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Gastkommentar – Homo oeconomicus Dem Bitcoin fehlt das Alleinstellungsmerkmal

Wer in Bitcoin investiert, muss wissen: Die Kryptowährung ist kein gesetzliches Zahlungsmittel. Sie kann jederzeit von einer anderen Währung verdrängt werden, warnt Ökonom Peter Bofinger.
26.01.2021 - 13:32 Uhr 5 Kommentare
Bitcoin: Hype um die Kryptowährung birgt Gefahren Quelle: Reuters
Bitcoin-Münzen

Der Kurs der Cyberwährung ist aktuell wieder sehr volatil.

(Foto: Reuters)

Mit dem steilen Anstieg, den der Preis des Bitcoins seit Herbst 2020 erfahren hat, wurde das öffentliche Interesse an dieser Kryptowährung neu entfacht. Der massive Kurseinbruch seit dem Höchstwert vom 8. Januar bei über 33.000 Euro auf 27.000 Euro zeigt allerdings, wie volatil eine solche Anlage ist.

Niemand kann prognostizieren, wohin sich der Kurs des Bitcoins entwickeln wird. Wer heute Bitcoin kauft, muss Erwartungen darüber bilden, welche Erwartungen andere Investoren über den Bitcoin bilden. Und diese wiederum müssen sich ebenfalls fragen, wie die Erwartungen weiterer Investoren sind.

John Maynard Keynes, ein begnadeter Ökonom und wilder Spekulant, hat hierfür den Ausdruck der Erwartungen dritten Grades geprägt. Die Finanzgeschichte lehrt, dass es dabei zu Kursblasen kommen kann, die in einem Totalverlust enden.

Wer Bitcoin kauft, sollte wissen, was er dabei erwirbt. Stellen Sie sich vor, Herr Müller kommt auf die Idee, eine Million Scheine drucken zu lassen, auf denen „100 Müller-Coin“ steht und zugleich der Hinweis, dass der Inhaber des Scheins keinen Rechtsanspruch gegen Herrn Müller hat. Die Scheine sind durchnummeriert, und Herr Müller verpflichtet sich notariell, keine weiteren Scheine in Umlauf zu bringen.

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    Er organisiert Würfelabende mit Freuden, in denen er die Scheine in den Umlauf bringt. Wer mit drei Würfeln drei Sechsen würfelt, bekommt einen Schein. Und damit das Ganze nicht zu schnell geht, wird bei den Würfelabenden im Lauf der Zeit mit immer mehr Würfeln gespielt. Der Coup ist perfekt, wenn es gelingt, andere Menschen zu überzeugen, die Müller-Coins gegen Euro als Investment anzukaufen.

    Coronakrise: Ökonomen streiten sich weniger als Virologen Quelle: SVR
    Der Autor

    Peter Bofinger ist Ökonomieprofessor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

    (Foto: SVR)

    Von der ökonomischen Logik ist Bitcoin nichts anderes als eine digitale Version des Müller-Coins. Nur werden Bitcoins nicht in einem transparenten Würfelspiel, sondern in einem komplexen, extrem energieintensiven Prozess geschaffen, genannt „Mining“. Aber auch hier hat der Inhaber keinen Anspruch gegenüber dem Emittenten.

    Die frühen „Miner“ machen den Emissionsgewinn, weil es am Anfang besonders leicht und billig ist, an die Coins zu kommen. Der unbekannte Schöpfer des Systems und seine frühen Mitstreiter dürften dazugehören. Heute ist der Schwierigkeitsgrad des Bitcoin-Minings 20.000 Billionen Mal höher als 2009.

    Konkurrenz von rund 8000 Kryptowährungen

    Häufig hört man, dass es auch für Banknoten keinen Einlösungsanspruch gibt. Aber Euro-Banknoten sind gesetzliches Zahlungsmittel, und die Europäische Zentralbank hat ein Monopol auf die Notenemission, während der Bitcoin in einem immer intensiveren Wettbewerb mit rund 8000 Kryptowährungen steht. Es kann also jederzeit eine andere Kryptowährung mit einer besseren Technologie zum Liebling der Investoren werden und den Bitcoin verdrängen.

    Der Wettbewerbsdruck durch neue Emittenten ist auch ein fundamentaler Unterschied zu Gold, dem keine neuen chemischen Elemente seine besondere Stellung streitig machen werden. Die fehlende Einzigartigkeit ist daher die Achillesferse von Bitcoin.

    Mehr: Ratgeber-Dossier zum Download: Was hinter dem Bitcoin-Boom steckt – und wie Anleger profitieren.

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    5 Kommentare zu "Gastkommentar – Homo oeconomicus: Dem Bitcoin fehlt das Alleinstellungsmerkmal"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Dieser Kommentar reiht sich ein in die seit langem schwache Berichterstattung zu Krypto. Bezeichnend ist ja auch, dass der tägliche Bitcoin Kurs völlig in der Zeitung fehlt. Dafür wird der Leser aber täglich über Kursveränderungen von Schlachtschweinen und Sojaöl auf dem laufenden gehalten....

    • Bei den Kryptowährungen gibt es einen ECHTEN Wettbewerb um die BESTE Kryptowährung, bei den Fiat-Währungen der Notenbanken gibt es dagegen einen ABWERTUNGSWETTBEWERB um die SChLECHTESTE Währung. Genau für diesen friedlichen Wettbwerb von freien Privatwährungen (im Gegensatz zum staatsmonopolistischen Zwangsgeld) trat Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek in seinen großartigen Werken "Entnationalisierung des Geldes" und "Choice in Currency" vehement ein.
      In einem freien Markt setzt sich nämlich immer das BESSERE Geld gegenüber dem schlechteren durch (- > GRESHAM-GESETZ), während das schlechtere vom Markt verschwindet. Nur bei hoheitlichem gesetzlichen ZWANG erfolgt eine Pervertierung dieses Gesetzes, da das schlechtere Geld angenommen werden muss: hier verdrängt das schlechtere Geld dann das bessere aus dem Umlauf, während das bessere Geld gehortet wird!!
      Die Staaten (bzw. ihre Notenbanken) möchten jedoch SCHLECHTES Geld - sie möchten Geld, dessen Geldmenge beliebig ausgeweitet werden kann - also Inflationsgeld, mit dem man die Bürger über die heimtückischste aller Steuern, nämlich die Inflationssteuer, enteignen kann (um dann auch noch über Manipulation der Inflationsberechnung wie "Warenkörbe" oder "hedonische Bewertung" die Bürger über das Ausmaß der Teuerung (= resultierenden Preisinflation) grob zu täuschen!!
      Der Wettbewerb unter den Kryptowährungen ist ein Ausleseprozess, bei dem letztendlich die BESTEN übrig bleiben werden - und das muss nicht Bitcoin sein, sondern das wird erst die Zeit zeigen. Beim Tausch im Raum (die Funktion des Geldes als (Zwischen-)Tauschmittel teilt sich tatsächlich in die zwei Unterfunktionen Tausch im Raum und Tausch in der Zeit auf), hat Bitcoin etwa große Nachteile, da die Transaktionsgebühren viel zu hoch sind.

    • Danke Jonas!

    • Ich muss ehrlich gestehen, dass ich ziemlich enttäuscht bin von der schwachen Berichterstattung des Handelsblatts über die Kryptothemen. Diese sind extrem oberflächlich und teilweise einfach nur schlecht recherchiert. Ich kenne mich selbst sehr gut damit aus, arbeite im Sektor und sehe hier kaum sinnvolle Artikel.

      Das soll natürlich nicht heissen, dass es keine Kritik an den aktuellen Entwicklungen oder auch an den jeweiligen Protokollen gibt. Daher sollte versucht werden, Gastbeiträge von Leuten einzuholen, die eine Ahnung haben von dem was sie erzählen (zugegebener weise nicht einfach im deutschsprachigen Raum).

      Nun etwas inhaltliche Kritik: Der Müller-Coin unterscheidet sich in vielen Aspekten von Bitcoin:

      1) Es handelt sich nicht um eine Währung mit ein paar Freunden an einem Würfelabend, sondern um ein ganzes Ökosystem mit tausenden von Firmen und Entwicklern, welche die Technologien von morgen, basierend auf dem Bitcoin Protokoll, konzipieren und umsetzen.

      2) Es sind die schlausten Köpfe aus Kryptographie, Mathematik und auch Ökonomie an der Entwicklung dieses Ökosystems beteiligt.

      3) Zeichenlimit

      Und der banal dargestellte Nebensatz, keine neuen Scheine in Umlauf zu bringen ist übrigens ein Killer-Argument für Bitcoin in der heutigen Zeit des exzessiven Gelddruckens der Zentralbanken. Nur, dass eine ausserordentliche Inflation nicht "notariell" verboten ist, sondern kryptographisch unmöglich.

      Kritik zum Hauptargument des Artikels: Es gibt ein Alleinstellungsmerkmal und dieses ist in Punkt 2) angedeutet. Das Netzwerk und Ökosystem. Dieses ist einzigartig bei Bitcoin und wird auch so schnell nicht verschwinden. Wieso? Wenn sich zeigt, dass etwas anderes besser funktioniert kann, kann das grundlegende Protokoll einfach geupgraded werden. Open-source macht es möglich.

      Per se nicht in Bitcoin zu investieren ist ein Risiko für die Portfolioperformance geworden.

    • (...)

      Die Quintessenz besteht also darin, dass man Angst haben sollte sein Geld zu verlieren und dass die Währung ggf. durch andere Währungen ersetzt werden kann.

      (...)

      Typischer Fall von "german angst". Schon erstaunlich, dass in den USA Versicherer, (Investments-)Fonds, NASDAQ- + Wallstreet-Unternehmen auf den Zug aufspringen. Und das entgegen aller Warnungen von Banken, EZB, und Co. Durch die negativen Beiträge zu diesem Thema bekommen die Banken und Manager langsam weiche Knie. Sie werden immer überflüssiger.

      (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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