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Prüfers Kolumne Bald könnten Computer Menschen einstellen

Viele haben sich mittlerweile an Konferenzen über den eigenen PC gewöhnt. Bald könnte auch dieser Job komplett von Computern übernommen werden.
12.12.2020 - 15:07 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Wir haben uns in den vergangenen Monaten sehr daran gewöhnt, mit Computerbildschirmen zu sprechen. Ich finde es interessant, wie schnell sich ein eigener Kodex für Zoom-, Teams- oder Skype-Konferenzen etabliert hat. Nur Anfänger versuchen zum Beispiel, während der Sitzung am Computer weiter durch das Internet zu klicken.

Das Risiko, aus Versehen auf die Funktion „Bildschirmteilen“ zu geraten – und damit dem Rest der Belegschaft zu zeigen, dass man gerade heimlich auf Amazon nach neuen Unterhosen gesucht hat –, ist viel zu groß. Man setzt sich auch nie mit dem Rücken zur Tür, denn wer weiß, wer da auf unvorhergesehener Weise hereinkommt – und in welchem Zustand diese Person ist.

Außerdem empfiehlt sich, in regelmäßigen Abständen den Gesichtsausdruck zu ändern, damit alle sehen können, dass das eigene Bild nicht eingefroren ist. Wenn man das befolgt, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Es stellt sich mitunter die Frage, warum man eigentlich die Menschen, die vor den anderen Computern sitzen, noch braucht. Könnte man nicht ebenso gut mit dem Computer allein konferieren? Es ist ja meist so erwartbar, was in solchen Sitzungen passiert, dass es wahrscheinlich gar keinen erkennbaren Unterschied machen würde.

Man müsste wohl einfach seltener Leute darauf aufmerksam machen, dass sie ihr Mikro an- oder ausmachen sollen, denn das ist es ja, was bei Video-Meetings am meisten besprochen wird. In manchen Unternehmen kann man nun schon mit Computern konferieren, habe ich in der „New York Times“ gelesen – und zwar bei Jobinterviews.

Wer sich bewerben möchte, muss sich vor die Laptop-Kamera setzen und die Fragen des Computers beantworten. Die Angestellten des Unternehmens müssen also keine Zeit mehr verschwenden, Jobanwärter zum Gespräch zu bitten, das macht die Software. Immerhin muss man zig Kandidaten treffen, nur um einen einzigen davon einzustellen.

Es wird gelobt, dass diese Verfahren auch fairer seien, weil alle Jobanwärter die gleichen Bedingungen haben. Das klassische Jobinterview sei ja sehr fehleranfällig, weil nicht jeder Vorgesetzte gleich gut beim Jobinterview ist und vielleicht schlecht fragt oder die Kandidaten verunsichert. Vor dem Computer hingegen sind alle gleich.

Allerdings gibt es das Problem, dass die Jobvideos immer noch von Menschen ausgewertet werden müssen. Letztlich müssen die Bewerber auch von Menschen eingestellt werden. Nun ist die Frage, ob langfristig die Menschen die besseren Beurteiler sind. Schließlich lassen sich Menschen auch in solchen Entscheidungen oft von ihren Vorurteilen leiten.

Wahrscheinlich werden Computer bald die Leute einstellen – und dann wird es nicht lange dauern, bis den Geräten einfällt, dass es viel effektiver ist, andere Computer einzustellen. Und dann müssen wir endlich keine Videokonferenzen mehr machen.

Mehr: Schlechte Aussichten für „Slack-Soldiers“

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