1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kolumnen
  4. Apple: Wie ein Trick die iPhone-Geschäfte in Indien befeuert

AppleWie ein Trick die iPhone-Geschäfte in Indien befeuert

Der US-Konzern verkauft in Indien massenhaft Smartphones, die sich eigentlich kaum jemand leisten kann. Nun bekommt der Konzern auch noch Unterstützung von der Regierung.Mathias Peer 25.07.2024 - 13:00 Uhr
Apple-Shop in Mumbai: Das Statussymbol iPhone für die überwiegende Mehrheit des Landes immer noch ein unerreichbarer Luxus. Foto: Bloomberg/Getty Images

Beim Versuch, von China unabhängiger zu werden, erzielt Apple in Indien einen Überraschungserfolg. Dem US-Konzern ist es nicht nur gelungen, binnen weniger Jahre einen größeren Teil seiner iPhone-Produktion auf den Subkontinent zu verlegen – inzwischen wird rund jedes siebte Smartphone des Unternehmens in Indien hergestellt. Apple findet für seine Geräte in dem Land auch immer mehr Abnehmer, obwohl sich die meisten Inderinnen und Inder iPhones eigentlich gar nicht leisten können.

Das macht Asiens drittgrößte Volkswirtschaft für den Konzern zu Recht zum neuen Hoffnungsträger: Während die Umsätze des Unternehmens in China zurückgehen, legen sie in Indien kräftig zu. Im vergangenen Fiskaljahr, das im März zu Ende ging, stiegen sie um 33 Prozent auf acht Milliarden Dollar, wie der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf noch unveröffentlichte Daten berichtet.

Der chinesische Markt ist damit zwar noch immer neunmal größer. Doch das starke Wachstum lässt erahnen, weshalb Konzernchef Tim Cook Indien als „bedeutenden Schwerpunkt“ seiner Arbeit beschreibt.

Dabei ist das Statussymbol iPhone für die überwiegende Mehrheit des Landes immer noch ein unerreichbarer Luxus: Durchschnittsverdiener erhalten in Indien umgerechnet rund 2500 Euro im Jahr. Sie müssten also über vier Monate ihren kompletten Verdienst ansparen, um sich ein neues iPhone 15 leisten zu können.

Auch für viele Topverdiener des Landes sind die Apple-Geräte nur mit Mühe erschwinglich: Mit einem Jahreseinkommen von 23.000 Euro zählt man in Indien nach Daten des World Inequality Lab bereits zu dem obersten Prozent der Einkommensstatistik – selbst so jemand muss für eines der teureren iPhone-Modelle fast einen kompletten Monatslohn hinlegen.

Apples Marktanteil in Indien wächst

Dennoch gelingt es Apple inzwischen, jedes Jahr mehrere Millionen Smartphones in Indien zu verkaufen. Der Marktanteil ist in den vergangenen fünf Jahren von weniger als einem Prozent auf sechs Prozent gestiegen. Nach Daten der Investmentbank Morgan Stanley hat sich das Land damit als einer der fünf wichtigsten Absatzmärkte für den Konzern etabliert.

Hinter dem Erfolg steht der Wunsch vieler Inder, ihren sozialen Aufstieg auch durch ihr Konsumverhalten zeigen zu können. Um in einem Meer von Android-Nutzern mit einem iPhone hervorzustechen, geht die neue Mittelschicht des Landes deshalb bis an ihre finanziellen Grenzen.

Smartphones

Faltbares iPhone soll offenbar 2026 auf den Markt kommen

Apple hat das erkannt und befeuert die Nachfrage mit einem simplen Verkaufstrick: Das Unternehmen ermöglicht den Kauf per zinsloser Ratenzahlung, gestreckt über zwei Jahre. Diese Option bietet Apple auch in anderen Ländern an. So ausschlaggebend für den Geschäftserfolg wie in Indien dürfte sie aber kaum irgendwo sein: Mehr als 70 Prozent der in dem Land verkauften iPhones werden laut indischen Medienberichten per Ratenzahlung finanziert.

Und das Modell wird immer beliebter: Laut dem Marktforscher Counterpoint Research stieg der Anteil der auf Pump verkauften Smartphones in Indien auf ein neues Rekordhoch. Bei Premiumgeräten aller Hersteller mit einem Preis ab 330 Euro liegt er inzwischen bei rund 50 Prozent.

Für Markenhersteller, die von der wachsenden Konsumfreude Indiens profitieren wollen, bietet das Beispiel Apple eine wichtige Lektion: Es reicht nicht, mit einem bekannten Namen und einem begehrten Produkt anzutreten. Entscheidend ist auch, einen Weg zu finden, um es für die Kundschaft des Landes auch bezahlbar zu machen.

Für Apple gibt es dabei nun auch unerwartete Unterstützung von außen: Finanzministerin Nirmala Sitharaman kündigte am Dienstag an, die Einfuhrzölle auf Smartphones von 20 auf 15 Prozent zu reduzieren – ein Schritt, der laut Analysten kaum einem Unternehmen so sehr helfen dürfte wie dem Konzern aus Cupertino. Dieser fertigt zwar bereits einen Großteil der in Indien verkauften iPhones im Land selbst. Die Premium-Modell Pro und Pro Max werden aber nach wie vor importiert.

Counterpoint Research erwartet eine Entlastung von bis zu 50 Millionen Dollar jährlich für den Konzern – Konkurrenten wie Samsung können mit weniger rechnen. Die Kalifornier haben damit die Möglichkeit, ihr Angebot im Kampf um Indiens Mittelschicht weiter nachzubessern.

Verwandte Themen
Indien
Apple
China
Bloomberg
Android
Samsung

Erstpublikation: 25.07.2024 11:24 Uhr

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt