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Homo oeconomicus Sarah Spiekermann: Sperrung des Trump-Accounts war richtig, aber schwach begründet

Zur systemischen Mündigkeit gehört, dass Unternehmensführer Haltung zeigen und ihre Werteabwägungen im offenen Diskurs verteidigen. Twitter hat nur Ersteres getan.
13.01.2021 - 09:02 Uhr Kommentieren
Vorständin des Instituts für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien Quelle: Spiekermann / David Payr
Sarah Spiekermann

Vorständin des Instituts für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien

(Foto: Spiekermann / David Payr )

Am 8. Januar 2021 hat Twitter den Account von US-Präsident Donald Trump dauerhaft gesperrt und damit der heiligsten Kuh der amerikanischen Werte- und Rechtecharta einen Kratzer verpasst: der Freiheit der Rede. Diese Sperrung ist ein Ereignis von erheblicher Tragweite, das mit seltener Deutlichkeit zeigt, dass Technik überhaupt nicht neutral ist.

Durch das scheinbar problemlose Umlegen eines digitalen Hebels konnte der Dienst in einer ungeheuren Weise politische Macht ausüben. Das war in diesem Fall sehr positiv. Aber wer so schnell die Redefreiheit abschalten kann, der kann nie wirklich neutral gewesen sein.

Als die technischen Machtinstrumente der Twitter-Plattform entworfen wurden, müssen die Ingenieure antizipiert haben, dass sie eines Tages dazu aufgefordert werden könnten, genau das zu tun, den Stecker zu ziehen. „Zum Glück!“, kann man sagen, denn wer weiß, was Trump seinen Anhängern sonst noch so „zwitschern“ würde.

Twitter ist auch in anderer Weise nie neutral gewesen. Immerhin hat es sich selbst den Namen und das Symbol eines Vogels gegeben, der uns was zwitschert. Sicher ohne sich dessen bewusst zu sein, hat Twitter sich damit von Anfang an an einen wertethischen Kontext ohne Ernsthaftigkeit gekoppelt.

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    Wer sagt: „Der hat einen Vogel“, meint damit, dass jemand viel dummes Zeug redet. „Der zwitschert sich einen“ beschreibt das unsinnige Labern Beschwipster. Letzteres ist oft ziemlich aggressiv, weswegen man auch sagt: „Dem werd ich was zwitschern.“

    Twitter beweist Mut

    Auch im englischen Sprachraum sind Vögel und twittern sicherlich nicht mit größter politischer Ernsthaftigkeit assoziiert. Wenn sich ein Unternehmen so einen Namen gibt und die Tätigkeit auf der eigenen Plattform als solche bezeichnet, lädt das Charaktere wie Trump geradezu ein, sich so zu verhalten, wie wir es kritisieren.

    Ja wird nicht das politische Geschehen zunehmend als „Gezwitschere“ verachtet, gerade weil selbst seriöse Politiker sich dazu verleiten lassen, diesen Vogel als ihr wesentliches Sprachrohr zu nutzen, und sich damit einer Häresie, umgangssprachlich Ketzerei, der Formlosigkeit hingeben, die ihre Seriosität untergräbt? Wenn Twitter schon so viel politischen Mut hat, wie letzte Woche bewiesen, wäre es dann nicht an der Zeit, dass es sich und den Aktivitäten auf der Plattform einen angemesseneren Namen gibt?

    Mut ist es, was Twitter bewiesen hat; im Gegensatz zum Rumeiern von Facebook, das Trumps sicherlich sehr lukrativen Account nur für eine Weile einstellen will. Twitter hat die politische Verantwortung und den Frieden höher eingeschätzt als die Redefreiheit.

    Das ist lobenswert. Nichts von dieser guten Einschätzung lässt sich jedoch in Twitters Pressemitteilung wiederfinden, wo mit dünnen Argumenten versucht wird, zwei Trump-Tweets als indirekten Aufruf zur Gewalt zu deuten. Das ist schade. Die neue Zeit – nach Trump und nach Corona – wird eine sein, in der Unternehmensführer den Mumm haben müssen, ihre Abschätzungen von Werten im offenen Diskurs zu verantworten.
    Mehr: Lesen Sie hier im Expertenrat, wie wir 2021 unser Mediensystem retten

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