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Gastkommentar – Homo oeconomicus Die Facebook-Währung Diem braucht einen zweiten Neustart

Notenbankenschreck Facebook ist mit seiner in Diem umbenannten Währung noch nicht weit gekommen. Das liegt an einem Konzeptionsfehler, analysiert Peter Bofinger.
20.04.2021 - 14:00 Uhr Kommentieren
Coronakrise: Ökonomen streiten sich weniger als Virologen Quelle: SVR
Der Autor

Peter Bofinger ist Ökonomieprofessor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

(Foto: SVR)

Als Facebook sein Libra-Projekt 2019 der Öffentlichkeit vorstellte, schreckte es Banken, Notenbanken und die Politik auf. Könnte Facebook damit staatliche Währungen verdrängen? Würden die Notenbanken die Kontrolle über das Geldwesen verlieren?

Nach nunmehr fast zwei Jahren ist es still um das Projekt geworden. Zu vernehmen war zuletzt nur noch, dass der Name von Libra in Diem geändert wurde und dass Kevin Weil, der führende Kopf des Ganzen, im März 2021 auf Twitter sein Ausscheiden verkündet hat.

Kann es sein, dass das ganze Vorhaben von Anfang an falsch konzipiert war? Ein Indiz dafür ist die Tatsache, dass Libra bereits im April 2020 von der Idee der eigenen Währung teilweise abrückte. Geplant war Libra zunächst als ein aus wichtigen Währungen zusammengesetzter Währungskorb.

Da dabei der Euro nur einen Anteil von rund 30 Prozent gehabt hätte, wären die Libra-Benutzer im Euro-Raum einem erheblichen Wechselkursrisiko ausgesetzt gewesen. Deshalb soll es nun neben dem Währungskorb-Diem auch Euro-Diem, Dollar-Diem oder Yen-Diem geben.

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    Es bleibt das Problem, dass man erst ein Guthaben bei Diem erwerben muss, bevor man damit bezahlen kann. Für diese Guthaben will Diem nicht verbindlich garantieren, dass man sie jederzeit zu 100 Prozent wieder in traditionelle Euro-Guthaben zurücktauschen kann.

    Diem spricht offen davon, dass man bei einem Run auf das System mit der Rückzahlung warten oder dafür eine besondere Gebühr bezahlen muss. Bei einer Bank wäre das ein Konkursgrund. Auch wenn Diem verspricht, alle Mittel sicher anzulegen, bleibt also ein Verlustrisiko. Es wird umso größer, je mehr Menschen Diem ihr Geld anvertrauen.

    Von Anfang an keine gute Idee

    Damit weist Diem erhebliche Schwächen gegenüber Paypal auf. Mit diesem System kann man bezahlen, ohne über ein Paypal-Guthaben verfügen zu müssen. Für Zahlungen wird einfach ein Konto bei einer Geschäftsbank oder ein Kreditkartenkonto belastet. Guthaben bei Paypal haben dabei den rechtlich verbindlichen Charakter von Bankguthaben.

    Paypal, bei dem man heute mit 26 Währungen bezahlen kann, verdeutlicht zudem, dass sich ein erfolgreiches globales Zahlungssystem dadurch auszeichnet, dass es Währungen problemlos austauschbar macht.

    Es war somit von Anfang an keine gute Idee, eine eigene Währung schaffen zu wollen. Währungen sind wie Sprachen, von denen sich die Menschen nur schwer trennen. Das mag in Entwicklungs- und Schwellenländern anders sein. Doch hier stellt sich für Diem das Problem, dass die Internetverbreitung zu wünschen übrig lässt. Dort gibt es digitale Zahlungssysteme, die von Mobilfunkanbietern betrieben werden. Für finanzielle Inklusion wird Diem also nicht benötigt.

    Wenn aus Diem noch etwas werden soll, wird es sich letztlich am erfolgreichen Geschäftsmodell von Paypal orientieren müssen. Das würde allerdings einen völligen Neustart erfordern.

    Mehr: Diem statt Libra: Die Digitalwährung wird für Zuckerberg zu einer teuren Lektion.

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