere: Deere-Titel büßten ungeachtet eines guten Ausblicks knapp zwei Prozent ein. Der Landwirtschaftsmaschinen-Hersteller äußerte sich optimistisch zum kommenden Jahr. Allerdings ist die Aktie seit Jahresbeginn auch schon um 50 Prozent gestiegen.
Bitcoin: Aufwärts ging es auch für Bitcoin. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise stieg um bis zu drei Prozent auf ein Drei-Jahres-Hoch von 19.510 Dollar und lag damit nur noch etwa 2,5 Prozent unter ihrem Rekordhoch. „Die Anleger befinden sich nach wie vor im Gipfelfieber und lechzen nach neuen Rekordständen“, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.
Moderna: Für Aktien von Moderna ging es um fast elf Prozent auf ein Rekordhoch empor. Das Unternehmen will die Lieferung seines Corona-Impfstoffs an die Europäische Union womöglich schon im Dezember starten - vorausgesetzt, das Mittel erhält eine Zulassung.
Dell: Dass sich der Computerkonzern Dell dank der Corona-Krise im dritten Quartal besser als erwartet geschlagen hat, half den gut gelaufenen Aktien nicht: Sie verloren 1,4 Prozent und zollten so ihrem Anstieg von mehr als einem Drittel seit Jahresbeginn Tribut. Goldman-Analyst Rod Hall verwies zudem auf den verhaltenen Ausblick auf das Schlussquartal sowie die unsicheren Rahmenbedingungen für die Nachfrage.
Hewlett Packard: Für die Papiere des Informationstechnik-Unternehmens Hewlett Packard Enterprise ging es trotz guter Zahlen und des angehobenen Ausblicks nach der Erholung der vergangenen Wochen um rund zweieinhalb Prozent nach unten.
HP Inc: Dagegen schafften die Aktien des PC- und Druckerherstellers HP Inc ein Plus von 2,3 Prozent. Er übertraf mit seinem bereinigten Quartalsergebnis je Aktie (EPS) die Konsensschätzung.
Mit Agenturmaterial