Asia Techonomics: Spitzenstandort für Forschung – Mit Chinas Tech-Aufholjagd ist noch längst nicht Schluss
China ist weltweit führend in der Technologie.
Foto: ReutersIm Oktober verkündete Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping auf dem großen Kongress der Kommunistischen Partei: „China ist in die Riege der weltweiten Innovatoren aufgestiegen.“ Es ist ein Erfolg, der sich sehen lassen kann. Innerhalb weniger Jahrzehnte ist aus der Werkbank der Welt ein Land geworden, aus dem die technologisch leistungsfähigsten Unternehmen weltweit stammen.
Eindrucksvoll zeigt dies eine neue Studie des renommierten Australian Strategic Policy Institute (ASPI), das über alle wichtigen Technologiebereiche hinweg erfasst hat, wie China im Vergleich zu anderen Ländern abschneidet.
Mit Blick auf mögliche militärische Konflikte im südchinesischen Meer ist vor allem eine Beobachtung besorgniserregend: China ist schon jetzt führend im Bereich moderner Flugzeugtriebwerke, darunter Hyperschalltechnik, die beim Militär eingesetzt wird.
Nicht nur, aber auch Rüstungsprojekte
Sieben der zehn besten Institute, die sich mit dieser Technologie beschäftigen, stammen aus China, heißt es in dem ASPI-Report. Bereits Ende 2021 hatte die Volksrepublik Fachleute mit dem Test einer nuklearfähigen Hyperschallrakete überrascht. Chinesische Wissenschaftler hatten die Rakete einmal um den Globus geschickt.
Die chinesische Staatsführung steckt bereits seit Jahren immer mehr Geld in die Aufrüstung und Weiterentwicklung ihrer militärischen Fähigkeiten. Und zum Start des derzeit in Peking tagenden Volkskongresses hat die Regierung eine Aufstockung des Militäretats um 7,2 Prozent angekündigt.
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China ist aber auch in anderen Bereichen führend: etwa bei Telekommunikationstechnologien, insbesondere 5G- und 6G-Netzen. Diese sorgen für eine besonders schnelle Datenübertragung und werden eine wichtige Rolle bei Zukunftstechnologien wie dem autonomen Fahren spielen. Oder der superschnellen Steuerung von Maschinen.
Laut ASPI gehören chinesische Unternehmen und Forschungsinstitutionen in dem Bereich bereits jetzt zu den besten der Welt. Fast ein Drittel aller Publikationen weltweit stammt aus der Volksrepublik.
Laut der Analyse besteht ein sehr hohes Risiko, dass es zur Monopolbildung kommt. Die ASPI-Forscher legen für dieses Urteil unter anderem die Anzahl der chinesischen Topinstitute zugrunde. Bei der Hochleistungs-Telekommunikationstechnologie sind demnach acht der zehn erfolgreichsten Forschungseinrichtungen in China. Zudem veröffentlicht das Land mehr als dreimal so viele Forschungsergebnisse wie ihr nächster Wettbewerber in dem Feld.
Machtdemonstration bei Batteriehersteller CATL
Die Marktkonzentration ist in einigen Technologiefeldern in China auf ein so großes Maß angewachsen, dass es sogar die Kommunistische Partei selbst beunruhigt. Zum einen, weil es ihren absoluten Machtanspruch in allen Bereichen des Lebens gefährdet. Zum anderen ist die Befürchtung, dass die Monopole chinesische Wettbewerber am Aufstieg hindern und so Innovationen einschränken.
In den vergangenen Jahren griff die Staatsführung massiv regulatorisch in die Tech-Branche ein und stutzte gezielt die größten Unternehmen, darunter den E-Commerce-Riesen Alibaba und den Fahrdienstleister Didi. Die neueste Warnung sendete Xi zum Auftakt des Volkskongresses an das Unternehmen CATL.
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Der Status des Konzerns als Weltmarktführer bei Batteriezellen für E-Autos sei für ihn gleichzeitig Anlass zur Freude und zur Sorge, wird der chinesische Staats- und Parteichef von der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua bei einem Gespräch mit CATL-Chef Zeng Yuqun zitiert. Die Märkte werteten die Unterredung als kein gutes Zeichen: Die Aktie des Unternehmens gab um rund 1,5 Prozent nach.
Auf der anderen Seite machte die chinesische Führung beim Volkskongress einmal mehr sehr deutlich, dass sie weiter darauf setzt, technologisch unabhängiger zu werden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag berichtete, plant Peking dazu eine große bürokratische Umstrukturierung unter anderem des Forschungs- und Technologieministeriums.
Ziel sei es, so Xinhua, „die Ressourcen besser zu verteilen, um die Herausforderungen in den Schlüssel- und Kerntechnologien zu bewältigen und schneller zu einer größeren Eigenständigkeit in Wissenschaft und Technologie zu gelangen“.
In der Kolumne Asia Techonomics schreiben Nicole Bastian, Dana Heide, Sabine Gusbeth, Martin Kölling und Mathias Peer im wöchentlichen Wechsel über die spannendsten technologischen und wirtschaftlichen Trends in der dynamischsten Region der Welt.