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Gastkommentar – Homo oeconomicusBeim grünen Wasserstoff sollte die Politik heimische Wertschöpfungsketten fördern

Für die Versorgungssicherheit und die Akzeptanz der grünen Wasserstofftechnologie ist die Produktion vor Ort wichtig, argumentiert André Wolf. 06.07.2021 - 12:30 Uhr Artikel anhören

André Wolf ist Leiter des Forschungsbereichs „Energie, Klima und Umwelt“ des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts.

Foto: HWWI

Um den verschärften Zielvorgaben im neuen Klimaschutzgesetz Taten folgen zu lassen, hat die Bundesregierung in ihrem „Klimaschutz-Sofortprogramm 2022“ ein Bündel an Fördermaßnahmen im Umfang von acht Milliarden Euro angekündigt. Der Fokus liegt auf Instrumenten zur Förderung neuer Technologieoptionen, um die Dekarbonisierung sektorübergreifend voranzubringen. Jetzt kommt es auf die konkrete Ausgestaltung an.

Im Interesse der gesellschaftlichen Akzeptanz und der mittelfristigen Nachhaltigkeit der Maßnahmen ist es wichtig, dass alle Potenziale für heimische Wertschöpfung so weit wie möglich ausgeschöpft werden. Die übergeordnete Zielsetzung sollte sein, die neu entstehenden Lieferketten möglichst vollständig in Deutschland anzusiedeln, auch um eine industriepolitisch riskante einseitige Ausrichtung auf bestimmte Sektoren und Verbrauchszentren zu vermeiden.

In besonderem Maße gilt dies für den zurzeit an Fahrt gewinnenden Aufbau von Wertschöpfungsketten basierend auf grünem Wasserstoff. Die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien zur Herstellung von vielseitig einsetzbarem Wasserstoff dient nicht nur dem verbesserten Management kurzfristiger Stromerzeugungsüberschüsse, sondern erschließt auch neue Anwendungsfelder für erneuerbare Energien in Industrie und Mobilität, wo eine direkte Elektrifizierung nicht möglich oder sinnvoll ist.

Eine vorrangig auf Import ausgerichtete Wasserstoffstrategie würde wegen eingeschränkter Versorgungssicherheit Risiken für den deutschen Industriestandort bergen. Sie könnte auch die umweltpolitische Glaubwürdigkeit der Transformation aufs Spiel setzen. Denn bei Konzentration der Produktion in den klimatisch günstigsten Herkunftsregionen stellt sich eine Vielzahl an Nachhaltigkeitsfragen, etwa im Zusammenhang mit lokaler Wasserknappheit.

Die Ausschöpfung heimischer Stromerzeugungspotenziale im Bereich erneuerbarer Energien als Grundlage der Elektrolyse sollte daher Vorrang haben. Angesichts zunehmenden Flächenmangels liegen die unausgeschöpften Potenziale vorwiegend im Bereich Offshore-Windkraft.

Auf dem grünen Wasserstoff liegen viele Hoffnungen. Aber die Investitionen in die Anlagen sind teuer – und es gibt ein Mengenproblem.

Foto: dpa
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Die im Sofortprogramm angekündigte Ausweitung der Offshore-Förderung zielt daher in die richtige Richtung. Hier sollte im Interesse des Netzmanagements der neuartigen Option der Vor-Ort-Erzeugung von Wasserstoff mittels Offshore-Elektrolyseuren ein besonderes Augenmerk zukommen.

Denn der kontinuierlichere Wind auf See ermöglicht eine stetige Strom- und damit Wasserstoffproduktion, was für den Aufbau verlässlicher Lieferketten einen wichtigen Faktor darstellen wird. Bis dies in großem Maßstab gelingt, ist eine Vielzahl an technischen Detailfragen zu lösen. Die Förderanstrengungen sollten darauf abzielen, in Kooperation mit den europäischen Partnern Technologieführerschaft zu erlangen.

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