Gastkommentar: Wie globale Hungerkrisen wirken
Hans-Werner Sinn ist emeritierter Professor für Nationalökonomie an der Uni München und ehemaliger Präsident des Ifo-Instituts. Er ist der Autor des Buchs „The Green Paradox. A Supply-Side Approach to Global Warming“, erschienen im Verlag „MIT Press“ im Jahr 2012.
Foto: Daniel DelangDer Krieg in der Ukraine lässt die Nahrungsmittelpreise weltweit explodieren. Die Ukraine lieferte vor dem Krieg zehn Prozent der weltweiten Weizenexporte, 15 Prozent des Exports an Gerste, mehr als die Hälfte des Exports an Sonnenblumenöl, 20 Prozent des Exports an Rapsöl und elf Prozent des Exports an Mais.
Diese Lieferungen sind nun durch den Krieg massiv gefährdet, denn einerseits hat Russland die ukrainischen Seehäfen blockiert, andererseits bombardiert es direkt die Getreidelager der Ukraine.
Der Preisindex für die auf den Weltmärkten gehandelten Nahrungsmittel lag bereits im April um 30 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats und 62 Prozent über dem Wert des Jahres 2020. Mehr Preissteigerungen drohen, wenn erst der Effekt der im Herbst ausfallenden Ernten hinzukommt.
Es drohen Armut, Hungersnöte und neue Migrationswellen
Diese Preissteigerungen treffen alle Konsumenten der Welt. Doch gerade die Ärmsten, die den Löwenanteil ihres Einkommens für den Erwerb von Nahrungsmitteln aufwenden müssen, haben keine Möglichkeiten dem Preiswettbewerb mit anderen Ländern standzuhalten. Bittere Armut, Hungersnöte, soziale Proteste und neue Migrationswellen drohen.