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Kommentar Eine Vermögensteuer würde die Spaltung verschärfen

Laut einer neuen DIW-Studie ist die Vermögensungleichheit höher als gedacht. Eine Vermögensteuer ist aber keine Lösung. Die Priorität sollte woanders liegen.
16.07.2020 - 08:41 Uhr 4 Kommentare
Deutschland weiß über seine Vermögenden so gut wie nichts, zeigt eine DIW-Studie. Quelle: dpa
Ein 500-Euro-Schein wechselt den Besitzer

Deutschland weiß über seine Vermögenden so gut wie nichts, zeigt eine DIW-Studie.

(Foto: dpa)

Die neue DIW-Studie zur Ungleichheit bringt endlich etwas Licht ins Dunkel. Während Armut in Deutschland in alle Ecken ausgeleuchtet ist, weil sich Sozialbedürftige vor dem Staat nackig machen müssen, weiß das Land über seine Vermögenden so gut wie nichts.

Eine verlässliche Politik braucht aber eine solide Datengrundlage, um auf dieser Basis Verteilungsfragen zu klären. Die Ergebnisse der DIW-Studie dürfen nur nicht fehlinterpretiert werden in der Art, jetzt zum großen Halali auf Vermögende blasen zu können.

Ja, die Vermögensungleichheit scheint sogar noch etwas höher zu sein, als bislang angenommen wurde, und schon da lag Deutschland international in der Spitzengruppe.

Deshalb eine Vermögensteuer noch lauter zu fordern, wie es einige Politiker bereits tun, würde die Ungleichheit aber nicht verringern, sondern verschärfen. Zuerst einmal müssen die Ergebnisse im rechten Licht betrachtet werden: Die hohe Vermögensungleichheit in Deutschland hat spezifische Ursachen.

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    Viele Ostdeutsche hatten nach der Wende weder Immobilienbesitz noch Ersparnisse, sondern starteten bei null. Dieser Rückstand lässt sich auch in 30 Jahren nicht aufholen.

    Zum Zweiten ist die hohe Ungleichheit auch einem stark ausgebauten Sozialstaat geschuldet. Studien zeigen: Je stärker ein Staat umverteilt, desto geringer ist das Vermögen der unteren Einkommensbezieher. Deshalb ist die Vermögensungleichheit in den als sehr sozial geltenden skandinavischen Ländern auch noch höher als in Deutschland.

    Betriebsvermögen statt Swimmingpool

    Vor allem aber zeigt die DIW doch gerade eines: Vermögende verbringen eben nicht, wie eine Kampagne auf Twitter kürzlich nahelegte, ihren Tag Cocktail schlürfend im Liegestuhl, sondern sie sind diejenigen, die besonders viel arbeiten. Sie sind die Leistungsträger.

    Und ihr Geld steckt eben nicht in goldenen Swimmingpools, sondern in Betriebsvermögen, das produktiv für die Gesellschaft eingesetzt wird, weil daran Millionen Arbeitsplätze hängen.

    Die Wiedereinführung einer Vermögensteuer würde genau diese Arbeitsplätze gefährden. In der Coronakrise ist die Substanz vieler Unternehmen ohnehin schon angekratzt, eine Vermögensteuer würde ihnen den Rest geben.

    Wer Vermögende steuerlich stärker belasten will, sollte dies über eine höhere Erbschaftsteuer tun. Diese ist nach den misslungenen Reformversuchen vergangener Jahre wahrscheinlich ohnehin wieder verfassungswidrig. Eine einfachere Erbschaftsteuer mit großzügigen Stundungsmöglichkeiten dürfte auch Betriebe nicht überfordern.

    Priorität sollte aber etwas ganz anderes haben: Ungleichheit bekämpft die Politik am effektivsten, wenn sie unteren Einkommen den Vermögensaufbau erleichtert. Und indem sie sich endlich dem wahren Ungleichheitsproblem in Deutschland widmet: den mangelnden Aufstiegschancen von Kindern aus ärmeren Familien.

    Mehr: Warum Geringverdiener die Hauptverlierer der Coronakrise sind

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    4 Kommentare zu "Kommentar: Eine Vermögensteuer würde die Spaltung verschärfen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Steuererhöhungen im Höchststeuerland? in keinem Land dieser Erde sind die Steuern und Abgaben höher als in Deutschland und in keinem Land sind die Sozialleistungen auch für Fremde und Einwanderer so hoch wie bei uns. Warum wollen so viele Menschen nach Deutschland? Hier gibt es die besten und höchsten Sozialleistungen ohne jegliche Gegenleistungen!

      Die Erbschaftsteuer zerstört den Deutschen Mittelstand! Die Freibeträge sind für einigermaßen profitable Unternehmen lächerlich! International gesehen ist die Erbschaftsteuer für Ehepartner in Art und Höhe eine Seltenheit. Viele der EU-Zahlungsempfänger erheben gar keine bzw. deutlich geringere Erbschaftsteuern. Österreich erkannte die Kontraproduktivität der Erbschaftsteuer und schaffte sie 2008 wieder ab.

      Es wundert nicht, dass sehr viele Unternehmen und wohlhabende Menschen Deutschland verlassen haben und es auch immer mehr werden! Alle Länder dieser Erde haben eine geringere Steuer- und Abgabenlast als Deutschland. In anderen Ländern sind Unternehmen, wohlhabende Menschen, Fachkräfte und Leistungsträger aus Deutschland willkommen.

      Diejenigen die Deutschland aus steuerlichen Gründen verlassen haben, die kommen ganz sicher nicht mehr zurück. Somit verliert Deutschland durch seine Höchststeuerpolitik wertvolle Unternehmen (und damit auch sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze), Fachkräfte, Leistungsträger und Kapital an andere Staaten.

      An Stelle von Steuererhöhungen sind Steuersenkungen gefragt, um Unternehmen (und damit auch sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze), Fachkräfte, Leistungsträger und Kapital im Land zu behalten. Es darf auch nicht sein, dass mit den Deutschen Höchststeuern die Staaten subventioniert werden, welche die eigenen Bevölkerungen mit niedrigen Steuer- und Abgabensätzen verwöhnen.

    • Vermögen kann man doch ganz klar von Betriebsmitteln u.ä. trennen. Ich verstehe die Beweisführung überhaupt nicht. Wenn wir es nicht bald schaffen, denen die nicht arbeiten können (und davon auch einem geringen Teil, von denen die eben nicht wollen) ein anständiges Grundeinkommen zuteil werden lassen, fliegt uns der Bumms bald um die Ohren. (AfD und andere Bauernfänger). Somit trifft es das Ende des Artikels recht gut.

      Die Argumentation des DIW und auch der Verweis auf skandinavische Länder ist tendenziös. Es geht doch nicht darum die Lücke zu schließen. Meinetwegen ist diese in den skandinavischen Ländern auch größer. Aber die die unten sind, können dort trotzdem ordentlich leben und verspüren ein gewisses Teilhabe. Genau das ist es, was mMn gelöst werden muss. Und aus meiner Sicht, kann man das mit dem Abbau dieser unseglichen Hartz IV Bürokratie (die verdammt teuer ist) und weiteren Maßnahmen (Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer) durchaus finanzieren. Es muss nur gewollt sein.

    • Die hohe Ungleichheit ist auch einem stark ausgebauten Sozialstaat geschuldet, denn die Erde ist ja auch eine Scheibe.

    • Da stimme ich Herrn Greive zu, über Erbschaftssteuer mit großzügigen Stundungsmöglichkeiten (z.B. 50-100 Jahre bei Betriebsvermögen) wäre Ungleichheit einfacher zu bekämpfen als über komplexe neue Vermögenssteuern.

      Schenkungen sollten weiterhin davon ausgenommen bleiben und sichern in der aktuellen Höhe (400.000€ / alle 10 Jahre) eine adäquate Versorgung der direkten Nachkommen.

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