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Asia TechonomicsIndien macht mit russischem Öl weiterhin richtig Kasse

Indien verarbeitet billiges russisches Öl und verkauft es nach Europa weiter. Ab Januar will Brüssel diese Praxis verbieten. Kurz zuvor steigen die Lieferungen noch einmal kräftig an.Mathias Peer 10.09.2025 - 15:28 Uhr Artikel anhören
Raffinerie-Lagertanks der Mangalore-Raffinerie: Indiens riesige Ölraffinerien zählen zu den größten der Welt. Foto: Getty Images

Bangalore. Angesichts der wachsenden Kritik an Indiens Ölgeschäften mit Russland verteidigt sich die Regierung in Neu-Delhi mit einem auf den ersten Blick leicht nachvollziehbaren Argument: Als vergleichsweise arme Nation könne es sich Indien nicht leisten, auf günstige Energiequellen zu verzichten.

„Indien wird weiterhin russisches Öl kaufen“, sagte Finanzministerin Nirmala Sitharaman vor wenigen Tagen. Es gehe darum, zu kaufen, „was unseren Bedürfnissen entspricht“.

Es gibt aber einen wichtigen Faktor im Energiehandel mit Russland, den Indiens Regierung gerne verschweigt: Die Geschäfte mit den Konzernen des russischen Staatschefs Wladimir Putin dienen nicht nur dazu, den Energiehunger des knapp 1,5 Milliarden Einwohner großen Schwellenlandes zu stillen. Sie helfen auch dabei, den reichsten Mann des Landes noch reicher zu machen.

Die Rede ist von Mukesh Ambani, dem Chef von Indiens größtem Konglomerat Reliance, der in der westindischen Küstenstadt Jamnagar die größte Raffinerie der Welt betreibt. Nach Russlands Einmarsch in der Ukraine begann er, in großem Stil russisches Öl aufzukaufen, es zu Diesel und Kerosin zu verarbeiten und anschließend an westliche Abnehmer zu verkaufen – Länder, die sich eigentlich darum bemühen, von russischen Energieträgern unabhängiger zu werden.

US-Regierung kritisiert Indiens Raffinerien als „Waschsalon für den Kreml“

Das Geschäftsmodell entwickelte sich schnell zu einer einträglichen Einnahmequelle für Ambani. Indien stieg nach Beginn des Ukrainekriegs zu einem der wichtigsten Diesellieferanten Europas auf. Insgesamt gingen zuletzt etwa 40 Prozent der indischen Dieselausfuhren nach Europa.

Der größte Teil davon geht auf das Konto von Ambanis Reliance-Konzern, der laut einem Bericht der finnischen Denkfabrik Centre for Research on Energy and Clean Air seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine seine Jamnagar-Raffinerie durchschnittlich zu 50 Prozent mit russischem Öl betrieben hat.

Mukesh Ambani: Der Chef von Indiens größtem Konglomerat Reliance macht Geschäfte mit russischem Öl. Foto: REUTERS

Der Marktforscher Energy Aspects schätzt, dass die Geschäfte mit vergünstigten Öllieferungen aus Russland Reliance insgesamt einen Zusatzgewinn von sechs Milliarden Dollar gebracht haben. Reliance weist die Darstellung zurück, dass die Gewinne des Unternehmens auf russische Ölimporte zurückzuführen sind, und verweist darauf, auch vor dem Ukrainekrieg im Ölgeschäft profitabel gewesen zu sein.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump, die unter Verweis auf Indiens Ölgeschäfte mit Russland hohe Strafzölle verhängt hat, scheint das aber anders zu sehen: Einige der reichsten Familien Indiens profitierten am stärksten von den Öldeals mit Russland, kritisierte US-Finanzminister Scott Bessent ohne den Ambani-Clan beim Namen zu nennen. Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro bezeichnete Indiens Raffinerien als „Waschsalon für den Kreml“.

Indiens Dieselausfuhren nach Europa steigen an

Die EU will das Geschäftsmodell nun stoppen: In ihrem 18. Sanktionspaket beschloss sie ein Einfuhrverbot für raffinierte Erdölerzeugnisse aus russischem Rohöl, die aus Drittländern nach Europa kommen. Es tritt Mitte Januar 2026 in Kraft.

Doch statt die guten Geschäfte von Ambani und anderen Raffineriebetreibern in Indien auszubremsen, hat die Ankündigung zunächst einen gegenteiligen Effekt: Im August, dem ersten Monat nach Bekanntwerden der EU-Pläne, stiegen Indiens Dieselausfuhren nach Europa um 137 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie der Datenanbieter Kpler berichtet. Im Vergleich zum Vormonat betrug der Anstieg demnach 73 Prozent.

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Marktbeobachter sehen dahinter den Versuch, so viele Lieferungen wie möglich abzuschließen, bevor die neuen Sanktionen greifen. Sowohl Indien als auch Russland machen damit noch einmal so richtig Kasse. Kritik daran weist die Regierung in Neu-Delhi aber zurück: Beamte in der Hauptstadt verweisen auf Europas eigene Verantwortung in dem Geschäft – und betonen, dass niemand die EU zwinge, Diesel und Kerosin aus Indiens Raffinerien zu kaufen.

Doch auch wenn das Verbot in Kraft ist, wird der Effekt womöglich gering bleiben. Branchenkenner halten es für schwer umsetzbar. Ob aus Indien gelieferter Diesel mit Öl aus Russland oder einem anderen Land hergestellt wurde, lässt sich schließlich kaum kontrollieren.

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Indiens große Raffinerien zeigen sich jedenfalls wenig besorgt. Sie betonen, genug Öl aus anderen Quellen zu beziehen, um Europa weiterhin versorgen zu können. Die Produkte aus russischem Öl könnten dann einfach in andere Märkte umgeleitet werden. Für Multimilliardär Ambani stehen damit die Chancen gut, dass sich an seinen lukrativen Geschäften kaum etwas ändert.

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