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Kolumne Homo Oeconomicus Philine Erfurt Sandhu: Zur Erhöhung des Frauenanteils braucht es verbindliche Regeln

Die Frauenquote in deutschen Chefetagen ist rückläufig. Das zeigt: Guter Wille genügt nicht, um mehr Frauen in die Vorstände deutscher Konzerne zu bringen.
27.10.2020 - 10:10 Uhr Kommentieren
Philine Erfurt Sandhu ist Dozentin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Quelle: Pressefoto
Die Autorin

Philine Erfurt Sandhu ist Dozentin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin.

(Foto: Pressefoto)

In Diskussionen um den geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen höre ich oft, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich ihr Anteil vergrößere. Wir bräuchten ein wenig Geduld, bis die gut ausgebildeten Frauen nach oben wachsen.

Ich wünschte, dieses Argument würde stimmen, aber das Gegenteil ist der Fall: Der Frauenanteil in den Spitzenpositionen unseres Landes ist rückläufig. Die Vorstände der 30 Dax-Konzerne haben im vergangenen Jahr Frauen verloren und sind mit 12,8 Prozent Frauenanteil wieder beim Stand des Jahres 2017.

Unternehmen in Großbritannien, Frankreich, Schweden und den USA haben mehr als doppelt so viele Frauen in ihren Spitzengremien. Diese Zahlen sind mit dem „Selbstverständnis eines fortschrittlichen westlichen Industrielandes nicht zu vereinbaren“, kommentierte jüngst die Geschäftsführerin der Allbright Stiftung, Wiebke Ankersen, die rückläufige Entwicklung.

Bereits seit Februar laufen zähe Regierungsverhandlungen zur Ausweitung des „Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft“. Bisher gilt eine feste Quote von 30 Prozent für Frauen in Aufsichtsräten nur für eine kleine Gruppe von 105 Unternehmen.

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    Der Gesetzesentwurf sieht nun vor, auch die Vorstände – die eigentlichen Machtzentren der Unternehmen – zur Erhöhung des Frauenanteils zu verpflichten. Besteht der Vorstand eines börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmens aus vier oder mehr Personen, soll bei der Neubesetzung künftig mindestens eine Frau bestellt werden. Es geht um eine Mindestbesetzung, nicht um eine Quote.

    An einer gesetzlichen Regelung führt offenbar kein Weg vorbei

    Die Zähigkeit der Verhandlungen ist nicht nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Dutzende Regierungsbeamtinnen und -beamte und Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter seit Monaten über 29 Frauen diskutieren. Die vorgeschlagene Neuregelung soll de facto nur für 70 Unternehmen in ganz Deutschland gelten, von denen derzeit 29 noch keine Frau im Vorstand haben. Das steht nicht im Verhältnis zu den teils heftig emotional geführten Debatten und den aufgewendeten Ressourcen.

    Strengere Vorgaben werden nun seit fast einer Generation diskutiert. Bereits 2001 vereinbarten die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft mit der Bundesregierung eine Selbstverpflichtung zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen. Die Zahlen lassen keinen Fortschritt erkennen – obwohl wir im europäischen Vergleich den höchsten Anteil bestens ausgebildeter Frauen haben.

    Länder wie Großbritannien oder Schweden, sind mit Selbstverpflichtungen deutlich weiter gekommen. Offenbar brauchen wir regelgeleiteten Deutschen klare Gesetze, um den nötigen Antrieb zu erzeugen.

    Für den CDU-Wirtschaftsrat wäre die Verschärfung des Gesetzes eine „Gängelung der deutschen Wirtschaft“, und sie sei in diesen Krisenzeiten nicht zumutbar. Interessant, dass 29 qualifizierte Frauen als Zumutung für die deutsche Wirtschaft wahrgenommen werden. Der Christlich Demokratischen Union würde ich empfehlen, die Kirche im Dorf zu lassen.

    Mehr: Studie zu Frauen im Vorstand: „Die Talent-Pipeline ist gut gefüllt.“

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