Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Arbeitsrecht Muss ich trotz Hochwasserschäden zur Arbeit? Das müssen Angestellte nun wissen

Gleise und Straßen sind auch Tage nach den Unwettern schwer beschädigt. Wer in dieser Situation zur Arbeit muss – und wer nicht.
21.07.2021 - 11:56 Uhr Kommentieren
Auch nach Unwettern müssen Arbeitnehmer pünktlich im Betrieb erscheinen.
Gesperrte Bahnstrecke in Rheinland-Pfalz

Auch nach Unwettern müssen Arbeitnehmer pünktlich im Betrieb erscheinen.

Die Folgen der Unwetter mit Dauerregen und Hochwasser sind in weiten Teilen Deutschlands immer noch spür- und sichtbar. In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind ganze Landstriche verwüstet. Auch Teile Bayerns und Sachsens sind schwer getroffen.

So heftig die Auswirkungen von Tief „Bernd“ sind: Viele Menschen müssen dennoch wieder regulär zur Arbeit. Das wird zum Problem, wenn Straßen nicht mehr befahrbar sind oder Gleisschäden das Pendeln erschweren. Zudem wird der Arbeitsalltag zur Belastungsprobe, wenn Betroffene durch die Katastrophe Menschen verloren haben oder das eigene Hab und Gut stark beschädigt sind.

Generell gilt: Auch bei Unwetter müssen Arbeitnehmer ihrer Arbeit nachgehen – und, wenn verlangt, auch vor Ort pünktlich im Büro auftauchen. Tun Arbeitnehmer das nicht, droht im schlimmsten Fall eine Abmahnung oder Kündigung. Doch Extremlagen wie das aktuelle Hochwasser ermöglichen Ausnahmen. Was derzeit gilt:

Darf ich zu Hause bleiben, um Wasserschäden einzudämmen?

Ja. Bei Notlagen im eigenen Haushalt können Arbeitnehmer ihrer Arbeit fernbleiben. §616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs regelt, dass Angestellte für eine „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ einen Anspruch auf Freistellung haben. Der Hamburger Arbeitsrechtler Pascal Verma geht dabei von einer Arbeitswoche aus. „In besonderen Einzelfällen kann dieser Zeitraum auch länger sein.“ Betroffene sollten in jedem Fall ihren Vorgesetzten rasch informieren und auf dem Laufenden halten, wie die Aufräumarbeiten vorankommen.

Wird die Zeit bezahlt, in der ich Schäden eindämme und repariere?

Ja. Gesetzlich haben Arbeitnehmer Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Extremlagen wie Hochwasser im eigenen Haus. Allerdings schließen einige Arbeitsverträge den §616 BGB aus. Dann besteht kein Anspruch auf Lohn für die Tage.

Meine Firma ist vom Hochwasser betroffen: Bekomme ich weiterhin Lohn?

Ja. Kann ein Betrieb nicht öffnen oder die Produktion aufrechterhalten, greift laut Verma das sogenannte Betriebsrisiko. Das heißt: „Der Arbeitgeber kann die Arbeitnehmer nicht einsetzen, muss sie aber trotzdem bezahlen.“ Das gilt so lange, bis der Betrieb wieder geöffnet werden kann.

Meine Pendelstrecke ist unbefahrbar: Muss ich zur Arbeit?

Auch hier ein: Ja. Sofern Arbeitnehmer nicht selbst von den Auswirkungen des Hochwassers betroffen sind, müssen sie pünktlich zur Arbeit erscheinen. Kann der Angestellte wegen der Verkehrslage nicht zur Arbeit kommen, trägt er das sogenannte Wegerisiko. Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht nicht.

Juristen sagen, dass Arbeitnehmer alles Zumutbare unternehmen müssen, um pünktlich anzukommen – zum Beispiel früher aufstehen. Bei Angestellten, die Gleitzeit haben, ist die Verspätung weniger problematisch – sie können die versäumte Zeit einfach nachholen.

Der Arbeit fernbleiben sollte man nur nach vorheriger Absprache mit dem Vorgesetzten.

Kann ich nicht einfach im Homeoffice arbeiten?

Nicht ohne Rücksprache. Arbeitnehmer haben kein Recht, einfach zu Hause zu bleiben, denn hierzulande gibt es kein gesetzlich verankertes Recht auf Heimarbeit. Auch die pandemiebedingte Homeofficepflicht gilt seit 1. Juli nicht mehr. Arbeitsrechtler empfehlen Angestellten, ein klärendes Gespräch mit dem Chef zu suchen, wenn Homeoffice in der aktuellen Lage möglich ist.

Die Schule oder Kita meines Kindes ist vom Hochwasser betroffen: Darf ich zu Hause bleiben?

Wenn die Betreuung unzumutbar ist – wie nach einem Hochwasser -, haben Eltern auch hier über §616 BGB Anspruch auf Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld. Das Kinderkrankengeld beträgt in der Regel 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts.
Im Zuge der Coronakrise hat die Bundesregierung die Kinderkrankentage für das Jahr 2021 aufgestockt – auf 30 statt 20 Arbeitstage pro Elternpaar. Bei Alleinerziehenden ist der Anspruch der Kinderkrankentage doppelt so hoch, also maximal 60 Tage im Jahr. Voraussetzung: Das Kind ist jünger als zwölf Jahre.

Das Kinderkrankengeld können Eltern bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse beantragen. Wer privat versichert ist, hat keinen Anspruch.

Mehr: Gerissene Leitungen, unterspülte Gleise, kaputte Straßen: So kämpft die deutsche Wirtschaft mit den Flut-Folgen.

  • lab
  • misc
Startseite
0 Kommentare zu "Arbeitsrecht: Muss ich trotz Hochwasserschäden zur Arbeit? Das müssen Angestellte nun wissen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%