Dow Jones, S&P 500, Nasdaq: Wall Street schließt nach Fed-Protokollen im Plus – Aktie von Kraft Heinz gewinnt fünf Prozent
Die Stimmung an der Wall Street ist wieder freundlicher.
Foto: APDüsseldorf. Nach dem mit Spannung erwarteten Protokoll der jüngsten Notenbank-Sitzung haben die US-Börsen am Mittwoch Verluste größtenteils wettmachen können. Der Dow Jones Industrial, der vor der Veröffentlichung der sogenannten Minutes noch mit knapp einem Prozent im Minus gelegen hatte, schloss am Ende 0,16 Prozent im Minus bei 34.934 Punkten. Das Fed-Protokoll habe die ohnehin hohen Erwartungen in puncto Zinserhöhungen an den Märkten nicht noch befeuert, sagte ein Börsianer.
Die US-Notenbank Fed steht ganz offensichtlich vor einer ersten Zinsanhebung in der Corona-Pandemie. Es sei bald angebracht, den an der Nulllinie liegenden Leitzins anzuheben, heißt es in dem Protokoll. Zur Begründung wird auf die hohe Inflation verwiesen, die derzeit klar über dem Zielwert der Fed von zwei Prozent liegt. Außerdem nennt die Notenbank künftige Inflationsrisiken und den robusten Arbeitsmarkt als Gründe für steigende Zinsen.
Der marktbreite S&P 500 schloss 0,09 Prozent höher auf 4475 Punkten. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 0,12 Prozent auf 14604 Zähler nach unten.
Im frühen Handel hatte der Ukraine-Konflikt die US-Börsen belastet. Die Erleichterung an der Wall Street über Signale der Entspannung in dem Konflikt hat sich schon wieder verflüchtigt. So setzt nach Erkenntnissen der Nato Russland seinen Truppenaufmarsch im Grenzgebiet zur Ukraine entgegen anderer Ankündigungen fort. Auch die US-Regierung sieht bislang keine Anzeichen für ein Ende des russischen Truppenaufmarsches an der Grenze zur Ukraine.
Die Aktien von Kraft Heinz setzten sich mit einem Aufschlag von 5,6 Prozent an die Spitze des S&P 500. Der Lebensmittelhersteller hat im Schlussquartal 2021 mit höheren Preisen für seine Produkte steigende Kosten mehr als ausgeglichen.
Ein Kursdesaster erlebten dagegen die Papiere von ViacomCBS, sie brachen um fast 18 Prozent ein. Zwar ist die Mediengruppe im Streaming-Geschäft zuletzt stark gewachsen. Die Investitionen für dieses Wachstum drücken aber auf die Ergebnisse.
Der Halbleiterhersteller Analog Devices berichtete für das erste Geschäftsquartal zwar einen Ergebnisrückgang, schnitt aber dennoch besser ab als erwartet. Der Kurs rückte um knapp vier Prozent vor.
Das Fed-Protokoll belastet den US-Dollar und stützte den Euro. Die Gemeinschaftswährung notierte im späten US-Handel bei 1,1381 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1372 (Dienstag: 1,1345) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8794 (0,8815) Euro gekostet.
Am US-Rentenmarkt legten die Notierungen nach dem Fed-Protokoll leicht zu. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) stieg um 0,17 Prozent auf 125,95 Punkte. Die Rendite für zehnjährige Staatspapiere gab im Gegenzug auf 2,03 Prozent moderat nach.
Ölpreis zieht deutlich an
Der ukrainische Geheimdienst hat Verteidigungsminister Oleksij Resnikow zufolge keinen Beleg für einen Abzug russischer Truppen aus der Grenzregion. Dies gehe aus dem jüngsten Geheimdienstbericht vom Mittwoch hervor, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Vermutlich würde ein Abzug aus einer Region ohnehin nur bedeuten, dass die Truppen in eine andere nahe der Ukraine verlegt werden.
Die Ölpreise zogen vor diesem Hintergrund wieder an: Die US-Sorte WTI verteuerte sich um 2,3 Prozent auf 94,22 Dollar je Barrel (159 Liter). Auch die Aktien von Ölkonzernen wie Exxon und Chevron stiegen um bis zu ein Prozent.
„Das Angebot bleibt extrem knapp und der Preis ist schon vor dieser Krise gestiegen“, sagte Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. „Die Entspannung hat den Marsch in Richtung der Marke von 100 Dollar wohl nur verzögert.“
Für das Problem des Angebotsengpasses gebe es keine schnelle Lösung, warnte Opec-Präsident Mohammad Barkindo. Einige Exportstaaten könnten ihre Produktion derzeit nicht erhöhen, da sie in den vergangenen Jahren zu wenig in die Förderanlagen investiert hätten.
Weitere Einzelwerte
Shopify: Die Warnung vor einem verlangsamten Wachstum brockte Shopify den größten Kurssturz seit zwei Jahren ein. Die Aktien des E-Commerce-Spezialisten fielen um gut 17 Prozent. Der von der Coronavirus-Pandemie befeuerte Boom des Online-Handels werde 2022 nachlassen, prognostiziert das Unternehmen. Daher werde das Umsatzwachstum hinter dem 57-prozentigen Plus des vergangenen Jahres zurückbleiben. Er gehe aber davon aus, dass Shopify wie zuletzt auch überdurchschnittlich zulegen werde, schreibt Analyst Martin Toner von der Investmentbank ATB.
Kraft Heinz: Ein durch Preiserhöhungen getriebenes Quartalsergebnis über Markterwartungen bescherte Kraft Heinz den größten Kurssprung seit zwei Jahren. Die Aktien des Anbieters von Tomatenketchup und „Philadelphia“-Streichkäse stiegen um gut 5,5 Prozent. Kraft Heinz komme mit den steigenden Kosten besser klar als gedacht, lobt Analyst John Boylan vom Anlageberater Edward Jones.
Wynn Resorts: Ein überraschend hoher Quartalsverlust überschattete bei Wynn einen Umsatzsprung. Die Aktien des Kasino-Betreibers fielen um 2,1 Prozent auf 93,83 Dollar. Das Unternehmen machte den Angaben zufolge bei einem Umsatz von 1,05 Milliarden Dollar einen Verlust von 1,37 Dollar je Aktie. Das Geschäft in der chinesischen Glücksspiel-Hochburg Macau laufe aber besser als erwartet und in Las Vegas bleibe die Nachfrage hoch, schreibt Analyst Dan Wasiolek vom Research-Haus Morningstar. Er halte die Papiere für unterbewertet.
Airbnb: Ein optimistischer Ausblick auf das laufende Quartal ermunterte Anleger zum Einstieg bei dem Papier. Die Aktien des Zimmer-Vermittlers steigen an der Wall Street um 3,3 Prozent. Umsatz und Gewinn des
Unternehmens würden dank eine anhaltend hohen Nachfrage sicher weiterhin steigen, kommentiert Analyst Dan Wasiolek vom Research-Haus Morningstar. Vieles davon sei allerdings bereits im Aktienkurs enthalten.
Roblox: Enttäuschende Quartalsergebnisse brockten Roblox den größten Kurssturz seit dem Börsengang vor gut einem Jahr ein. Die Aktien der Videospiele-Plattform fielen um fast 26 Prozent. Der Verlust fiel mit 0,25 Dollar je Aktie etwa doppelt so hoch aus wie erwartet. Gleichzeitig deuteten die Abkühlung des Geschäfts im Januar und die Aussagen des Unternehmens darauf hin, dass sich das Wachstum frühestens im zweiten Quartal wieder beschleunigen werde, monieren die Analysten des Brokerhauses Stifel, Nicolaus & Co. .
La-Z-Boy: Die Aktien des Anbieters von Polstermöbeln steuern an der Wall Street mit einem Minus von fast 17 Prozent auf den größten Tagesverlust seit viereinhalb Jahren zu. Der Gewinn des Unternehmens fiel im abgelaufenen Quartal mit 0,65 Dollar je Aktie etwa ein Viertel niedriger aus als erwartet. Der Grund hierfür seien unter anderem Engpässe bei Zulieferteilen und Pandemie-bedingt hohe Krankenstände in der Belegschaft.
Meta: Die geplante Verschärfung des Datenschutzes bei Smartphones mit Googles Betriebssystem Android setzte Meta zu. Die Aktien der Facebook-Mutter gaben zeitweise um vier Prozent nach auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 212,36 Dollar. Google zufolge soll die Nachverfolgung von Nutzern über mehrere Apps hinweg ab 2024 eingeschränkt werden. Ähnliche Maßnahmen bei Apples iPhones kosten Meta nach eigenen Angaben im laufenden Jahr Werbeeinnahmen im Volumen von zehn Milliarden Dollar.
Preferred Apartments: Die 5,8 Milliarden Dollar schwere Übernahmeofferte des Finanzinvestors Blackstone hievte Preferred Apartments auf ein Rekordhoch. Die Aktien der Immobilienfirma zogen um gut zehn Prozent an auf 25,31 Dollar. Blackstone bietet 25 Dollar je Aktie.
MyTheresa: Starke Quartalsergebnisse und angehobene Gesamtjahresziele bescheren MyTheresa den größten Kurssprung seit dem Börsengang vor rund einem Jahr. Die Aktien des Luxusmode-Händlers stiegen um fast 21 Prozent. Die Omikron-Variante des Coronavirus habe keinen offensichtlichen Effekt auf das Deutschland-Geschäft, schreibt Analyst Flavio Cereda von der Investmentbank Jefferies. Das Unternehmen könne der Konkurrenz Marktanteile abjagen.