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Gastkommentar Das Virus muss gestoppt werden, ohne dass unser Wirtschaftssystem kollabiert

Die Maßnahmen gegen das Coronavirus sind angelaufen. Doch wir müssen jetzt schon langfristig denken, wenn wir große Teile der Wirtschaft nicht zerstören wollen.
06.04.2020 - 11:30 Uhr 3 Kommentare
Der Autor ist CEO der Boston Consulting Group.
Rich Lesser

Der Autor ist CEO der Boston Consulting Group.

Wir befinden uns mitten in einer beispiellosen Krise: Aus einer Gesundheitskrise hat sich innerhalb kurzer Zeit eine Wirtschaftskrise entwickelt, die uns jetzt auch vor massive finanzpolitische Herausforderungen stellt. Der Frühling beginnt zwar, aber alle haben wir das Gefühl, inmitten eines langen und harten Winters zu stehen.

Wir alle kennen die Grafiken, die den Infektionsverlauf von Covid-19 zeigen. In den nächsten 30 bis 90 Tagen ist die größte Herausforderung, diese Infektionskurve so weit abzuflachen, dass sie für das Gesundheitswesen zu bewältigen ist.

Eines der wichtigsten Mittel ist soziale Distanz – mit weitreichenden Maßnahmen: Schulen sind geschlossen, Menschen arbeiten von zu Hause, Reisen wurden abgesagt, Geschäfte ohne Systemrelevanz sind zu. Diese Einschnitte sind schmerzlich. Von alten Menschen, die vereinsamen, bis hin zu großen wirtschaftlichen Schäden. Aber wir haben kurzfristig keine andere Wahl.

Um es direkt zu sagen: Ich glaube daran, dass wir es bis zu einem gewissen Grad tatsächlich schaffen werden, die Kurve der Infektionen abzuflachen. Doch damit ist das Problem nicht langfristig gelöst. Bereits der Shutdown über ein bis drei Monate verursacht enorme wirtschaftliche Schäden – diese sind wahrscheinlich noch zu bewältigen, insbesondere in reicheren Ländern.

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    Die Kosten für einen zwölfmonatigen Zustand wie diesen sind aber kaum zu ermessen. In ein bis drei Monaten nach Beginn des Shutdowns stehen wir vor einer noch größeren Frage, mit der wir uns schon jetzt beschäftigen sollten: Wie schaffen wir es, die Kurve nachhaltig abzuflachen, ohne Gesellschaft und Wirtschaft massiv zuzusetzen?

    Vollkommen klar: Wir müssen die Ausbreitung des Virus begrenzen. Aber können wir es verkraften, wenn ganze Branchen, Finanzmärkte und die öffentlichen Kassen kollabieren?

    Schon sehr bald müssen wir uns darauf fokussieren, die Kurve auf lange Sicht flachzuhalten, ohne dabei große Teile unserer Wirtschaft zu zerstören. Mögliche Lösungen gibt es. Doch wir sollten sofort damit beginnen, sie praxistauglich zu machen. Dafür gilt es, vor allem auf sechs Feldern zu arbeiten:

    Vorsorge

    Wir müssen die Testverfahren im großen Stil ausweiten und beschleunigen, mehr medizinisches Material und Schutzausrüstungen zur Verfügung stellen und Behandlungskapazitäten ausbauen. Wir sollten zudem in digitale Tools investieren, die Menschen helfen zu entscheiden, ob sie medizinische Hilfe brauchen oder ob Selbstquarantäne ausreicht.

    Soziale Distanz

    Ziel sollte es sein, die meisten Menschen idealerweise innerhalb der nächsten drei Monate wieder in den Alltag zu bringen. Zusätzlich zu erweiterten Hygienepraktiken und Schutzmaßnahmen wird es wahrscheinlich auch eine Risikoschichtung geben müssen. Mithilfe sorgfältiger epidemiologischer Untersuchungen und moderner Analysetechniken ließen sich Methoden zur Risikoabwägung entwickeln.

    Weniger gefährdete Personen könnten dann wieder arbeiten, und das Risiko für sie und die Gesellschaft könnte man verantwortungsvoll verringern. Das wird nicht einfach umzusetzen sein, ist aber ein wichtiger Faktor, um die Wirtschaft wieder hochzufahren, ohne die Gesundheitssysteme zu überlasten.

    Alltag

    Wir müssen den Einsatz digitaler Technologien beschleunigen, um das Arbeiten von zu Hause zu erleichtern. Darüber hinaus müssen wir uns auf einen umständlicheren Alltag einrichten – neben der umfangreichen Ausweitung von Tests heißt das auch, häufiger die Temperatur zu messen, bevor Menschen öffentliche Orte betreten. Darüber hinaus sollten wir in den nächsten Monaten intensiv an einem Antikörpertest arbeiten, um feststellen zu können, ob Menschen immun geworden sind.

    Rechtliche Rahmenbedingungen

    Wir sollten Organisationen und Arbeitgebern das Recht einräumen, ihr Geschäft ebenso wie Arbeitnehmer, Kunden, Studenten und Schüler durch Tests zu schützen. Gleichzeitig braucht es für sie eine Verpflichtung, gefährdete Personen anzuhalten, zu Hause zu bleiben. Arbeitnehmer und Eltern sollten unterstützt werden, wenn sie oder Familienangehörige erkranken.

    Innovationen

    Wie brauchen vielfältige Innovationen – Diagnoseverfahren, virenhemmende Medikamente und Impfstoffe. Finanzielle Zusicherungen an Forschungseinrichtungen und -unternehmen sollten daran gekoppelt sein, dass die Ergebnisse geteilt werden.

    Kommunikation

    Wir brauchen eine konsequente, kohärente und geeinte Führung, die die Gesellschaft zusammenhält. Die Menschen brauchen Informationen, wie sie sicher reisen und arbeiten können, wie sie soziale Interaktionen umsichtiger gestalten und wie sie gefährdete Bevölkerungsgruppen unterstützen können – allen voran die Älteren.

    In normalen Zeiten würden wir Jahre brauchen, um auch nur einige dieser Optionen zu diskutieren. Aber wir haben nicht so viel Zeit. Die beschriebenen Ansätze sind sowohl technisch als auch gesellschaftlich und politisch anspruchsvoll. Für die Wirtschaft, die Lebensgrundlage von Millionen Menschen, und die Gesundheit unserer Gesellschaft müssen wir diesen Weg aber jetzt gehen. Denn der Winter wird wiederkommen – und wir sollten vorbereitet sein.

    Mehr: Der Chef der Boston Consulting Group spricht über die Lage der US-Wirtschaft und Europas Stärken, moderne Führung und sein Engagement in Saudi-Arabien.

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    3 Kommentare zu "Gastkommentar: Das Virus muss gestoppt werden, ohne dass unser Wirtschaftssystem kollabiert"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Man sollte aufhören die Wirtschaft kaputt zu schreiben oder zu reden.
      Jeder sagt, so etwas kennen wir nicht, haben wir noch nie erlebt usw..

      Aber eines wollen einige Finanzjongleure schon jetzt aber bereits schon zu wissen,:
      wenn es so weiter geht, zerstören wir die Wirtschaft.
      Ist H. Lesser auch so ein "Schlaumeier"?. Lieber tausende Tote zusätzlich, Hauptsache der Dollar rollt.

      Herr Lesser kann ja mal nach Big Aplle umsiedeln.

    • "Das Virus muss gestoppt werden, ohne dass unser Wirtschaftssystem kollabiert."

      Dafür ist es möglicherweise bereits zu spät. Man hätte handeln müssen, bevor das Zeitfenster geschlossen war. Jetzt hat man nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera:
      weitgehender Wirtschaftsstillstand und dafür weniger Todesopfer oder kein Lockdown und dafür möglicherweise sehr, sehr viele Todesopfer.

    • Ein Gastkommentar muss nicht die Meinung des Mediums widerspiegeln. Aber es sollte der Qualität angemessen sein. Diesen Kommentar hätte leicht auch ein Gymnasiast verfertigen können. Mein ehemalige Deutschlehrer hätte darunter geschrieben: Dünnbrett.

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