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Prüfers Kolumne Schlechte Aussichten für „Slack-Soldiers“

Irgendwie machen alle Homeoffice, das ist nun auch steuerlich absetzbar. Doch für was reichen diese fünf Euro? Zumal Präsenzjobs die Zukunft gehören.
05.12.2020 - 11:01 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Nun soll also der Steuerzahler pro Tag, den er zu Hause arbeitend verbringt, fünf Euro absetzen dürfen. Weil er jetzt beispielsweise auf die eigene Toilette gehen muss und nicht mehr von der Diensttoilette profitiert. Man muss den eigenen Kaffee trinken, sich aus dem eigenen Kühlschrank bedienen, den eigenen Strom verbrauchen. Genau genommen muss man ein komplett eigenes Leben führen. Da fragt man sich, ob fünf Euro reichen. Dafür bekommt man ja mancherorts nicht mal einen Tee.

Ob zu Hause oder im Büro – ich finde, seit Corona, sehen ohnehin alle Jobs gleich aus. Sie bestehen daraus, E-Mails zu schreiben, auf einem Messenger Messages zu vertickern und in eine Laptopkamera zu schauen. Ich wundere mich, dass in Stellenanzeigen noch immer Key Account Manager und Sales Manager gesucht werden. Man könnte genauso gut „E-Mail-Editors“ und „Slack-Soldiers“ annoncieren.

Die Berufe unterscheiden sich allenfalls noch dadurch, mit wem man über was spricht, mailt oder slackt. Ansonsten kann eigentlich jeder alles machen. Natürlich gibt es auch Berufe, die man nicht von zu Hause aus betreiben kann. Wer Mechatroniker ist, der braucht ein Auto, das er reparieren kann. Auch für Busfahrer gibt es noch keine befriedigende Homeoffice-Lösung.

Ich habe gelesen, dass neuerdings wieder Jobs gefragt sind, die sich bis vor Kurzem keiner allzu großen Beliebtheit erfreut haben. Das Handelsblatt meldet, dass das Stellenangebote-Portal Indeed zum zweiten Lockdown einen spürbaren Anstieg bei Jobanfragen bei Supermarktketten gefunden hat. Auch DHL, die Post und Amazon seien sehr gesucht sowie Gesundheitswesen und öffentlicher Dienst. All diese Arbeitgeber waren zuvor nicht unbedingt als Vermittler von Traumjobs bekannt. Bei Indeed vermutet man einen Zusammenhang mit Corona.

In der Krise stürzen sich Arbeitssuchende auf Branchen, von denen sie hoffen, sie seien von der Pandemie nicht betroffen oder würden davon sogar profitieren. Der Supermarkt ist ja dort, wo die Menschen Schlange stehen, auch bei Lieferdiensten und Onlinehändlern brummt das Geschäft. Und eine Behörde kündigt auch in der Krise nicht.

Das sind aber fast ausschließlich keine Jobs fürs Homeoffice. Was wird eigentlich aus denen? Sehr krisensicher scheinen sie nicht. E-Mails schreiben, Slack-Messages verschicken und an Zoom-Konferenzen teilnehmen kann zwar ganz schön sein – aber unter Umständen vielleicht auch einsparbar. Man muss dafür einen nicht einmal auf die Straße setzen. Das neue Wort für rauswerfen wird vielleicht „zu Hause lassen“ sein. Dann ist Arbeitslosigkeit das Gleiche wie Arbeit, nur ohne Zoom. Auf die eigene Toilette muss man übrigens immer noch gehen – kann es aber nicht mehr absetzen.

Mehr: Entwurzelt im Homeoffice.

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