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World Economic ForumAlle europäischen Unternehmen sollen Klima-Champions werden

Europa verliert gegenüber den USA und China an Wettbewerbsfähigkeit. Wie es gelingen kann, die EU durch Elektrifizierung und Energieeffizienz zu stärken, erklärt Morten Wierod. Ein Gastkommentar 21.01.2025 - 04:32 Uhr Artikel anhören
Morten Wierod: Der Autor ist Vorstandsvorsitzender des Schweizer Technologiekonzerns ABB. Foto: IMAGO/Westend61, ABB

Die europäische Wirtschaft steht stark unter Druck. Die jüngsten Krisen haben die grundlegenden Schwächen der Region deutlich gemacht. Der verheerende Krieg in der Ukraine zwang Europa, die Energieversorgung zu diversifizieren, mit der Energiekrise als Resultat. Die Pandemie hat die globalen Lieferketten unterbrochen, und die Eskalation der globalen Handelskonflikte trifft die Exportregion besonders hart. Europa verliert an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den beiden wichtigen Wirtschaftsmächten USA und China.

Der „Clean Industrial Deal“ der Europäischen Union weist in die richtige Richtung

Trotzdem setzt Europa nicht auf einfache Kurzfristlösungen und lässt in den Bemühungen zum Klimaschutz nicht nach. Im Gegenteil: Das Bekenntnis zur Energiewende und zur Reduktion der CO2-Emissionen gemäß Pariser Abkommen steht, ebenso das Netto-Null-Ziel bis 2050. Die Dekarbonisierung ist eine Herausforderung für die Unternehmen in Europa. Doch liegt darin vor allem eine große Chance, die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu stärken. Der Draghi-Bericht macht das deutlich, und der „Clean Industrial Deal“ der Europäischen Union (EU) weist genau in die richtige Richtung.

Wir sehen zwei Kernbereiche, wie die Dekarbonisierung die Energiewende vorantreiben und Europa wieder auf die Überholspur bringen kann:

An erster Stelle steht die Elektrifizierung von allem, und das so rasch wie möglich. Oft wird primär nur an Elektroautos, Wärmepumpen oder Solarzellen gedacht. Wir sprechen hier aber von allen volkswirtschaftlichen Sektoren und vor allem auch von energieintensiven Industrien. Um den wachsenden Strombedarf zu decken, benötigt Europa eine erhebliche Ausweitung von CO2-armen Energien.

Das Logo des World Economic Forums (WEF) in Davos. Foto: REUTERS

Parallel dazu braucht es ein robustes, intelligentes Stromnetz sowie eine Speicherinfrastruktur. Die Digitalisierung macht das europäische Stromnetz zukunftsfähig und ermöglicht es, den Netzstatus zu überwachen und Engpässe und Überlastungen in Echtzeit zu regeln.

Zweitens: Investitionen in Energieeffizienz, den „Hidden Champion“ der Dekarbonisierung und eine der effektivsten Möglichkeiten, Energie zu sparen und damit CO2-Emissionen zu reduzieren. Bis zu ein Viertel der benötigten CO2-Reduktionen können so erreicht werden. Besonders die Industrie besitzt ein großes Potenzial für den Einsatz energieeffizienter Technologien.

EU braucht steuerliche Erleichterungen, gezielte Fördergelder und die Senkung der Stromsteuern

Europa hat die Chance, nicht nur die Energiewende voranzutreiben, sondern auch eine Führungsrolle bei nachhaltigen Technologien zu übernehmen. Laut dem jüngsten Draghi-Bericht wird mehr als ein Fünftel der sauberen und nachhaltigen Technologien weltweit bereits heute in der EU entwickelt. Viele Technologien zur Elektrifizierung und für die Optimierung der Energieeffizienz sind bereits verfügbar. Damit Europa auch künftig diese Führungsrolle übernehmen kann, braucht es klare, einheitliche und verlässliche Rahmenbedingungen. Was ist dafür notwendig?

Erstens braucht Europa ein Umfeld, das Investitionen in die Elektrifizierung und energieeffiziente Technologien fördert. Dafür sind sinnvolle finanzielle Anreize zu setzen: steuerliche Erleichterungen, gezielt eingesetzte EU-Fördergelder und die Senkung der unverhältnismäßig hohen Stromsteuern.

Zweitens ist der Ausbau von Stromnetzen und Speichertechnologien essenziell, um die Versorgungsstabilität sicherzustellen. Das erfordert eine Zusammenarbeit bei der Erteilung von Baugenehmigungen und gezielte öffentliche Investitionen in die Infrastruktur.

Drittens ist eine Revision der Richtlinie über die öffentliche Beschaffung notwendig. Die öffentliche Hand sollte in ihren Ausschreibungen mit Kriterien für CO2-arme Technologien und energieeffiziente Lösungen mit gutem Beispiel vorangehen.

Wir sollten in Europa alles daransetzen, eine Führungsrolle bei CO2-armen Technologien zu übernehmen.
Morten Wierod

Was es nicht braucht, sind verzerrende Energiesubventionen, bürokratische Hürden oder überbordende Regulierungen. Dies gilt auch für die Nachhaltigkeits- und Klimaberichterstattung. Unternehmen sollten sich darauf konzentrieren können, ihren Beitrag zur Dekarbonisierung zu leisten, anstatt sich mit komplexen Berichtspflichten zu beschäftigen.

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Oberstes Ziel sollte sein, alle Unternehmen in Europa zu befähigen, zu global wettbewerbsfähigen Klima-Champions zu werden. Wir sollten alles daransetzen, eine Führungsrolle bei CO2-armen Technologien zu übernehmen. So schaffen wir die Energiewende und stärken die Wettbewerbsfähigkeit Europas.

Der Autor:  Morten Wierod ist CEO von ABB.

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