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Gastkommentar – Homo oeconomicus Dass der größte Wirtschaftssektor von der Wirtschaftswissenschaft ignoriert wird, hat Folgen

Für Forschung zu unbezahlter Arbeit gibt es weder Geld noch Ruhm. In der Coronakrise erleiden wir die Folgen dieser Missachtung außermarktlicher Wertschöpfung, findet Ina Praetorius.
21.01.2021 - 19:18 Uhr 2 Kommentare
Ina Praetorius ist evangelische Theologin und Autorin von „Wirtschaft ist Care“. Quelle: Katja Nideröst
Ina Praetorius

Ina Praetorius ist evangelische Theologin und Autorin von „Wirtschaft ist Care“.

(Foto: Katja Nideröst)

Ich kann sie schon nicht mehr zählen, die vielen Ökonomen, die mir in den vergangenen Jahren freimütig bekannt haben, sie hätten keine Ahnung von außermarktlicher Wertschöpfung. Von links über liberal bis konservativ ein einziger Männerchor: „Tut mir leid, aber ich habe mich mit dem Thema der unbezahlten Arbeit nicht beschäftigt.“

Die meisten Wirtschaftswissenschaftler scheinen ihre Inkompetenz hinsichtlich des größten Wirtschaftssektors für eine zufällige Entscheidung zu halten. Nur einer schrieb mir, es handle sich dabei möglicherweise um ein systemisches Problem. Manche verweisen auf andere Disziplinen, auf Haushaltswissenschaft oder Genderstudies.

In vielen Ländern gibt es aber die Haushaltswissenschaft nicht auf Universitätsniveau. In Deutschland war die Ökotrophologie zwar einige Jahre lang höchst produktiv. Im Vergleich zu VWL und BWL ist sie aber nach etlichen Kürzungsrunden heute wieder lächerlich unterdotiert. Und in der jungen Disziplin der Genderstudies fragt man sich zu Recht, weshalb Forschung und Lehre zum größten Wirtschaftssektor ein Geschlechter-, gar ein „Frauenthema“ sein sollten.

Zwar ist richtig, dass die unbezahlte Haushaltsproduktion traditionell eine weibliche Domäne war. Auch heute noch sind deutlich mehr Frauen als Männer in diesem Sektor tätig. Ökonominnen, deren Unterrepräsentanz im Wissenschaftsbetrieb ihrerseits mit der stillschweigenden Ausbeutung unbezahlter Arbeit zusammenhängt, könnten deshalb ein größeres Interesse an einschlägiger Forschung und Lehre haben als ihre männlichen Kollegen.

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    Aber wer wollte es ihnen verübeln, dass sie sich nicht hervortun wollen mit einem Fachgebiet, das weder Reputation noch Forschungsgelder einbringt, für das als Frau sich zu engagieren vielmehr geschlechtsspezifische Vorurteile bestätigt und dem Risiko aussetzt, Kandidatin der nächsten akademischen Sparrunde zu werden?

    Forschung zu Care-Arbeit ist unterfinanziert

    Die Leiterin einer Wirtschaftshochschule schrieb mir, es mangele ihr zwar keineswegs an einschlägigem Relevanzempfinden, aber beim Thema Care-Arbeit bestünde keinerlei Chance, Finanzen bei den entscheidenden Stellen für die Vergabe von Drittmitteln für wirtschaftswissenschaftliche Forschung lockerzumachen.

    Ökonomie berät Politik. Und Politik bestimmt über das Leben vieler Menschen. Larry Summers, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und Berater Barack Obamas, brachte es im Jahr 2000 auf den Begriff: „Was Ökonomen denken, sagen und tun, hat tief greifende Auswirkungen auf das Leben von buchstäblich Milliarden ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger.“

    Beispielsweise haben Politikerinnen und Politiker erst mit viel Verspätung begriffen, dass man in einer Pandemie Homeoffice und Homeschooling nicht einfach zusammenlegen kann, weil man damit Eltern, vor allem Mütter, systematisch ins Burn-out treibt. Solches Versagen hat einen Grund: Die Top-Politikberaterinnen und -berater haben weder gelernt noch gelehrt, dass es ein fordernder Job ist, einen Haushalt zu organisieren und Kinder ins Erwachsenenleben zu begleiten.

    Mehr: Buchrezension: Die ökonomische Formel zur Rettung der Welt.

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    2 Kommentare zu "Gastkommentar – Homo oeconomicus: Dass der größte Wirtschaftssektor von der Wirtschaftswissenschaft ignoriert wird, hat Folgen"

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    • Und was will die Autorin inhaltlich ausdrücken? Ökotrophologie nannte man früher Hauswirtschaftslehre. Sollen die modernen Frauen nun berufstätig sein oder lernen, wie man einen Haushalt führt und Kinder in der Erziehung begleitet. Der Zeitgeist ist doch eher dagegen.

    • Und was will die Autorin inhaltlich ausdrücken? Ökotrophologie nannte man früher Hauswirtschaftslehre. Sollen die modernen Frauen nun berufstätig sein oder lernen, wie man einen Haushalt führt und Kinder in der Erziehung begleitet. Der Zeitgeist ist doch eher dagegen.

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