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Gastkommentar Händler brauchen nun gezielt Hilfe

Um einen geordneten Weg in die neue Normalität zu finden, bedarf es eines Dreiklangs an Maßnahmen. Andernfalls droht ein flächendeckendes Ladensterben.
  • Josef Sanktjohanser
03.05.2020 - 15:21 Uhr Kommentieren
Josef Sanktjohanser ist Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE). Quelle: HC Plambeck
Der Autor

Josef Sanktjohanser ist Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE).

(Foto: HC Plambeck)

Die Coronakrise können wir nur überwinden, wenn wir als Gesellschaft in Solidarität zusammenstehen, Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Sozialpartner und jeder einzelne Bürger.

Die Prinzipien von Verhältnismäßigkeit und Angemessenheit für die derzeit äußerst schwierigen politischen Abwägungen gelten unverändert. Hier habe ich weiterhin großes Vertrauen in unseren Staat.

Als erste Konsequenz der Maßnahmen beobachten wir für unsere Branche einen massiven Einbruch des privaten Konsums. Die Kunden werden auch weiterhin ausbleiben, solange die Beschränkungen andauern.

Insofern stehen wir erst am Anfang der Krise. Für große Teile des Handels als drittgrößte Branche in Deutschland mit über drei Millionen Beschäftigten besteht eine existenzielle Bedrohung, und wir alle sehen die Ausdehnung auf unsere gesamte Volkswirtschaft mit größter Sorge.

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    Die verlorenen Umsätze durch die Ladenschließungen im Non-Food-Bereich belaufen sich auf 1,15 Milliarden Euro pro Tag! Unsere lebenswerten Zentren in Stadt und Land sind seit jeher die Mittelpunkte von gesellschaftlichem Miteinander, von Handel, Gastronomie und Kultur.

    Wir laufen große Gefahr, dass Traditionshäuser, die unsere Innenstädte seit vielen Jahrzehnten prägen, in die Insolvenz gehen. Für viele kleine und mittlere Händler bedeuten die Zahlungen der nächsten Warenrechnung und Miete womöglich den Anfang vom Ende.

    Gezielte Hilfe

    Das jüngste HDE-Konsumbarometer zeigt mit Blick auf den März und April den Absturz der Konsumbereitschaft, ein dramatisches Vorzeichen, weshalb wir uns jetzt klug und besonnen mit der Zeit nach dem Lockdown auseinandersetzen müssen. Ich habe drei sehr konkrete Anliegen, die als Elemente für einen Startschuss in Richtung eines neuen Aufschwungs wirken können.

    Es wird lange dauern, bis die Kundenfrequenz in den über mehrere Wochen geschlossenen Geschäften wieder das Niveau von vor der Krise erreichen wird. Händler, die jetzt ihre Geschäfte wieder öffnen, müssen diese schwierige Phase überbrücken. Dabei brauchen sie gezielte Hilfe.

    Mir schwebt ein branchenübergreifender „Hilfsfonds Lockdown“ vor, der all den Unternehmen zugutekommt, die durch behördliche Auflagen Corona-bedingt schließen mussten oder erhebliche Umsatzeinbußen haben. Ihnen sollte für eine begrenzte Zeit des Wiedereinstiegs ein Teil der anfallenden Kosten ersetzt werden.

    Die Maßnahmen, die auf das reine Überleben unserer Unternehmen ausgerichtet sind, werden aber nicht reichen. Wir werden zusätzlich eine Initialzündung für die private Konsumnachfrage benötigen, damit der Wiedereinstieg möglichst dynamisch verläuft, die Innenstädte sich wieder füllen und die deutsche Wirtschaft schnellstmöglich wieder Fahrt aufnimmt.

    Coronaschecks in Höhe von 500 Euro je Einwohner setzen hier an. Diese Maßnahme sollte greifen, sobald die Infektionsrisiken durch das Coronavirus beherrschbar geworden sind und sich weite Teile der Wirtschaft auf die Rückkehr zur Normalität vorbereiten.

    Eine derartige staatliche Konsumförderung würde für alle Wirtschaftsbereiche, die wie Handel, Gastronomie und Touristik essenziell von der privaten Nachfrage abhängen, einen Impuls von bis zu 40 Milliarden Euro bedeuten und durch Multiplikator-Effekte weit darüber hinauswirken.

    Das solidarische Miteinander der Sozialpartner hat uns die Finanzkrise 2008 einigermaßen glimpflich überstehen lassen. Bei Verdi erleben wir leider in dieser Krise, in der unsere Händler ums Überleben kämpfen, nicht die unbedingte Bereitschaft des Zusammenstehens.

    Wir sind mit der völlig überzogenen Forderung nach einer pauschalen Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch die Arbeitgeber konfrontiert, die für viele Mittelständler schlicht nicht leistbar ist.

    Mein dringlicher Appell: Lassen Sie uns als Sozialpartner endlich gemeinsam Wege finden, die Tarifverträge zu modernisieren und mit praktikablen Härtefall- und Öffnungsklauseln wieder für mehr Tarifbindung im Einzelhandel zu werben.

    Den Blick nach vorn gerichtet, bin ich zuversichtlich, dass es im Dreiklang mit einem „Hilfsfonds Lockdown“, einem staatlich induzierten Konsumimpuls und einer verantwortungsbewussten Sozialpartnerschaft gelingen kann, einen geordneten Weg in die — ohne Zweifel neue — Normalität zu finden.

    Gelingt uns das nicht, wird ein flächendeckendes Ladensterben zur Verödung des Wirtschaftsstandorts Innenstadt führen. Es muss allen klar sein, dass wir zusätzlich zu den wirtschaftlichen auch soziale Verwerfungen riskieren und damit eine dramatische Verschärfung der Lage.

    Mehr: Kardinal Marx: „Je ungleicher eine Gesellschaft ist, desto instabiler ist sie“.

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