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Homo oeconomicus Ungleiche Vermögensverteilung ist ein Teufelskreis

Die unterschiedlich hohen Renditen je nach Einkommen führen zu sich selbst verstärkender Vermögensungleichheit, zeigt eine neue Studie.
01.10.2020 - 15:52 Uhr Kommentieren
Miriam Rehm ist Ökonomieprofessorin an der Universität Duisburg-Essen. Quelle: UDE
Miriam Rehm

Miriam Rehm ist Ökonomieprofessorin an der Universität Duisburg-Essen.

(Foto: UDE)

Die Vermögensungleichheit ist in Deutschland im europäischen Vergleich mit am höchsten, und das Verhältnis von Vermögen zur Wirtschaftsleistung steigt.

Ein Mechanismus, der zu einem sich selbst verstärkenden Effekt bei der Vermögensungleichheit führt, sind differenzielle Renditen: Reichere Haushalte erhalten höhere Renditen auf ihre Vermögen, wodurch ihr Reichtum weiter steigt, weshalb ihre Renditen weiter steigen und so fort. Was manchen offensichtlich klingen mag (während es andere vielleicht bestreiten würden), war selbst zum Erscheinen des Bestsellers „Kapital im 21. Jahrhundert" von Thomas Piketty noch kaum dokumentiert.

In einem aktuellen Fachaufsatz zeigen Stefan Ederer, Max Mayerhofer und ich für acht europäische Länder, dass regelmäßig die Renditen der Reichen deutlich höher sind. In den Daten der Europäischen Zentralbank zur Vermögensverteilung beobachten wir drei Gruppen von Vermögensbesitzenden.

Etwa 30 Prozent der Haushalte haben sehr niedrige Vermögen; zwei Drittel besitzen immerhin ein Eigenheim; und erst die reichsten fünf Prozent besitzen nennenswertes Unternehmensvermögen (auch als Aktien), das im Durchschnitt mehr als ein Viertel ihres Vermögens ausmacht, sowie Anleihen.

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    Unter anderem mit Daten von Moritz Schularick und Katharina Knoll für die Renditen unterschiedlicher Vermögenskategorien zeigt sich, dass diese drei Gruppen deutlich unterschiedliche Renditen erhalten. Die Renditen der Niedrigvermögenden liegen im Mittel bei 2,5 Prozent, bei den Wohneigentümern belaufen sie sich auf 5,5 Prozent und auf sieben Prozent bei den Unternehmensbesitzenden.

    Weitere Faktoren bei der Vermögensrendite verstärken den Effekt

    Dabei unterschätzen unsere Ergebnisse aller Wahrscheinlichkeit nach die Ungleichheit bei den Renditen noch. Sie decken sehr hohe Vermögen nicht ab.

    Zudem erfassen wir mit der Zusammensetzung der Haushaltsvermögen nur einen von vielen möglichen Kanälen, auf denen differenzielle Renditen beruhen können. Mit unseren Daten ist es nicht möglich, unterschiedliche Renditen innerhalb einer Vermögenskategorie zu untersuchen – wenn etwa reiche Haushalte gewinnbringender in Aktien anlegen als ärmere.

    Zusätzlich zur Vermögenszusammensetzung können hier unterschiedliche Fähigkeiten bei der Vermögensanlage, professionelles Portfoliomanagement, aber auch Netzwerkeffekte (zum Beispiel Insiderinformationen) eine Rolle spielen.

    Mit diesen zusätzlichen Faktoren wären die Unterschiede in den Renditen zwischen ärmeren und reicheren Haushalten noch größer, als unsere Daten zeigen. Ebenfalls neue Studien mit skandinavischen Steuerdaten kommen zu Ergebnissen, die unseren sehr ähnlich sind.

    Insgesamt steigt somit die Evidenz, dass sich Vermögensrenditen nach der Höhe des Vermögensbesitzes unterscheiden und so zu einer wachsenden Ungleichheit beitragen – die wiederum die Vermögensrenditen auseinandertreibt. Praktisch alle ökonomischen Modelle der Vermögensverteilung ignorieren das und unterschätzen somit die Kräfte, die auf eine Zunahme der Ungleichheit wirken.

    Eine Vermögensteuer wäre eine Möglichkeit, diesen Teufelskreis zu unterbrechen.

    Mehr: Eine Vermögensteuer würde die Spaltung verschärfen, kommentiert Handelsblatt-Korrespondent Martin Greive.

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