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Gastkommentar Nach der Coronakrise braucht es das Wirtschaftswunder 2.0

Wie einst bei Ludwig Erhard gehört die Zukunft auch jetzt wieder Unternehmern und Machern. Diese sieben Handlungsfelder gilt es anzupacken.
25.05.2020 - 10:57 Uhr 1 Kommentar
Der Autor war Telekom-Vorstand und ist bildungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.
Thomas Sattelberger

Der Autor war Telekom-Vorstand und ist bildungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.

Ein Virus reißt die Weltwirtschaft in eine Jahrhundertkrise. Schon vor dieser Krise stand die Rezession vor der Tür, hatte Deutschland die niedrigste Innovatorenquote seit Beginn der KfW-Analysen 2002, erlebten Tausende Zombie-Unternehmen Scheinblüte wegen Niedrigstzinspolitik. Schon vor dieser Krise mangelte es der Automobilbranche an Transformation und der Gründerszene an Skalierung.

Corona ist Brandbeschleuniger und Katalysator zugleich. Gewinner sind Digitalfirmen wie Amazon, Zoom und Alibaba. Und Volkswirtschaften mit digitalem Spielbein. Deutschland jedoch leidet unter den Versäumnissen der Vergangenheit. Wir müssen radikal neu denken. Back to normal ist vorbei.

Ein solcher Sprung nach vorn muss Menschen emotional gewinnen. Ein Narrativ à la Wirtschaftswunder 2.0 ist jetzt nötig. Die Post-Corona-Trümmer sind unsichtbar. 1945 waren Millionen Menschenleben und viele Städte zerstört. Aber Schlüsselindustrien und Korporatismus bestanden fort.

Heute ist es umgekehrt. Industrien sind in Disruption, urbane Vitalität ist es nicht. Unsere Wirtschaft steht zudem vor einem doppelten Wendepunkt: Wir müssen die Gesundung meistern und zusätzlich den Übergang vom Industrieparadigma zur digitalisierten Netzökonomie.

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    Wie einst bei Ludwig Erhards Wirtschaftswunder gehört die Zukunft wieder Unternehmern, Machern, Gründern. Frauen wie Männern. Nur dass sie heutzutage neues Wachstum in innovativen Ökosystemen schaffen müssen.

    Sieben Handlungsfelder gilt es anzupacken:

    1. Deep-Tech-Republik Deutschland. Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz, Biotech, Raumfahrt: unsere Zukunftsbranchen. Innovation und ihre Kommerzialisierung, das ist nicht die Domäne von Fraunhofer & Co. Da müssen jetzt Science Entrepreneurs, Start-ups und wagemutige Hidden Champions ran. So und nicht in Robert Habecks Homeoffice finden wir Lösungen für die großen Herausforderungen.

    2. Digitale Freiheitszonen. Shenzhen ist um die Ecke: Frankreich, Polen, Großbritannien nutzen seit Jahrzehnten die Hebeleffekte von Hotspots und Free Enterprise Zones. Diese digitalen Freiheitszonen können die Wende bringen – durch Vernetzung von Start-ups, Spin-offs und innovativen Mittelständlern mit Hochschulen, Forschungs- und Transferzentren, Kommunen, Regionalentwicklern.

    Start-ups wachsen so zu Scale-ups. Mittelständler transformieren so Geschäftsmodelle. Kommunen wandeln sich so zu E-Service-Anbietern für Bürger. Agil, unbürokratisch, steuerbegünstigt, innovativ.

    3. Systemrelevante Industrie wieder made in Germany. Puffer- und nahtlose globale Wertschöpfungsketten erweisen sich in der Krise als Mythos. Systemrelevante Teile unserer Wertschöpfung müssen wir renationalisieren oder europäisieren: Medizintechnik, Schutzausrüstung, Biotech, Nahrungsmittel, digitale Infrastruktur. Redundanz, um resilient zu werden.

    4. Antitrust & small is beautiful. Nach der Krise fressen die Großen die Kleinen. Jenseits bestehender digitaler Mono- und Oligopole drohen Übernahme- und Konzentrationswellen. Und dies ausgerechnet unseren ohnehin nicht reichlich gesäten Tech-Start-ups und -Mittelständlern.

    Jetzt hilft nur flexibles Kartellrecht, zumindest temporär. Einerseits bei Kooperationen zwischen Wettbewerbern (etwa bei Pharmaforschung und Entwicklung oder Sicherstellung der Daseinsvorsorge). Andererseits bei der Abwehr feindlicher Übernahmen mithilfe Weißer Ritter.

    5. New Deal für Deutschlands digitalen Hoover-Staudamm. Deutschland hat stark entzündete Achillesfersen: Homeschooling, E-Health, E-Government, Homeoffice der öffentlichen Verwaltung. Der Staat muss jetzt als „prime customer“ für Megadigitalisierungsprojekte agieren. Neben den allemal nötigen Infrastrukturprojekten, angefangen bei Brücken- und Schulrenovierungen. Hoover und Roosevelt haben uns das in der Great Depression vor 100 Jahren erfolgreich vorgemacht.

    6. Bildungsoffensive. Den alten Bildungsmuff mit digitalem Zuckerguss zu überziehen greift zu kurz. Nötig sind kluge hybride Lösungen, die Analog und Digital verknüpfen und soziale Durchlässigkeit fördern.

    Wir müssen Bildung grundlegend neu denken. Sie ist heute viel zu oft Paukschule und Reproduktionsmaschine anstelle von Emanzipation und lebenslanger Berufsbefähigung. Gegenmittel: Summerhill 2.0 statt Nürnberger Trichter.

    7. Mit New Work zur Entrepreneurial Society. Das ist weit mehr als Homeoffice und die damit verbundene individuelle Souveränität für abhängig Beschäftigte. Es bedeutet balancierte Freiheits- und Schutzrechte für Freelancer und die wachsende Crowdwork. Und es hat mit Agilität und moderner Sozialpartnerschaft zu tun. Sowie mit (im)materieller Mitarbeiterbeteiligung.
    Don’t shoot the messenger! Lange um Verlorenes zu trauern dürfen wir uns nicht erlauben. Die Arbeit kann – und muss – sofort beginnen.

    Mehr: Corona reißt uns aus dem Wohlstandsschlaf, meint Investor Frank Thelen.

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    Mehr zu: Gastkommentar - Nach der Coronakrise braucht es das Wirtschaftswunder 2.0
    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Nach der Coronakrise braucht es das Wirtschaftswunder 2.0"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Woher soll bitte das Kapital kommen, um diese Investitionen zu starten. Europa hat ein mieses System der Venture-Kapital-Gewinnung. Und dann noch die vielen Politiker, die teils nichts von Technik und/oder Wirtschaft verstehen. Und dann noch die schwarze Null. Die Politiker, die die schwarze Null durchgesetzt haben, könnte man im Nachhinein als ökonomische Nullen bezeichnen. An Digitalisierung sparen aber 80 Mrd. für Einwanderung ausgeben. Ist das etwa intelligentes Verhalten? Wer 80 Milliarden für Einwanderung ausgibt, sollte mindestens 100 Mrd. für Digitalisierung ausgeben.

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