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Gastkommentar – Homo oeconomicusDie Energiekrise ist der Preis der Klimawende

Ohne einen längeren Übergangszeitraum mit hohen Energiepreisen lässt sich die Versorgungssicherheit während der Klimawende nicht sicherstellen, analysiert Richard Koo. 27.10.2021 - 17:35 Uhr Artikel anhören

Hohe Energiepreise sind Folge der Energiewende, meint Richard Koo.

Foto: dpa

In letzter Zeit war viel von Stagflation die Rede, ausgelöst auch nicht zuletzt durch die Energiekrise in Europa und China. Das lässt die Erinnerung an das stagnierende Wachstum und die hohe Inflation in den Siebzigerjahren aufkommen. Die meisten Preissteigerungen bei Waren und Dienstleistungen, die wir in diesem Jahr beobachten, haben mit vorübergehenden Versorgungsengpässen zu tun.

Der Anstieg der Energiepreise ist anders gelagert. Er liegt daran, dass der jüngste Fokus auf die Klimawende das Geschäftsumfeld für die Produzenten fossiler Brennstoffe drastisch verändert hat. Die Finanzinstitute, einschließlich der Zentralbanken, werden aufgefordert, die Mittelzuflüsse in Branchen zu reduzieren, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten.
Doch so notwendig der Übergang zu erneuerbaren Energien auch sein mag, derzeit gibt es einfach nicht genug davon. Nach wie vor sind Investitionen erforderlich, um die Versorgung mit fossilen Brennstoffen zu sichern und die Volkswirtschaften am Laufen zu halten.

Bisher wurden Investitionen in fossile Brennstoffe in der Erwartung getätigt, dass die Nachfrage nach diesen Brennstoffen weiter steigen würde. Das ist nun nicht mehr gewährleistet. Heute muss jede Investition in diese Energieformen ihre Kosten in einem drastisch kürzeren Zeitraum decken. Die wachsende Tendenz in der Gesellschaft, diese Investitionen als etwas Schlechtes zu betrachten, schreckt viele Unternehmen zusätzlich ab, diese Investitionen zu tätigen.

Diese strukturellen Veränderungen haben zur Folge, dass das Angebot hinter der Nachfrage zurückbleibt und die Preise rasch steigen. Die unangenehme Wahrheit ist, dass ein hoher Preis für fossile Brennstoffe absolut notwendig ist, um Investitionen in diese Brennstoffe ökonomisch zu rechtfertigen. Denn sonst können deren Kosten nicht in kurzer Zeit wieder hereingeholt werden.

Hohe Preise für fossile Brennstoffe notwendig

Solche Investitionen sind nach wie vor notwendig, um Energieengpässe zu vermeiden und gleichzeitig Investitionen in erneuerbare Energien zu fördern. Es ist daher unrealistisch, die von der Welt angestrebte grundlegende Energiewende zu erwarten, ohne zunächst hohe Preise für fossile Brennstoffe in Kauf zu nehmen.

Man muss auch realistisch sein, was die Dauer dieses Übergangszeitraums angeht. Der vollständige Ersatz fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien wird Jahrzehnte dauern. Derzeit steht nur die Kernenergie zur Verfügung, um den Übergang zu verkürzen.

Richard Koo ist Chefvolkswirt des Nomura Research Institute in Tokio.

Foto: imago images / Italy Photo Press
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Diese harten Realitäten werden während der langen und schwierigen Übergangsphase wahrscheinlich zu einer Energiewende-Müdigkeit führen. Und zwar umso mehr, je mehr die Wirtschaft unter wiederholten Energieengpässen leidet. Da eine solche Ermüdung und der daraus resultierende politische Druck den Übergangszeitraum leicht verlängern können, ist es wichtig, dass Energieengpässe vermieden werden.

Es ist schwierig, das Angebot an etwas auszuweiten, dessen Verwendung in naher Zukunft mit ziemlicher Sicherheit starken Einschränkungen unterworfen sein wird. Die einzige Möglichkeit, eine ausreichende Versorgung mit Kohle, Gas und Öl sicherzustellen, um die Wirtschaft kurzfristig am Laufen zu halten und langfristig den Einsatz erneuerbarer Energien zu beschleunigen, besteht darin, die Preise für fossile Brennstoffe jetzt hochzuhalten.

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