Interview: Ex-Offizier evakuiert Expats: „Wir sehen einen Run auf Flugtickets nach Istanbul“
Der Security-Experte von International SOS informiert Manager auf Auslandseinsatz im Krisenfall.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Wolfgang Hofmann ist derzeit ein gefragter Mann. Der ehemalige Bundeswehroffizier arbeitet als Sicherheitsexperte bei International SOS in Neu-Isenburg. Das Dienstleistungsunternehmen mit rund 11.000 Mitarbeitern und insgesamt 26 Lagezentren informiert Geschäftsreisende weltweit und rund um die Uhr über drohende Gesundheits- oder Sicherheitsrisiken.
Zu den Kunden zählen Dax-Konzerne und Mittelständler, aber auch Non-Profit-Organisationen. Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine hat International SOS in den letzten Tagen rund 60 Anfragen bearbeitet, Tendenz weiter steigend.
Herr Hofmann, Sie evakuieren Expats auch aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine. Womit haben Sie gerade am meisten zu tun?
Interessanterweise mit Ausreisen aus Russland. Grund ist die Empfehlung des Auswärtigen Amts das Land zu verlassen. Da erreichen uns täglich etwa ein dutzend Anfragen aus allen Branchen.
Wie genau helfen Sie dann?
Wir beraten unsere Mitgliedsunternehmen dazu, ob und wie ihr Personal evakuiert werden muss. Dazu gibt es bei uns einen Fünf-Stufenplan. Für Russland empfehlen wir derzeit die Ausreise für Angestellte, die mit einem erhöhten individuellen Risiko belegt sind. Zum Beispiel, weil sie sich stark pro Ukraine engagiert haben. Eine generelle Empfehlung zum Verlassen Russlands haben wir noch nicht ausgesprochen. Schließlich ist es etwas anderes, ob unsere Kunden in Moskau beziehungsweise im Grenzgebiet zur Ukraine tätig sind, oder in einem Werk im fernen Ural.